WARTEN

Stadtkrippe am 1. Advent

 „Save the Date“ – sagt man heute neudeutsch, wenn man jemanden mitteilen will, dass ein Termin, ein Date bevorsteht, den man sich unbedingt merken soll. Den man retten („save“) soll vor möglichen Terminkollisionen. „Save the Date“ heißt es auch in der Adventszeit in unserem Münster. Es geht um den einen Termin, den wir uns merken sollen: Den 25. Dezember, den Geburtstag Jesu.

 

Freuen Sie sich schon darauf? Wie bei jedem Fest, zu dem wir eingeladen sind, heißt es zuerst einmal WARTEN. Es gibt noch Zeit, die ich nutzen kann.

Warten! Warten müssen! Abwarten! - Das hat einen negativen Beigeschmack. Wer wartet schon gerne? - Sofort! So lautet der Slogan, der unsere Zeit prägt. Unmittelbare Bedürfnisbefriedigung ist angesagt.  Wer wartet, vertut kostbare Lebenszeit. Wer wartet, muss sich die Frage gefallen lassen, ob es nichts Wichtigeres zu tun gäbe.

 

Die „Stadtkrippe“ zeigt in dieser Woche Situationen des Wartens, wie wir sie aus unserem Alltag in dieser Stadt kennen. Menschen, die am Busbahnhof warten, dass der Bus pünktlich kommt. Menschen, die in der Schlange stehen, vor der Theke, bis sie endlich bedient werden.

 

Der Bettler, der am Straßenrand hockt und hofft, dass Passanten ihm etwas Geld geben. Die Frau, die im Café auf den Freund wartet. Die schwangere Frau in Erwartung der Geburt ihres Kindes. Unterschiedliche Szenen, die uns in unterschiedlicher Weise herausfordern.

 

Wenn wir warten, können wir das ungeduldig, geduldig, sehnsüchtig, freudig, leidend, ergeben, zweifelnd, voller Spannung, verlangend, ganz in Erwartung tun.

 

Wir können uns auch ärgern, sind genervt oder regen uns auf über die, die uns warten lassen. Beim Warten vergeht noch Zeit, da steht noch etwas aus, da bleibt etwas offen.

 
Warten verlangt von uns nicht selten einen langen Atem, durchhalten, dranbleiben, hoffen, nicht aufgeben. In welcher Haltung warte ich auf Weihnachten? Vielleicht bin ich auch froh, wenn es endlich vorbei ist? Aber gibt es da nicht eine Sehnsucht, tief in uns drinnen?

 

 

Der Advent ist eine Zeit wider die Zeit. Ich muss nicht im Takt des Sekundenzeigers auf meiner Uhr voranlaufen. Ich kann mir den Luxus leisten zu warten. Ohnmächtig ist, wer warten MUSS. Machtvoll dagegen, wer warten KANN.

 

Während so manches Warten von großer Unsicherheit geprägt ist – wann ist es denn endlich soweit? – hat unser Warten ein Ziel. Save the Date! – Halte Dir den Termin frei. Du bist eingeladen!

 

Haben Sie den weißgekleideten Mann bemerkt (Sie können ihn auch Engel nennen)? Er überbringt die Einladung an die Menschen in der Stadt.

 

Save the Date!

Sehen wir uns?