2. Advent, Hoffen, Predigt

4. Dezember 2016; Wilfreid schumacher

Predigt des Stadtdechanten von Bonn, Msgr. Wilfried Schumacher, am Zweiten Advent, Sonntag, 4. Dezember 2016, im Bonner Münster

  

HOFFEN - HOFFNUNGSZEICHEN

 

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Advent ist für viele mit Hektik und Stress verbunden. Man eilt sozusagen von Besinnung zu Besinnung und mancher Gesprächspartner, den ich in dieser Woche treffe, hat immer schon ein Bedauern in der Stimme: „Sie haben gewiss viel zu tun!“ begrüßt man mich und ist erstaunt, wenn ich antworte: „Nicht mehr als sonst“.

 

Wir selbst haben den Advent zu dem gemacht, was er heute für viele bedeutet – zu einer mehr als unruhigen Zeit der Festvorbereitung. Das haben wir geschafft, indem wir das Fest einfach ausgedehnt haben: in den Geschäften ist schon seit Wochen Weihnachten und wir dürfen uns nicht wundern, wenn viele an den Festtagen schon des Festes überdrüssig geworden sind.

 

Ursprünglich ist der Advent eine Fastenzeit – sechs Wochen vor Weihnachten – 40 Tage wie die Wochen vor Ostern. In mancher Familie gibt es noch Reste davon zu spüren – etwa, wenn am Heiligen Abend dem letzten Tag dieser Fastenzeit das Abendessen trotz allem nicht so üppig ist. Wir haben aus dem Advent die Vor-Weihnachtszeit gemacht, die sich von der Weihnachtszeit nur dadurch unterscheidet, dass sie ein Übermaß an Veranstaltungen kennt und schon überall die Festdekoration vorwegnimmt, die nach dem Fest schnell abgebaut wird.

 

Nur hier in der Kirche ist alles etwas karger und schlichter. Wer aufmerksam ist für den Kalender und sich durch die Glitzerwelt der Kaufhäuser nicht täuschen lässt, der nimmt plötzlich beim näheren Hinschauen wahr, dass diese 40 Tage vor Weihnachten einige „Peaks“, einige Höhepunkte haben, die neben den Sonntagen aus den anderen eher besinnlichen Tagen herausragen: Da war das Fest der Heiligen Elisabeth, der Heiligen der Nächstenliebe, deren Brotkorb sich in Rosen verwandelt hat.

 

Heute feiern wir die Heilige Barbara. Der Brauch der Barbarazweige erinnert an das Schriftwort des Propheten, der sieht wie aus einer scheinbaren toten Wurzel neues Leben entspringt. Am Dienstag begegnet uns der Heilige Nikolaus. „Dich rufen wir Sankt Nikolaus auf Erden geht die Not nicht aus“, heißt es in einem Gedicht. Am 13. Dezember feiern wir die Heilige Luzia, die Leuchtende, die Lichtträgerin. Um nur einige Beispiele zu nennen. In unserer Glitzerwelt gehen diese Leuchtpunkte im Kalender verloren. Für mich sind es kleine Hoffnungszeichen, die von einer anderen Welt künden. Die Bibel spricht vom Reich Gottes, das mitten unter uns anbricht.

 

Ich möchte Sie heute einladen, solche Peaks, solche kleinen Höhepunkte in ihrer Adventszeit zu entdecken. Das kann vieles sein: eine Advents-oder Weihnachtsfeier, ein Bummel zu zweit über den Weihnachtsmarkt, ein Glühweinabend mit Kolleginnen und Kollegen, ein Abendessen, ein Geschenkeeinkauf mit der Vorfreude auf die Freude der Beschenkten. Aber auch eine Zeit des Gebetes, eine Stunde des Alleinseins – oder was sonst noch so aus dem Advent herausragt; nicht als lästiger Termin, sondern als eine Zeit, die gut getan hat. Vielleicht kann ein Bild aus der ersten Lesung, aus dem Buch des Propheten Jesaja hilfreich sein bei der Deutung dieser Erlebnisse:  „Schaut euch diesen Baumstumpf an!“, sagt der Prophet.

 

Tatsächlich: Da ist ein Baumstumpf. Er steht für Israel, für eine große Vergangenheit, für große Träume. Alles vergangen, ausgeträumt, Israel ist ein Schatten seiner selbst, machtlos, klein gemacht, gedemütigt. Aber schaut genauer hin! Seht ihr, wie der Stumpf ausschlägt? Wie neues wächst? Wie sich neues Leben herausdrängt? Unbeeindruckt von dem Torso, der sich den Augen bietet.

 

Jesaja fordert uns auf, neu hinzusehen, aus Lethargie und Skepsis aufzubrechen, sich auch von schlechten, gar schrecklichen Erfahrungen nicht gefangen nehmen zu lassen. Dann wird manches zum Hoffnungszeichen für eine heile, heilvolle, geheilte Welt.

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