Aschermittwoch, Predigtimpuls

1. März 2017; Sebastian Stiewe (sebastian.stiewe@katholisch-bonn.de)

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Impuls des Leiters der Katholischen Citypastoral Bonn, Sebastian Stiewe, zur Fastenzeit 2017 am Bonner Münster unter dem Leitwort „Mensch, gedenke, dass du grünst“ am Aschermittwoch, 1. März 2017, im Bonner Münster

 

Gestern, zum Fastelovendovend, der seinen Abschluss hier im Münster und mit dem Verbrennen der Palmzweige im Kreuzgang fand, konnte ich die Leute noch mit „leev Fastelovendsfründe“ und „leev Jecke“ ansprechen.

 

Heute aber, am Aschermittwoch, wird der Bruch von Karneval zur Fastenzeit ganz deutlich und spürbar. Ich würde behaupten, es gibt kaum eine so deutliche Zäsur in unserer Kirche, zumindest im Rheinland, wie diese.      


Die Schminke ist aus dem Gesicht gewischt, dass Kostüm abgelegt und wieder gut verstaut. Nun tragen wir all die Masken und Kostüme, und all die Rollen, in die wir in den letzten Wochen doch mit so viel Freude geschlüpft sind, nicht mehr. Vorbei die jecken Tage, vorbei die schöne Zeit.

 

Nach dem bunten Treiben bin ich jetzt eingeladen, nüchtern und klar auf mein eigenes Leben zu schauen. Und das ganz ohne Schminke, ja wörtlich ungeschminkt. Etwas ganz anderes ziert am heutigen Aschermittwoch unser Gesicht. Es ist das Kreuz aus Asche, das uns auf die Stirn gezeichnet wird und mir bewusst macht, auch ich bin vergänglich. Auch ich werde einmal nicht mehr sein.

 

Doch bevor es soweit ist, ja fast schon als Mahnung, gibt uns die heilige Hildegard von Bingen ein Wort mit auf unseren Weg. „Mensch, gedenke, dass du grünst.“ Es ist das diesjährige Motto der Fastenzeit am Bonner Münster.

 

„Mensch, gedenke, dass du grünst“, meint so viel wie, „Pack das Leben an und lass es wachsen“. Es will uns aufwecken und auffordern, in den kommenden 40 Tagen alte und ausgetreten Wege zu verlassen und Neues, Ungewohntes zu wagen. Unbekannte Fähigkeiten und Begabungen stecken in mir. Das Motto ist die Einladung, diese mutig zu entdecken und wachsen zu lassen.

 

Wir lassen dieses Motto im Münster lebendig werden. Es ist Ihnen vielleicht beim Hineinkommen aufgefallen. Ein angelegter Garten, der das Motto mit allen Sinnen erfahrbar werden lässt. Dieser Garten wird in den kommenden Wochen sein Bild verändern, immer gründe und bunter werden.


Hier wird deutlich, welch ungeheure Kraft in den gesäten Blumensamen steckt. Auch in uns steckt diese Kraft, die wachsen will. Seien sie herzlich eingeladen, in der kommenden Zeit immer wieder einen Blick herein zu werfen und durch den Garten zu gehen. Passend zum Motto ist das Fastentuch. Ein Motiv von Sieger Köder. Es heißt „Aufwachsende Ähre“. Eine Ähre, Erde, einige Steine, ein blauer Hintergrund – und eine Hand, die im Hintergrund als fast durchsichtig erscheint. Aber diese Hand ist wichtig.

 

Sie zieht die Ähre nach oben. Wachsen und wachsen lassen. Das Reifen einer Ähre ist vergleichbar mit dem Aufwachsen eines Kindes. Regen und Sonne spielen auf der einen Seite – Eltern und Lehrer auf der anderen Seite eine wichtige Rolle. Dort, wo die Grundlagen gelegt wurden, kann und darf auch etwas reifen. Jeder Mensch hat Fähigkeiten – keiner hat alles und niemand hat nichts, so heißt es in einem Sprichwort. Da gibt es eine tragende, fast unsichtbare, Hand in Deinem Leben, die Dir die Kraft zum Wachsen schenkt. Die Fastenzeit ist auch eine Zeit, in der wir uns fragen sollten, welche Hand uns eigentlich trägt, und auf welchen Fundamenten wir stehen.

 

Die Hand stützt und hält auch die Ähre. Vieles kann dieser kleinen Pflanze passieren, bevor sie groß wird. Steine, Wind, zu viel Regen oder zu viel Sonne schaden mehr, als sie nützen. Auf dem Bild ist die Zusage Gottes „handgreiflich“ zu sehen: ich bin bei Dir. Ich verlasse Dich nicht. Gott nimmt nicht die Steine weg, aber er hilft uns, trotz mancher Erschwernis zu wachsen. Und das über die Fastenzeit hinaus.

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