Aschermittwoch, Predigt des Stadtdechanten

5. März 2014; Wilfried Schumacher

Fastenpredig-Predigt des Stadtdechanten von Bonn, Msgr. Wilfried Schumacher, im Gottesdienst am Aschermittwoch, 5. März 2014,
im Bonner Münster

Gelesene Texte aus der Bibel im Gottesdienst: 2 Kor 5,20-6,2, Mt, 6,1-6.16-18

 

Am Aschermittwoch ist alles vorbei, sangen die Narren vergangenen Tagen. Für viele von ihnen ist ganz gewiss der heutige Tag ein Endpunkt, vielleicht sogar ein bitteres Ende. Für uns dagegen, die wir uns heute hier zum Gottesdienst versammelt haben, ist der Aschermittwoch das Eingangstor in die wichtigste Zeit des Jahres, die österliche Zeit, in der es um Tod und Leben geht. Der Aschermittwoch wird zu einer großen Einladung. Sie wird uns mit drei Zeichen überbracht:
• Asche,
• Fastentuch,
• Kreuz.

 

1. Fastentuch
Als erstes hat uns heute beim Eintritt in die Kirche das große Fastentuch begrüßt, das hier vorne hängt und uns den gewohnten Blick versperrt. Wir können nicht mehr den großen Pantokrator und die bunten Apsisfenster sehen. Unser Blick kann nicht mehr in die Ferne schweifen, unsere Augen sind gleichsam gefangen.
Das große Fastentuch sagt jedem von uns, es geht in den kommenden Wochen um dich. Es geht um unser Leben und unsere Lebensgewohnheiten, die mindestens einmal im Jahr auf den Prüfstand müssen.
Die Fragen, die sich dabei stellen, sind unmissverständlich: Will ich versuchen, weniger hastig und oberflächlich zu leben? Werde ich in den nächsten Wochen vielleicht erschrocken bemerken, dass mir Gott fehlt, dass trotz der großen Worte und guten Vorsätze mein Glaubensleben lahm geworden ist? Will ich Ballast abwerfen oder kann ich mich so schrecklich schwer von etwas trennen? Habe ich mich resigniert mit meinen Schwachstellen abgefunden oder will ich an mir arbeiten? Habe ich Mut, in meinem Leben Leerräume zu schaffen, in denen Gott Platz finden kann.
Das große Fastentuch lädt uns ein: "Bleib Dir in diesen Wochen der Fastenzeit". Wer bei sich bleibt, wird immer auch den Weg zum Herzen des anderen finden.

 

2. Die Asche
Die Asche ist ein archaisches Zeichen. Sie markierte die Vergänglichkeit des Menschen und wird zu einem Zeichen der Buße. Ganz gleich, ob sie uns als Kreuz auf die Stirn gezeichnet wird oder auf unser Haupt gestreut wird.
Die Asche macht uns nicht schöner. Anders als ein Tattoo ist sie nur ein vorübergehendes Zeichen. Und trotzdem sollte es unter die Haut gehen.
Die Asche sagt mir, wer ich in Wahrheit bin. Ich stelle mich! So bin ich. Nicht mehr und nicht weniger. Ein Geschöpf vor meinem Schöpfer.
Ich bin kein Alleskönner, kein Alles-Macher, ich lebe nicht grenzenlos. Ich bin „ein zerbrechliches Gefäß“ (2 Kor 4,7) mit Ecken und Kanten, Fehlern und Macken. Ich habe mich nicht selbst erfunden. Vielmehr lebe ich, weil ein anderer mich gewollt hat! Ein anderer, vor dem ich ewig leben darf.
Im Zeichen der Asche beginnt heute der Weg nach Ostern und ich bin eingeladen, ihn zu gehen, gezeichnet mit Asche, mit Dreck am Stecken.

 

3. Das Kreuz
Das dritte Zeichen ist das Kreuz. Es begegnet uns auf dem Fastentuch. Wir finden es in der kleinen Schachtel, die nachher verteilt wird. Wir stellen diese Wochen vor Ostern ganz bewusst unter das Zeichen des Kreuzes, das für uns zu einem „Plus“ wird. Papst Franziskus sagt: „Die Geschichte des Menschen und die Geschichte Gottes werden am Kreuz miteinander verwoben. (14.09.2013) - Das Kreuz Jesu ist das Wort, mit dem Gott auf das Böse der Welt geantwortet hat. Manchmal scheint es uns, als antworte Gott nicht auf das Böse, als verharre er im Schweigen. In Wirklichkeit hat Gott gesprochen, er hat geantwortet, und seine Antwort ist das Kreuz Christi: ein Wort, das Liebe, Barmherzigkeit und Vergebung ist“. (Karfreitag 2013)
"Vitalis plus" haben wir unser diesjähriges Programm für die Fastenzeit überschrieben. Wir haben es verpackt wie ein Medikament, wie eine Medizin. Wir glauben, dass das Leben des Christen den Mangelerscheinungen des alltäglichen Lebens abhelfen kann.
Denn es fehlt in unserem Leben oft an Glaube, Freude, Zuversicht, Liebe, Achtsamkeit, Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen, Freiheit und vieles andere mehr.
Vom Heiligen Augustinus stammt das Wort: "Der große Arzt kam, als die ganze Welt ein Kranker war.“
In unserer Medikamenten-Schachtel findet man nicht nur das Programm, sondern auch ein kleines Holzkreuz aus Olivenholz, das uns unsere Freunde von der Schule der Salesianer in Bethlehem gemacht haben.
Es ist so klein: man kann es in die Tasche stecken, immer mit sich führen und sich so erinnern lassen – wenn die Asche des Aschermittwochs schon längst wieder abgewaschen ist. So können wir immer wieder, wie Papst Franziskus sagt, unsere Geschichte mit der Geschichte Gottes verbinden.

So wird der Aschermittwoch zur großen Einladung. Amen.

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