2. Advent

Johannes der Täufer mahnt

Das Volk zog in Scharen zu Johannes hinaus, um sich von ihm taufen zu lassen. Er sagte zu ihnen: Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, dass ihr dem kommenden Gericht entrinnen könnt? Bringt Früchte hervor, die eure Umkehr zeigen, und fangt nicht an zu sagen: Wir haben ja Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann aus diesen Steinen Kinder Abrahams machen. Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen.

 

Da fragten ihn die Leute: Was sollen wir also tun? Er antwortete ihnen: Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso. Es kamen auch Zöllner zu ihm, um sich taufen zu lassen, und fragten: Meister, was sollen wir tun? Er sagte zu ihnen: Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist. Auch Soldaten fragten ihn: Was sollen denn wir tun? Und er sagte zu ihnen: Misshandelt niemand, erpresst niemand, begnügt euch mit eurem Sold!

Bibel, Evangelist Lukas 3. Kapitel, Verse 7 bis 14

 

 

Gedanken von Dr. Norbert Blüm

Wer ist dieser Johannes? Wir wissen wenig von ihm, aber das Wenige ist viel. Johannes, - in seiner Zeit ein „abgefahrener Typ“, schlecht gekleidet, mit einem Mantel aus Kamelhaar und unrasiert. Aber wie viele seinesgleichen aus gutem Hause: Sein Vater Zacharias war Priester, seine Mutter Elisabeth eine Verwandte von Maria.

 

Drei Mahnungen sind von ihm überliefert. Er bringt sie nicht gerade höflich an den Mann und die Frau. „Schlangengeburt“ nennt er seine städtischen Zuhörer, die zu ihm aufs Land an den Jordan gekommen sind (Lk 3,7). Manche Leute haben es gerne, wenn sie beschimpft werden. – „Vielleicht hat er recht?“, denken sie. Andere sind beleidigt. – „Was sollen wir tun?“, fragen die Reumütigen.

 

„Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat, und wer zu essen hat, tue ebenso.“ (Lk 3,11) Der zweite Teil der Botschaft geht an den Staat und seine Diener, die Zöllner. „Fordert nicht mehr als euch vorgeschrieben ist.“ (Lk 3,13) Das ist die Warnung vor Korruption und versteckt die Forderung nach Gerechtigkeit, denn die Vorschriften der Obrigkeit sind leichter von den Untergebenen einzuhalten, wenn sie gerecht sind. Der dritte Aufruf richtet sich an die Soldaten. „Tut niemandem Gewalt an.“ (Lk 3,14)

 

Ja, wenn viele Waffen produziert werden, aber niemand hingeht, sie zu kaufen, gibt es keine Waffengewalt mehr.

Er hat den Wunsch nach einer besseren Welt in die Tat umgesetzt: Adolph Kolping

Ja, wenn…!

 

Wunschträume müssen sein, denn manche von ihnen schaffen es, zur Realität zu werden – auch in unserer Stadt. Auf dem Mond zu landen war vor nicht allzu langer Zeit auch ein Traum.

 

Die drei Mahnungen von Johannes, dem „abgefahrenen Typ“, sind ganz einfach und doch sind sie von der umfassenden adventlichen Sehnsucht nach dem Heil für alle, nach Gerechtigkeit und Frieden inspiriert.