Bonner Stadtkrippe 2014

1. Advent - Die unheile Stadt

Wie unreine Menschen sind wir alle geworden,

unsere ganze Gerechtigkeit ist wie ein schmutziges Kleid.

Wie Laub sind wir alle verwelkt,

unsere Schuld trägt uns fort wie der Wind.

Niemand ruft deinen Namen an,

keiner rafft sich dazu auf, festzuhalten an dir.

Denn du hast dein Angesicht vor uns verborgen

und hast uns der Gewalt unserer Schuld überlassen.

Und doch bist du, Herr, unser Vater.

Wir sind der Ton, und du bist unser Töpfer,

wir alle sind das Werk deiner Hände.

Bibel, Buch des Propheten Jesaja Kapitel 64

 

Gedanken von Msgr. Wilfried Schumacher

Der italienische Philosoph Giovanni Botero charakterisierte die Stadt im 16. Jahrhundert so: „Eine Stadt, sagt man, sei eine Ansammlung von Menschen, die zusammenkamen, weil sie hofften, auf diese Weise besser und glücklicher leben zu können“. Bis heute steht die Stadt für das große und oft uneingelöste Versprechen auf ein glückliches und freies Leben. Im Mittelalter hieß es „Stadtluft macht frei“! Viele Menschen  glauben auch heute noch, in der Stadt fänden sie das lukrative und gesicherte Leben.

Aber die Stadt so schön sie auch sein mag, ist nicht nur ein Ort der Träume, sondern auch der Albträume. Hier gibt es auch den  Handel mit Drogen und Prostitution, Obdachlosigkeit und Armut, Gewalt, Einsamkeit und grausame Anonymität. Die einen verdienen an der Not der anderen. Arme und Reiche leben in einer Stadt und sind trotzdem weit voneinander entfernt. Die heile Welt existiert neben der unheilen Welt.

 

In der Stadt kann man es vom Tellerwäscher zum Millionär schaffen, hier kann man aber auch in der Gosse landen, in einer heruntergekommenen Wohnung isoliert leben und am Ende einsam sterben, ohne dass irgendein Nachbar aus dem Haus etwas bemerkt.

 

Der Advent beginnt mit einem Blick auf die unheile Stadt.

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