Was gönne ich mir?

Die Stadtkrippe am 3. Advent

Zum Dritten Advent richtet das Bild der Stadtkrippe den Fokus auf die Frage: „Was gönne ich mir selbst?“ Die Szenen führen uns exemplarisch vor Augen, was schon Bernhard von Clairveaux im 12. Jahrhundert seinem Freund, Papst Eugen III, in einem Brief ans Herz gelegt hat. Der Ratschlag mag zwar schon alt sein, doch hat keineswegs an Aktualität verloren.

 

„Ja, wer mit sich selbst schlecht umgeht, wem kann der gut sein? Denk also daran: Gönne dich dir selbst. Ich sag nicht: Tu das immer, ich sage nicht: Tu das oft, aber ich sage: Tu es immer wieder einmal. Sei wie für alle anderen auch für dich selbst da, oder jedenfalls sei es nach allen anderen.“

 

Was meint der heilige Bernhard wohl genau mit seinem Zitat?

Eine Pause gönnen

Eine Antwort kann uns die Szene am Gemüsestand geben. Dort sehen wir eine klassische Verkaufsszene, wie wir sie alltäglich auf dem Wochenmarkt erleben können.

 

Doch etwas ist anders. Der Verkäufer steht einmal nicht hinter seinem Stand, sondern sitzt Kaffeetrinkend auf eine der Gemüsekisten. Er gönnt sich eine Pause nimmt sich Zeit für sich.

 

Soweit so gut, doch die Szene ist schon fast provozierend. Immerhin steht ein Kunde an seinem Stand und will bedient werden. Welcher Händler kann sich das heutzutage noch leisten, den Stand, das Geschäft zuzusperren, um sich eine Pause und Erholung zu gönnen? Angesichts der Möglichkeiten, nahezu unbegrenzt einkaufen zu können, hat diese Szene schon etwas Surreales.

Und doch trifft sie es auf den Punkt. Gönnen ist, wenn wir es ernst nehmen, eben auch eine bewusste Unterbrechung der alltäglichen Muster.

 

Es ist so leicht daher gesagt: „Ich gönn‘ mir mal eine Pause“, aber mittlerweile wissen nicht nur die Wissenschaftler, dass es diese Momente im Leben braucht. Sie sind nötig, um den Draht zu sich selbst nicht zu verlieren.

In der Szene am 3. Advent sehen wir viele solcher Momente:

  • Die Mutter, die sich die Zeit gönnt, ein Buch zu lesen, während die Kinder spielen,
  • der Zeitungsleser neben ihr auf der Bank,
  • der Busfahrer, der ganz versonnen der Töpferin zuschaut,
  • die beiden Männer, die zum Bücherschrank gehen, um sich ein Buch zu gönnen,
  • das Paar, das genüsslich Kaffee und Kuchen konsumiert
    und selbst Beethoven auf dem Sockel hat sein Instrument beiseitegelegt