4. Advent - Predigt

23. Dezember 2016; Wilfried Schumacher

Predigt des Stadtdechanten von Bonn, Msgr. Wilfried Schumacher, am Vierten Advent, Sonntag, 18. Dezember 2016, im Bonner Münster

 

GEHEN - LOSGEHEN

 

Schon seit drei Wochen sind wir eingeladen – eingeladen zum Fest des Glaubens; eingeladen zur größten Geburtstagsfeier der Welt, eingeladen, den Geburtstag Jesu zu feiern. Die Zeit des Wartens neigt sich dem Ende zu. Die Vorfreude soll abgelöst werden durch die Festfreude selbst.

 

Aber vielleicht kennen Sie das auch: da hält man eine Einladung in den Händen, über die man sich gefreut hat und je nähert das Fest rückt, umso mehr stellt man fest: ich laufe nicht mit fliegenden Fahnen los, sondern ich frage mich kritisch, soll ich überhaupt hingehen?

 

Sind die richtigen Leute da? Werden es nicht so viele sein, dass mich der Gastgeber, die Gastgeberin überhaupt wahrnimmt? Wird es wie immer sein - der übliche Smalltalk, dem man dann nach einiger Zeit entfliehen kann oder wird es wirkliche Begegnung geben? Werde ich mich von Herzen freuen oder zu Tode langweilen?

 

Fragen, die angesichts eines Festes durchaus berechtigt sind – auch vor Weihnachten.

Drei Antworten möchte ich geben:

 

1. Meine Disposition ist wichtig

 

Ob ein Fest gelingt, hängt nicht nur vom Gastgeber oder den äußeren Gegebenheiten, sondern auch von den Gästen ab. Das erinnert mich an eine chinesische Parabel. Sie erzählt von einem Brautpaar, das viele Gäste zur Hochzeit einladen wollte, aber selbst zu arm war, sie alle zu bewirten. So teilten sie in der Einladung mit, es solle ein Fest des Teilens werden. Jeder möge bitte eine Flasche Wein mitbringen. Am Eingang des Festsaals werde ein Fass stehen, in das jeder seine Flasche leeren könne. So werde es trotz Armut ein fröhliches Fest werden. Jeder würde die Gabe des anderen trinken und jeder mit jedem froh und ausgelassen feiern können.

 

Viele folgten der Einladung in der Erwartung eines besonderen Festes. Doch welch ein Erschrecken, als sie den ersten Schluck tranken. Es war pures Wasser in den Gläsern. Das Fest fand nicht statt, bemerkt der Erzähler lapidar.

Jeder bringt zum Fest nicht nur etwas mit, sondern vor allem bringt jeder sich selbst bin. Fragen wir uns in den letzten Tagen vor dem Fest: wie bin ich denn disponiert für die Feier? Gibt es in den nächsten Tagen noch eine Chance, mich innerlich zu bereiten oder wird mich die Hektik erfüllen, so dass zwar alles bereit ist, ich selbst aber nicht mit Leib und Seele dabei sein kann.

 

2. Immer dasselbe - unsere Traditionen verhindern das Überrascht-werden

 

Ich könnte Ihnen stundenlang erzählen, mit welchen Ritualen und festen Formen das Weihnachtsfest in meiner Kindheit und Jugendzeit verlaufen ist. Das wäre aus heutiger Perspektive durchaus erheiternd.

 

Bei Ihnen wird es wohl auch so sein. Es gibt feste Zeiten, feste Bräuche, feste Wege – und das ist grundsätzlich nicht schlecht, weil es auch den inneren Stress nimmt. Aber es birgt auch die Gefahr, dass wir vor lauter Gewöhnung nicht mehr überrascht werden – weder von den Menschen, mit denen wir feiern, noch von der Botschaft, die wir feiern. Wir kennen das doch alles: Kaiser Augustus, Volkszählung, keine Herberge, Geburt im Stall, Ochs und Esel, Hirten, Engel, die das Gloria singen.

