3. Advent, Freuen, Predigt

11. Dezember 2016; Wilfried Schumacher

Predigt des Stadtdechanten von Bonn, Msgr. Wilfried Schumacher, am Dritten Advent, Sonntag, 11. Dezember 2016, im Bonner Münster

 

FREUEN

 

Wann haben Sie sich zum letzten Mal so richtig gefreut? Wann haben Sie zum letzten Mal festgestellt: „Das war richtig schön“. Situationen, in denen Sie sich richtig wohl gefühlt haben und an die Sie sich gerne erinnern? – Ich hoffe, Sie alle kennen solche Glücksmomente, wo tiefe Freude das Herz durchzieht und wir mit uns und der Welt zufrieden sind.

 

Denn der heutige Sonntag handelt von der Freude: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! Denn der Herr ist nahe.“ – Mit diesem Eingangsvers beginnt die Liturgie.

 

Ich habe einmal nachgeschaut, was das Internet zu diesem Thema weiß, und stieß dabei auf folgenden Text: „Die Suche nach dem Glück. nach dem guten Leben. ist so alt wie die Menschheit. Lebensfreude hilft uns dabei, das halb leere Glas halb voll zu machen - und diese positive Einstellung ist so wichtig für unser Wohlbefinden.“

 

Es war keine fromme Seite, auf der das zu lesen war. Und auch die folgende Ankündigung entstammt nicht etwa einer Predigt „So wollen wir das Bewusstsein der Menschen schärfen und Anregungen geben. wie sich die Lebensfreude jedes Einzelnen steigern lässt. Denn fest steht: Lebensfreude lohnt sich!“ Man findet diese Gedanken auf der Webseite von Coca-Cola![1]

 

Es wundert mich nicht, dass andere die Arbeit tun, die wir tun müssten. In unseren Mauern geht es oft sehr ernst zu. Da gibt es oft den erhobenen, moralischen Zeigefinger. Von Freude ist da selten etwas zu spüren.

 

Versuchen wir trotzdem, über die Freude nachzudenken – wohlwissend, dass es genauso theoretisch ist, wie wenig man über Liebe predigt, statt es einfach zu tun.

 

Wir wissen alle, Freude gibt es nicht auf Befehl. „Freust du dich denn gar nicht?“ fragt der Ehemann ganz enttäuscht, wenn seine so gut geplante Überraschung seiner Frau offenbar gar nicht gefällt. „Freust du dich gar nicht? Manch einer fügt hinzu: Kannst du nicht wenigstens so tun, als ob du dich freust?“ – Das geht nicht. Freude lässt sich nicht befehlen und auch nicht vortäuschen. Sie will schon echt empfunden sein.

 

Der Herr selbst nennt uns den Grund zu einer Freude, die das ganze Leben durchziehen kann, wie ein roter Faden oder wie ein Fundament, das festen Halt gibt. Als die 70 Jünger von ihrer Missionsreise zurückkehren, voller Stolz und voller Freude über das, was sie erreicht haben, bremst der Herr ihren Höhenflug: „Freut Euch nicht darüber, dass euch die Geister untertan sind. Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind!“ (Lk 10,20)

 

Das kennen wir alle – wenn wir Erfolg haben, wenn uns etwas gelingt, dann freuen wir uns. Aber wehe, wenn dass die einzigen Gründe für unsere Freude sind, umso tiefer ist das Loch, in das wir fallen, wenn der Erfolg ausbleibt und etwas nicht gelingt.

 

Freut euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind! - In unserer Taufe ist das geschehen – unsere Namen sind im Himmel eingeschrieben – oder wie Gott es durch den Propheten Jesaja sagt: „Sieh her: Ich habe dich eingezeichnet in meine Hände (Jes 49,16). Wenn mein Name eingeschrieben ist in die Hand Gottes, dann kann ich nicht verloren gehen, auch nicht im Tod! Ich wünsche mir und Ihnen, dass uns dieses Bewusstsein nicht verlorengeht, denn darin liegt wahrlich der Grund unserer Freude als Christen.

 

Papst Franziskus sagt noch etwas Anderes: „Die Freude ist nicht die Trunkenheit des Augenblicks: Sie ist etwas völlig anderes! Die wahre Freude kommt nicht von den Dingen her, vom Besitz, nein! Sie kommt aus der Begegnung, aus der Beziehung zu den anderen Menschen, sie entsteht, wenn man sich akzeptiert, verstanden, geliebt fühlt und selbst akzeptiert, versteht und liebt; und zwar nicht mit dem kurzlebigen Interesse eines Augenblicks, sondern weil das Gegenüber, der Andere, ein Mensch ist. […] Die Freude entsteht aus der Unentgeltlichkeit einer Begegnung! Sie besteht darin, sich sagen zu lassen: ›Du bist wichtig für mich«, auch wenn es nicht notwendigerweise in Worten ausgedrückt wird.“[2]

 

Darauf lasse ich mich gerne hinweisen - gerade in diesen Tagen. Denn wie leicht gerät der Advent zur hektischen Betriebsamkeit, und wie schnell kann dabei die Vorfreude auf das Wesentliche verloren gehen. Es gibt eine Freude jenseits von Konsum-Freuden-Taumel und angestrengt-verkrampfter Weihnachtsfeierlichkeit. Es gibt einen Grund für unsere Vorfreude auf Weihnachten.

 

Der Herr ist nahe. Er kommt zu uns. Das ist jetzt dran. Alles andere kann warten. An Weihnachten sagt Gott zu jedem von uns: „Du bist mir wichtig, ich liebe dich, ich zähle auf dich.“.

 

Wenn das kein Grund ist, sich auf dieses Fest zu freuen.



[1] www.coca-cola-deutschland.de/das-coca-cola-happiness-institut - 8.12.2016
[2] Papst Franziskus – Begegnung mit den Seminaristen, Novizen und Novizinnen, Rom 6. Juli 2013

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