ERBARMEN

Stadtkrippe am 2. Advent

 

„Es kommt ein Schiff geladen“ – das ist auch die Botschaft für die Menschen in unserer Stadt. Es sind Menschen von heute, die auf einem großen Bildschirm ähnlich den großen Werbetafeln im Straßenbild, sehen können, was sie von diesem Schiff erwarten dürfen: ERBARMEN.

 

„Erbarmen und Gerechtigkeit kommen von Gott“ heißt es in der Bibel (Buch Baruch 5. Kapitel) Im menschlichen Miteinander wird der Begriff der Gerechtigkeit oft dem der Barmherzigkeit, des Erbarmens gegenübergestellt. So als ob Gerechtigkeit einem Menschen das gibt, was er sich selbst verdient hat, während die weitergehende Barmherzigkeit als eine Art Mitleid verstanden wird, aus dem heraus einem Bedürftigen Hilfe zuteilwird. Aber Gerechtigkeit ist nicht das Gegenteil von Barmherzigkeit, sondern deren Frucht ist.

 

Woher kommt das Erbarmen, woher kommt die Barmherzigkeit? In der hebräischen und griechischen Sprache bedeutet das Wort „Barmherzigkeit“ auch „Mutterschoß“. Erbarmen hat also seinen Ursprung im Innersten Gottes, im Innersten des Menschen. Pater Anselm Grün hat einmal geschrieben: barmherzig sein heiß t, „den anderen in seinem Mutterschoß tragen, ihn heranreifen lassen, bis er selbst wachsen und leben kann.“

 

Das zweite Bild unserer Stadtkrippe zeigt beispielhaft, dass es in unserer Gesellschaft viele unbarmherzige Situationen gibt, die nach Erbarmen rufen:

 

Wir sehen zwei Männer. Einer steckt dem anderen einen Koffer mit Geld zu. – Korruption gibt es in allen gesellschaftlichen Bereichen. Papst Franziskus sagt in dem Dokument, in dem er zum Heiligen Jahr der Barmherzigkeit einlädt, das am 8. Dezember 2015 beginnt: „Die Korruption nimmt Menschen die Hoffnung auf die Zukunft, denn in ihrer Rücksichtslosigkeit und Gier zerstört sie die Zukunftspläne der Schwachen und erdrückt die Armen. Es ist ein Übel, dass damit beginnt, sich in alltäglichen, kleinen Dingen einzunisten, um sich dann soweit auszubreiten, wie es dann manchmal in den großen Skandalen sichtbar wird.“

 

Der junge Mann hat dem Obdachlosen den Hut gestohlen, mit dem er gebettelt hat. – Schätzungsweise 300.000 Menschen verfügen in unserem Land über keinen mietvertraglich abgesicherten Wohnraum. Rund 24.000 von ihnen leben auf der Straße. Die zunehmende Verarmung immer breiterer Bevölkerungsschichten und der extrem angespannte Wohnungsmarkt sind hauptsächlich für den massiven Anstieg der Wohnungslosigkeit verantwortlich.

 

Der Priester, der das Paar wegschickt. – Die Gründe kennen wir nicht. In der Umfrage zur Familiensynode beklagten viele Menschen die „Unbarmherzigkeit“, mit der Kirche oft mit wiederverheirateten Geschiedenen begegne. Aber es können auch andere Gründe sein, weshalb die Beiden auf Ablehnung gestoßen sind. Papst Franziskus sagt: „Die Hirten sind aufgerufen, sich zu fragen, wie sie jenen beistehen können, die in dieser Situation leben, damit sie sich nicht ausgeschlossen fühlen von der Barmherzigkeit Gottes, von der brüderlichen Liebe anderer Christen und von der Sorge der Kirche um ihr Heil“.

Der Engel tritt dem Paar zur Seite – und wird zum „Zeugnis der Barmherzigkeit, der zärtlichen Liebe des Herrn, die das Herz erwärmt, Hoffnung weckt und zum Guten hinzieht.“ (Franziskus)

 

Drei Beispiele für Unbarmherzigkeit in unserer Gesellschaft.

 

Aber entdecken Sie in unserer Krippe auch das Gegenteil. Sie sehen den Rollstuhlfahrer, der von einer Caritas-Mitarbeiterin geschoben wird, damit er sehen kann, was auf dem Bildschirm angezeigt wird. – Kleines Zeichen von Barmherzigkeit.

 

Es kommt ein Schiff geladen – was erwarten Sie von diesem Schiff?