Aschermittwoch, Predigt

18. Februar 2015; Wilfried Schumacher

Fastentuch im Westen

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Fastentuch im Osten Aus den Palmzweigen des vergangenen Jahres wird die Asche hergestellt Asche für das Aschenkreuz in den Gottesdiensten am Aschermittwoch

Predigt des Stadtdechanten von Bonn, Msgr. Wilfried Schumacher, zur Eröffnung der Fastenzeit am Aschermittwoch, 18. Februar 2015, im Bonner Münster

 

UND WOHIN LEBST DU?

 

Als Conchita Wurst im vergangenen Jahr den European Song Contest gewann, sang sie „Rise like a Phoenix - aufstehen wie ein Phoenix“. Sie erinnerte damit an eine alte Sage, die 200 nach Christus in der Sammlung Physiologus („Der Naturkundler“) erschien. Danach gibt es einen Vogel in Indien, genannt Phönix. Alle 500 Jahre fliegt er zu den Bäumen des Libanon und füllt seine Flügel mit Duftstoffen. Dann steigt er auf den Altar, entzündet dort das Holz und verbrennt sich selbst. Am Tag darauf findet sich in der Asche ein kleines Lebewesen. Am zweiten Tag zeigt sich dieses als Jungtier und am dritten Tag als ausgewachsener Vogel, der in seine Heimat zurück fliegt.

 

Für den Autor ist der Phönix ein Sinnbild für Jesus Christus. „Denn auch dieser kam vom Himmel herab. Auch er verbreitete Wohlgeruch, nämlich durch seine himmlischen Worte.“ So wie der Phönix auf dem Altar vergeht und nach drei Tagen wiederbelebt wird, so verging Jesus am Kreuz und erstand am dritten Tag zu neuem Leben.

 

Die alte Geschichte kann uns helfen, diesen Tag noch besser zu verstehen - unter zwei Perspektiven:

 

1. Asche - Zeichen der Realität des Lebens

Wie kaum an einem anderen Tag werden wir am Aschermittwoch mit der Realität unseres Lebens schonungslos konfrontiert. „Mensch, Du bist Staub und kehrst zum Staub zurück!“

Heute geht es um die Zerbrechlichkeit unserer Existenz, um die Vergänglichkeit und damit auch um die Sinnhaftigkeit unseres Daseins.

 

Das fordert uns auf und heraus. Es gilt auszusteigen aus dem Karussell der Alltäglichkeiten, das sich immer weiter dreht und uns nicht zur Ruhe kommen lässt. Wie gehen wir um mit der Tatsache, dass nichts von uns bleibt als ein Häuflein Asche? Wie gehen wir um mit der Vergänglichkeit unserer selbst? Mit dem Zerfall dessen, was einst alles war?

 

Das Kreuz aus Asche konfrontiert uns mit diesen Fragen. Das Fastentuch im Westen unserer Kirche, dem Ort der untergehenden Sonne und des Todes, wird uns vierzig Tage lang diese Fragen stellen. Das Tuch ist dunkel, kalt, abweisend. Da möchte man nicht hin. – Und doch gilt es das Dunkle anzuschauen und auszuhalten, um voranzukommen.

 

2. Der Neuanfang aus Asche

Die Geschichte vom Phönix passt zum heutigen Tag. Wie dieser seltsame Vogel, so haben auch wir heute die Gelegenheit, uns durch die Asche hindurch zu erneuern.

 

Das Altes muss vergehen und zu Asche werden: eine schlechte Angewohnheit, eine alte Geschichte, die uns nachhängt, oder eine falsche Ausrichtung unseres Lebens. Für den Neustart braucht es drittens Zeit und Geduld; es geht nicht von heute auf morgen. Es braucht dafür vielleicht drei Tage, vielleicht auch die vierzig Tage der heute beginnenden Buß- und Fastenzeit. 

 

Der Phoenix lässt die Asche zurück. Der Christ aber glaubt, dass in der Auferstehung seine Geschichte — die Erde, die Asche — geläutert durch das Feuer des Gerichtes, mitgenommen wird in das ewige Aufgehobensein bei Gott.

 

Für dieses Leben bei Gott steht das Fastentuch im Osten der Basilika. Ich weiß nicht, ob es Ihnen geht wie mir: dieser Blick in das Licht ist wie eine große Einladung. Wir werden quasi hineingezogen in dieses Licht, das eine große Helle und Wärme verströmt. Da möchte man hin. Dafür lohnt sich der Neuanfang.

 

Zwischen beiden Fastentüchern befinden wir uns in diesen 40 Tagen - dabei begleitet uns die Frage: „und wohin lebst du?“ – Natürlich liegt die Antwort auf der Hand. Aber was heißt das denn konkret? Im Umgang mit Gott, mit den Nächsten, mit uns selbst. Wir können uns natürlich vor einer Antwort herumdrücken, können ihr ausweichen, sie verschieben wie eine unangenehme Prüfung.

 

Das Wort aus dem zweiten Korintherbrief könnte dabei zum Indikator dafür werden, ob wir es ernst meinen: „Wir sind Christi Wohlgeruch für Gott“, schreibt Paulus (2 Kor 2,15). Wohlgeruch verströmen wie der Phoenix, Wohlgeruch wie Christus. „ Wohlgeruch der Nähe und Gegenwart Jesu“, sagt Papst Franziskus.

 

Wenn wir den verbreiten, sind wir auf einem guten Weg – nicht nur in der Fastenzeit.

 

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