Aschermittwoch im Bonner Münster: Gottesdienste, Andachten und Mittagsgebet

Neues Fastentuch verdeckt Hochchor - Aschenkreuz im 2-Stunden-Takt - Facebook-Live-Andacht
28. Februar 2017; Reinhard Sentis (presse@katholisch-bonn.de)

BONN. Mit dem Aschermittwoch beginnt am 1. März 2017 die sechswöchige Fastenzeit, in der sich Christen auf das Osterfest vorbereiten. Das Bonner Münster lädt von morgens bis abends zu verschiedenen Gottesdiensten ein: Um 8.30, 10.00, 14.00 und 16.00 Uhr gibt es jeweils kurze Andachten, um 12.15 Uhr findet das Mittagsgebet im Hochchor statt, und 18.00 und 20.00 Uhr werden Heilige Messen in der Basilika gefeiert.

 

Gegen 16.45 Uhr wird das Internetportal katholisch.de eine Facebook-Live-Andacht aus dem Bonner Münster senden. Zu sehen ist diese auf den Facebook-Seiten des Bonner Münsters und von katholisch.de (facebook.com/bonner.muenster & facebook.com/katholisch.de)

 

In allen Gottesdiensten im Bonner Münster sind die Gläubigen eingeladen, das Aschenkreuz zu empfangen. Dabei haben sie die Wahl, sich ein wenig Asche auf den Kopf streuen oder auf die Stirn zeichnen zu lassen. Die Asche soll die Menschen an ihre Sterblichkeit erinnern und einladen, über die Ausrichtung des eigenen Lebens nachzudenken.

 

Die Fastenzeit am Bonner Münster steht unter dem Leitwort „Mensch, gedenke, dass du grünst.“ Dazu wird am Vorabend des Aschermittwoch ein neues 60 Quadratmeter großes Fastentuch hochgezogen, welches die Apsis des Hochchors verdeckt.

  

HINTERGRÜNDE ZUR FASTENZEIT

 

Carne vale – Fleisch adé: Kaum in Bruch ist größer als vom Karneval zur Fastenzeit. Carne vale (lat. Fleisch adé) heißt es am Abend vor der Fastenzeit, besser bekannt als Faste(l)ovend, wenn sich auch dieser Abend über mehrere Tage ausdehnt. Nach dem tollen Treiben lädt die Fastenzeit ein, nüchtern und klar auf das eigene Leben zu schauen: Was gibt halt? Wovon lasse ich mich tragen? Was gibt mir Orientierung und wovon lasse ich mich leiten? Das Wort „Fasten“ kommt aus dem Mittelalter und meint eigentlich „festmachen“. Die durch das Fasten gewonnenen ideellen und materiellen Freiräume sollen neue Wege zu Gott und den Mitmenschen eröffnen und helfen die Fundamente des eigenen Lebens auszubessern und zu festigen.

 

Caritative Dimension: Zu den Mitmenschen gehören aber auch die Notleidenden und Hilfsbedürftigen auf die die Fastenzeit einen besonderen Blick lenkt und einlädt, ihnen freie Zeit und eingesparte Güter zukommen zu lassen. Diese caritative Dimension der Fastenzeit, die es auch in vielen anderen Religionen gibt, greift seit vielen Jahren das katholische Hilfswerk für Entwicklungszusammenarbeit MISEREOR mit einer besonderen Jahresaktion und einem Hungertuch auf. Das „Bischöfliche Hilfswerk MISEREOR e.V.“ wurde 1958 als „Aktion gegen Hunger und Krankheit in der Welt“ gegründet. Den Namen schlug der Kölner Kardinal Joseph Frings vor, in Anlehnung an den Ausspruch Jesu „Misereor super turbam“ („Ich habe Mitleid mit den Menschen“ Mt 15,23).

