Das Bonner Münster als Weihnachtskirche?!

Fenster im nördlichen Querhaus. Paul Weigmann, 19. Jhd.

Ein wenig ist dies auch einem Bonner Schnapsfabrikanten zu verdanken: Für 100.000 Reichsmark hat er jene Fresken im Hochchor der Münster-Basilika gestiftet, die Bonns zentrale katholische Kirche zu einer echten Weihnachtskirche machen. Vom Kreuzweg und den Kreuzen selbst einmal abgesehen gibt es im Münster nur wenige Passionsdarstellungen, dafür aber umso mehr weihnachtliche Motive: Angefangen bei der Verkündigung, dem Besuch Marias bei Elisabeth, der Geburt in Bethlehem bis hin zum Besuch der Weisen aus dem Morgenland und der Flucht nach Ägypten.

Altar zu Ehren der Geburt Jesu und des Heiligen Urban

Auch Münster-Pfarrer Wilfried Schumacher kann nur spekulieren, warum im Münster so viele weihnachtliche Motive und so wenige Darstellungen des Ostergeheimnisses zu finden sind: „Zunächst einmal ist das Münster eine über den Gebeinen der Bonner Stadtpatrone errichtete Grabeskirche, und diese Tatsache hat den Menschen im Mittelalter wohl ausgereicht“, ist seine Vermutung. Als die Gebeine der Märtyrer, die seit 691 nachweislich die Namen Cassius und Florentius tragen, am 2. Mai 1166 zur Ehre der Altäre erhoben wurden, sei dieser Ort nicht mehr nur ein Zeugnis ihrer Passion, ihres Leidensweges, sondern auch ihrer Verherrlichung gewesen. „Mich wundert es nicht, wenn sozusagen als Gegengewicht zu diesem österlichen Thema die weihnachtlichen Darstellungen so zahlreich zu finden sind“, so Schumacher.

 

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Auch wenn die Fresken im Hochchor Einzelheiten enthalten, die wohl ihrer Entstehungszeit geschuldet sind (wie etwa die Darstellung des Heiligen Josef mit einer roten Fahne über der Schulter, einem Symbol für die im ausgehenden 19. Jahrhunderten erstarkende Klasse der Arbeiterschaft und die erste Sozialenzyklika Leos XIII.), die Botschaft der einzelnen Szenen gipfelt in dem Weihnachtsbild: Das Kind in der (im Fresko vor einer Ruinenlandschaft gestalteten) Krippe ist ein Zeichen dafür, dass Gott trotz aller Widrigkeiten nicht aufgibt, immer wieder einen neuen Anfang mit den Menschen wagt. Nicht nur die Drei Weisen aus dem Morgenland sind, wie es im Hochchor gezeigt wird, dem Stern über Bethlehem gefolgt, haben dafür einen vorgezeichneten Weg verlassen und ihrem Leben eine neue Richtung gegeben. „Auch Cassius und Florentius sind diesem Stern gefolgt“, erklärt Wilfried Schumacher, „und damit schließt sich der Kreis, wird das Münster zu einer Einheit“.

 

Der Krippenaltar aus dem Jahr 1622 und der Dreikönigsaltar aus dem Jahre 1702 mit dem tänzelnden König gehören ebenso zu den Weihnachtsdarstellungen wie der Verkündigungsaltar auf der Empore neben dem Sakristei-Eingang. „Jeder dieser Altäre hat seine eigene Botschaft und zeigt Details, die es zu entdecken gilt“, erklärte Msgr. Schumacher seinen Zuhörern bei seinen Kirchenführungen in der Adventszeit. Das Fresko mit den Drei Königen im Querhaus ist für den Münster-Pfarrer eher ein „politisches Bild“. Es steht im Bezug zu dem großen Reichsadler, der an die beiden Königskrönungen im Bonner Münster (1314 & 1346) erinnert. Die gekrönten Könige mussten im Mittelalter am Dreikönigsschrein ihre Gaben niederlegen, um eine verbindliche göttliche Legitimation zu erhalten.