3. Ostersonntag, Flüchtlingsunglück, Eröffnung der Messe

Eröffnung des Stadtdechanten von Bonn, Msgr. Wilfried Schumacher, im Gottesdienst am dritten Ostersonntag, 19. April 2015, im Bonner Münster anlässlich eines neuesten Flüchtlingsunglücks
19. April 2015; Wilfried Schumacher

Eröffnung des Stadtdechanten von Bonn, Msgr. Wilfried Schumacher, im Gottesdienst am dritten Ostersonntag, 19. April 2015, im Bonner Münster anlässlich eines neuesten Flüchtlingsunglücks. In der Nacht vom 18. auf den 19. April 2015 war im Mittelmehr ein Schiff mit rund 700 Flüchtlingen an Bord gekentert. Nach bisherigen Angaben konnten nur 28 Menschen gerettet werden.

  

Wahrscheinlich 700 Menschen im Mittelmeer ertrunken. Mit dieser Nachricht begann heute mein Sonntag. Eine Randnotiz in unseren Medien. Was heute wohl los gewesen wäre, wenn 400 Passagiere eines Kreuzfahrtschiffes im Mittelmeer ertrunken wären? Reporter würden aus allen Häfen des Mittelmeers live berichten, wir würden eine Sondersendung nach der anderen sehen, Europa würde Aufklärung fordern und Rechenschaft für die Verantwortlichen. Wir alle aber waren noch nie in einem Flüchtlingsboot. Auf einem Schiff oder in einem Flugzeug schon. Vielleicht fällt uns das Mitleid deshalb so schwer.


Wenn die Leichen aus dem Mittelmeer geborgen werden, bettet man sie in Särge, die Nummern tragen, weil man die Namen nicht kennt. Angesichts eines Sarges mit der Nummer 92 hat die eriträische Menschenrechtlerin Selam Kedane einen Text geschrieben:

 

Nummer 92…

Ich frage mich, wie sie dich nannte?

Deine liebe Mama…

Vielleicht nannte sie dich Berhan? … mein Licht

Oder nannte sie dich haben? … mein Stolz

 

Sie könnte dich Quisanet genannt haben … Ruhe

Oder warst du Awet? Sieg…

Sag mir kleines, nannte sie dich nach ihrer Hoffnung?

Oder ihrer Sehnsucht… Ihr Traum?

Oder wurdest du nach ihrem Bruder genannt, den sie verlor?

Oder nach ihrem längst verstorbenen Vater?

 

Nannte sie dich, wie die Wüste, welche sie durchquerte?

Oder das Land, welches sie hinter sich ließ?

Vielleicht nannte sie dich wie das Land, welches du erben solltest?

 

Sag mir Kleines, wie nannte dich deine liebe Mutter?

weil ich es nicht ertragen kann, dass du Nummer 92 genannt wirst…

 

Wir feiern in diesen Wochen Ostern! Die Auferstehung der Toten! Für Ostern diesseits der Todesgrenze, sind wir zuständig: Du und ich. Das heißt: Wir müssen aufstehen gegen den Tod.

 

Das ewige Ostern, jenseits der Todesgrenze, ist die Sache Gottes. An Jesus hat er gezeigt. Auch die Opfer der Todesmächte in unserer Welt haben eine Zukunft dort. Auch das tote Kind mit der Nummer 92, darf leben! Wie der hingerichtete Jesus! Gott sei Dank!

 

Treten wir im Bewusstsein unserer Verantwortung, aber auch unserer Gleichgültigkeit und unserer Schuld hin vor den lebendigen Gott.

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