 

Warum 40 Tage? Die christliche Fastenzeit dauert 40 Tage. Sie beginnt am Aschermittwoch und endet in der Nacht vor Ostersonntag. Rechnerisch sind dies 46 Tage, allerdings werden die sechs Fastensonntage nicht dazu gerechnet. An ihnen wird nicht gefastet. Die Zahl 40 hat biblische Bedeutung und steht als Symbolzahl der besonderen Nähe zu Gott und der Bereitschaft zur Umkehr: Das Volk Israel wanderte 40 Jahre durch die Wüste als Zeit der Läuterung, Mose war Gott 40 Tage auf dem Berg Sinai, der Prophet Elija hielt sich 40 Tage auf dem Berg Horeb auf und Jesus weilte 40 Tage in der Wüste um sich durch Gebet und Fasten auf seine Sendung vorzubereiten.

 

Fasten im Verborgenen: Für Jesus ist das Fasten keine Äußerlichkeit, sondern eine tiefgründige Herzensangelegenheit: „Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass Du fastest, sondern nur dein Vater, der auch das Verborgene sieht; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“ (Bibel, Evangelium nach Matthäus, Kapitel 6, Verse 11-18)

 

Fastentücher, Verhüllte Altäre, weniger Kerzen und ohne Blumen: Mit dem Aschermittwoch ändert sich auch die liturgische Farbe zu Violett, welche vor allem zu Zeiten der Umkehr und der Vorbereitung getragen wird. So ist die Fastenzeit in erster Linie die Vorbereitung auf Ostern und wird deswegen „Österliche Bußzeit“ genannt. Im Bonner Münster wird ein fast 60 Quadratmeter großes Fastentuch Teile des Hochchores, die Chorfenster und das Apsis-Mosaik verdenken. Andere Altäre werden verhüllt, der Blumenschmuck entfernt und Kerzen reduziert. Auch dadurch soll der Blick auf das Innere gelenkt werden.

 

Fastenzeiten: In vielen Religionen gibt es besondere Zeiten, in denen man bewusster lebt, bestimmte Riten und Vorschriften beachtet. Diese Zeiten dienen als innere Vorbereitung auf besondere Feste und Anlässe oder wichtige Ereignisse. Für Christen ist die Fastenzeit (österliche Bußzeit) die Zeit der Vorbereitung auf das zentrale Fest des christlichen Glaubens: Ostern, die Feier der Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Das Fest der Befreiung. Danach folgen die 50 Tage der Osterzeit bis zum Pfingstfest, welches an die Sendung des Heiligen Geistes erinnert.

 

Asche für Aschermittwoch: Die Asche mit der die Gläubigen am Aschermittwoch bezeichnet werden, wird im Gottesdienst zunächst gesegnet. Die Segensgebete besagen, dass es nicht darum geht, in Sack und Asche zu gehen, sondern sich dem Leben zu widmen. Hergestellt wird die Asche aus Palmzweigen des vergangenen Jahres. Dies sind grüne zweige, die am Palmsonntag (Sonntag vor Ostern) gesegnet und an die Kreuze gesteckt werden. Noch bevor die Gläubigen sich in den Gottesdiensten des Leidens und Sterbens Jesu erinnern sollen die grünen Zweige seine Auferstehung symbolisieren: Der Tod hat nicht das letzte Wort.

 

Gebete zur Segnung der Asche

  • Barmherziger Gott, du bist den Demütigen nahe und lässt dich durch Buße versöhnen. Neige dein Ohr unseren Bitten und segne + alle, die gekommen sind, um das Aschenkreuz zu empfangen. Hilf uns, die vierzig Tage der Buße in rechter Gesinnung zu begehen, damit wir das heilige Osterfest mit geläutertem Herzen feiern. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
  • Gott, du willst nicht den Tod des Sünders, du willst, dass er sich bekehrt und lebt. Erhöre gnädig unsere Bitten: Segne + diese Asche, mit der wir uns bezeichnen lassen, weil wir wissen, dass wir Staub sind und zum Staub zurückkehren, Hilf uns, die vierzig Tage der Buße in rechter Gesinnung zu begehen. Verzeih uns unsere Sünden, erneuere uns nach dem Bild deines Sohnes und schenke uns durch seine Auferstehung das unvergängliche Leben. Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
 

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