 

Aber müsste es nicht ganz anders sein? Dass wir neu berührt werden, von dieser ungeheuren Botschaft, dass Gott Mensch wurde. Müssten wir nicht darauf neugierig sein, was in dieser Botschaft für uns heute enthalten ist. Vielleicht ist Gott doch barmherziger als wir es uns gedacht haben. Vielleicht ist Gott gar nicht „oben“ - und damit weit weg von uns, sondern hier unten bei uns -- mitten unter uns;

 

Unsere Stadtkrippe enthält ganz bewusst dieses Überraschungs-moment. Sie will ganz bewusst nicht die üblichen Bilder bedienen, die wir in unseren Köpfen und Herzen haben. Aber Ihre Krippe, die Sie zu Hause haben, kann Ihnen durchaus einen ähnlichen Dienst leisten. Bauen Sie sie nicht einfach auf als Dekoration ihrer Wohnung; sondern fragen Sie sich, wo ist mein Platz in dieser Landschaft, dieser Szene? Und was bedeutet das für meinen Alltag? Und vielleicht können Sie sie mit einem kleinen Detail verheutigen.

 

3. Grenzenlose Einladung

 

Ich habe schon manches Mal bei einem Fest gedacht, ob wir wohl alle in den Festsaal hinein passen, in den Raum, in dem gefeiert wird. Und ob das Essen, das da bereitsteht für alle reicht. Das mag bei unseren Festen stimmen: Irgendwann ist der Platz am Tisch zu Ende, irgendwann geht das Essen zur Neige.

Aber bei Gott ist das anders: seine Festkapazitäten sind nicht nach menschlichen Kriterien bemessen. Bei ihm ist immer noch Platz. Er kennt nicht die Begrenzung, sondern um eine Ausweitung ins Grenzenlose. Unser Papst macht es uns zurzeit vor, was wir bei Gott zu erwarten haben. Er öffnet die Armen, lädt ein, statt auszugrenzen!

 

Die Einladung ist grenzenlos. Im Lied singen wir: Aus den Dörfern und aus Städten, von ganz nah und auch von fern, mal gespannt, mal eher skeptisch, manche zögernd, viele gern, folgen die Menschen der Einladung. Von der Straße, aus der Gosse kamen Menschen ohne Zahl und sie hungerten nach Liebe und nach Gottes Freudenmahl.

 

Was also hindert uns noch der Einladung zum Fest zu folgen? Brechen wir also auf, gehen wir los, damit es ein gutes Fest wird.

  

EINGELADEN ZUM FEST DES GLAUBENS

Text: Eugen Eckert, Musik: Alejandro Veciana

 

1. Aus den Dörfern und aus Städten, von ganz nah und auch von fern,

mal gespannt, mal eher skeptisch, manche zögernd, viele gern,

folgten sie den Spuren Jesu, folgten sie dem, der sie rief,

und sie wurden selbst zu Boten, das der Ruf wie Feuer lief:
Eingeladen zum Fest des Glaubens, eingeladen zum Fest des Glaubens.

Eingeladen zum Fest des Glaubens, eingeladen zum Fest des Glaubens.

2. Und so kamen sie in Scharen, brachten ihre Kinder mit,

ihre Kranken, auch die Alten, selbst die Lahmen hielten Schritt.

Von der Straße, aus der Gosse kamen Menschen ohne Zahl

und sie hungerten nach Liebe und nach Gottes Freudenmahl.
Eingeladen zum Fest des Glaubens, eingeladen zum Fest des Glaubens.

Eingeladen zum Fest des Glaubens, eingeladen zum Fest des Glaubens.

3. Und dort lernten sie zu teilen Brot und Wein und Geld und Zeit;

und dort lernten sie zu heilen Kranke, Wunden, Schmerz und Leid;

und dort lernten sie zu beten, dass dein Wille, Gott, geschehe;

und sie lernten so zu leben, dass das Leben nicht vergehe.

Eingeladen zum Fest des Glaubens, eingeladen zum Fest des Glaubens.

Eingeladen zum Fest des Glaubens, eingeladen zum Fest des Glaubens.

4. Aus den Dörfern und aus Städten, von ganz nah und auch von fern,

mal gespannt, mal eher skeptisch, manche zögernd, viele gern,

folgen wir den Spuren Jesu, folgen wir dem, der uns rief,

und wir werden selbst zu Boten, dass der Ruf der gilt, der lief:
Eingeladen zum Fest des Glaubens, eingeladen zum Fest des Glaubens.

Eingeladen zum Fest des Glaubens, eingeladen zum Fest des Glaubens

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