Vierte Darstellung der Stadtkrippe

WEIHNACHTEN

In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen. Dies geschah zum ersten Mal; damals war Quirinius Statthalter von Syrien. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen. 

So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete.

Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.

In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat der Engel des Herrn zu ihnen, und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr, der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt. Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: Verherrlicht ist Gott in der Höhe, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade. (Bibel, Lukas-Evangelium, Kapitel 2, Verse 1-14)

 

Gedanken von Msgr. Wilfried Schumacher

Es ist kalt und dunkel geworden in unserer Welt. „The time is out of joint“, sagt Hamlet. Die Zeit ist aus den Fugen geraten. Viele Menschen plagen Sorgen. Angesichts immer weiter sinkender Zinsen fürchten sie um den Verlust ihres oft nur kleinen Besitzes und sie haben Angst um ihre Altersvorsorge. Fast 20.000 arme Kinder leben in unserer Stadt, von den Erwachsenen, die mit dem Nötigsten auskommen müssen, ganz zu schweigen. An vielen Stellen der Welt sprechen die Waffen, wir erleben Krieg und Terror, die uns tagtäglich über die Medien ins Haus gebracht werden. Was man früher nur vom Hörensagen wusste, kann man jetzt mit ansehen.

 

Vor unseren Toren stehen Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten. Was wir nach dem Zweiten Weltkrieg erlebten, wiederholt sich jetzt. Waren es damals die Menschen aus Ostdeutschland und Osteuropa, die vertrieben und in den Westen geflohen waren, so klopfen jetzt viele Tausend bei uns an, die im Mittleren Osten oder in Afrika um ihr Leben fürchten müssen. Die Welt wird immer mehr zu einem globalen Dorf, in dem viele Tausend Kilometer keine Entfernung mehr darstellen. 51 Millionen Menschen auf der Flucht sind mehr als eine Schlagzeile in der Zeitung; es sind Menschen von nebenan auf der Erde.

 

In unserer Stadtkrippe steht deshalb ein Flüchtlingszelt mitten in unserer Stadt. Fast schon wie ein Fremdkörper. Wie eine Herausforderung und eine Anfrage: Wie schön sind die Städte, die das krankhafte Misstrauen überwinden, die anderen mit ihrer Verschiedenheit eingliedern und aus dieser Integration einen Entwicklungsfaktor machen! (Papst Franziskus, Evangelii gaudium Nr. 210)

 

Maria, Josef und das Jesuskind nicht einem Stall, sondern in einem Flüchtlingszelt. Das mag manchen erschüttern. Aber „wir dürfen uns nichts vormachen: Krippe und Stall sind nicht das Idyll eines Holzschnitzers für die wohnliche Stube. Krippe und Stall sind Ausdruck von Lebensgefahr, von Not und Hilflosigkeit, der dieses Kind vom ersten Augenblick an ausgesetzt war.“ (Kardinal Woelki) Gleichzeitig verkünden wir so eine alte und doch immer neue Botschaft. „Gott geht in seiner Solidarität mit uns Menschen aufs Ganze, an den äußersten Rand des Lebensmöglichen.“ (Kardinal Woelki)

 

Das Flüchtlingszelt mit der Krippenszene bezieht Position auch gegenüber denen, die sich in diesen Wochen mit Parolen gegen Fremde Freunde machen wollen. „Friede“ ruft der Engel ihnen in verschiedenen Sprachen zu. Die Sehnsucht nach Frieden vereint die Menschen in allen Religionen.

 

 

Alle kommen herbei

Ein Flüchtlingszelt mitten in Bonn - das muss man sich ansehen und so kommen alle herbei. Der Obdachlose, der in den vergangenen Wochen mit seiner Fifty-fifty-Zeitungunterwegs war, kniet und bietet dem Kind das Ergebnis seiner Verkaufsaktivitäten an. Begleitet wird er von einer Mitarbeiterin der Caritas, die sich in unserer Stadt um die Obdachlosen kümmert. Adolf Kolping in der Kluft eines Zimmermannsgesellen ist auch niedergekniet. Von ihm stammt das Wort: „So weit Gottes Arm reicht, ist der Mensch nie ganz fremd und verlassen. Und Gottes Arm reicht weiter, als Menschen denken können.“

 

Die Töpferfrau eilt herbei. Auch sie scheint zu begreifen, was sich da mitten unter uns ereignet hat. Der getöpferte Krug, den sie bringt, wird zum Sinnbild für das alltägliche Leben. Es bleibt nicht außen vor.

 

Die beiden ausländischen Mitbürger haben den Stern entdeckt, der über der Stadt leuchtet. Sie wissen noch nicht, was das alles bedeutet. Als Fremde leben sie unter uns. Und doch sind sie neugierig. Auch der Busfahrer kommt und auch der Markthändler schaut neugierig.

 

„Ich verkünde Euch eine große Freude“ - angesichts der Frohen Botschaft der Engel kann man ruhig ein Tänzchen wagen. Besonders dann, wenn Beethoven selbst zum Tanz aufspielt.

 

Haben Sie die junge Frau links im Café gesehen? Sie hat dem Geschehen den Rücken zugekehrt. Unbeteiligt von allem liest sie in der Zeitung und meint vielleicht, so ein Bild der Wirklichkeit zu erhalten.

 

Ganz engagiert: das Kind, das neugierig die Zeltplane angehoben hat. „Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.“ (Markus 10,13-16)

 

Und wo ist Ihr Platz in diesem Bild?

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