Christi Himmelfahrt, Predigt

29. Mai 2014; Wilfried Schumacher

Predigt des Stadtdechanten von Bonn, Msgr. Wilfried Schumacher, an Christi Himmelfahrt, 29. Mai 2014, im Bonner Münster

Gelesene Texte aus der Bibel im Gottesdienst: Apg 1, 1-11, Eph 1, 17-23, Mt 28, 16-20

 


Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Ihr Männer und Frauen von Bonn, was steht Ihr da und schaut zum Himmel empor. Wer nur zum Himmel schaut, verliert den Kontakt zur Erde und muss sich nicht wundern, wenn er strauchelt und fällt. Wer nur zum Himmel emporschaut an diesem Tag, versteht nicht, um was es geht.

Es sind die Engel und der Herr selbst, die unseren Blick wieder auf die Erde lenken. Ein Dreifaches wird uns heute mitgegeben:

 

1. Zusage: Ich bin bei Euch alle Tage bis ans Ende der Welt.

 

Ich bin bei Dir - wenn ich dieses Wort von einem Menschen höre, dann gibt es mir Kraft.
Ich bin bei Dir - wenn das ein Mensch zu einem anderen sagt, dann fühlt der Adressat sich nicht mehr allein, auch wenn er allein ist. Dann weiß er, auch wenn ich diese Situation allein bestehen muss, es ist jemand in Gedanken, es ist jemand mit dem Herzen bei mir.
Ich bin bei Dir, sagt die Mutter dem Kind, wenn es zur Schule geht, um sich einer Prüfung zu stellen.
Ich bin bei Dir, sagt der Partner zur Partnerin, wenn sie zu einer wichtigen Untersuchung geht.
Ich bin bei dir, sagt der Freund zum Freund, wenn er weiß, dass er sich einer besonderen Herausforderung stellen muss.

Das gehört zu unseren Erfahrungen. Wir wissen alle, wie gut ein solches Wort tut! Hier aber sagt das nicht irgendein Mensch, auch nicht der Liebste unter den Menschen, den wir haben. Hier sagt dies der auferstandene Herr, der auf eine ganze andere Weise gegenwärtig ist wie das bei Menschen der Fall ist. Es ist das letzte Wort des Matthäus-Evangeliums - es ist der Schlussakkord, der nie verhallt bis ans Ende der Welt.
Aber wir müssen gestehen, oft mangelt es uns an Glauben, dass dieses Wort des Herrn gilt. Oft sind wir zu kleingläubig als dass wir darauf vertrauen.
Ich bin bei Dir - wie gut tut es, wenn es ein Mensch uns sagt. Ich bin bei Euch - wie gut tut es, wenn der Herr es uns sagt!

 

2. Verheißung: Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen.


Es bleibt nicht bei der Zusage. Der Herr weiß um unsere Defizite und Unfähigkeiten. Deshalb sollen wir Kraft erhalten. Die Kraft des Heiligen Geistes. Aber es geht nicht nur darum, unsere Kraftlosigkeit zu heilen, unsere Defizite auszugleichen und uns Kompetenz zu geben.
Das deutsche Wort „Kraft“ ist mir fast schon zu kraftlos, das griechische Wort „Dynamis“, Dynamik ist ausdrucksvoller.
Der Heilige Geist soll Dynamik in unser Leben bringen, Bewegung, Schwung, Aufschwung. „Dynamik“ ist ein Wort, das in den Predigten unseres Papstes immer wieder vorkommt. Immer wieder spricht er von der „Dynamik der Liebe“, von der „Dynamik der Kirche“.
Die Verheißung Jesu hat sich für die meisten von uns erfüllt: Wir sind gefirmt; wir haben die Dynamik des Geistes empfangen. Aber was haben wir daraus gemacht?
Ein Pfarrer in Wien hat letzte Woche seine Firmlinge gefragt: „Was würde dir fehlen, wenn Du dich nicht firmen lassen würdest?“ Ich frage mich und Sie können es ebenso tun: „Was würde mir fehlen, wenn ich nicht gefirmt wäre?“
Vertraue ich auf die Dynamik des Gottes Geistes in meinem Leben; oder folge ich lieber dem Geist einer Partei, der öffentlichen Meinung, dem Geist des Erfolgs und was es sonst noch für Geister gibt.
Wer auf den Geist Gottes vertraut, muss wissen, dass er nicht daherkommt wie ein laues Lüftchen, sondern wie ein gewaltiger Sturm.
Der heilige Papst Johannes XXIII. hat wohl wissend darum, die Fenster der Kirche geöffnet. Verbarrikadieren wir nicht unser Lebenshaus wenn es gilt der Dynamik des Geistes Jesus Einlass zu gewähren.

 

3. Auftrag: Geht zu allen Völkern!


Der Auftrag, den der Herr seinen Jüngern und auch uns mitgibt, ist nur eine Konsequenz dieses Geistes, der uns nicht ruhig sitzen lässt, sondern uns in Bewegung bringt.
Geht zu allen Völkern - das heißt nicht: brecht jetzt auf nach Asien oder Afrika, und weil das eh nicht in Frage kommt, lasst es ganz bleiben.
Geht zu allen Völkern - bleibt mit Eurem Glauben und Eurer religiösen Überzeugung nicht im Dunstkreis des euch Bekannten und Vertrauten. »Geht«, kommt aus euch selbst heraus, aus jeglicher Verschlossenheit, um allen das Licht und die Liebe des Evangeliums zu bringen, bis in die äußersten Randgebiete des Lebens!

 

Papst Franziskus sagt: „Wenn wir Christen uns in unserer Gruppe einschließen, in unserer Bewegung, in unserer Pfarrei, in unserem Umfeld, bleiben wir eingeschlossen und dann geschieht mit uns, was mit allem passiert, das eingeschlossen ist. Wenn ein Zimmer geschlossen bleibt, kommt der Geruch der Feuchtigkeit. Und wenn ein Mensch in diesem Zimmer ist, wird er krank! Wenn ein Christ sich in seiner Gruppe, in seiner Pfarrei, in seiner Bewegung einschließt, ist er eingeschlossen und wird krank. Wenn ein Christ auf die Straßen hinausgeht, an die Peripherien, kann mit ihm das geschehen, was manchem passiert, der auf der Straße unterwegs ist: ein Unfall. Sehr oft haben wir Straßenunfälle gesehen. Aber ich sage euch: Mir ist eine verunfallte Kirche tausendmal lieber und nicht eine kranke Kirche!“

Vieles, was dieser Papst tut und sagt, begeistert uns: seine Armut und seine Demut! Seine Einfachheit! Seine Gesten, seine Liebenswürdigkeit! Aber wenn er sich das Wort Jesu zu eigen macht „Geht!“ und er uns hinausjagt aus unseren Kirchen, dann wird dieser Papst unbequem. Dann wird er mit seiner Botschaft ein Stachel im Fleisch unserer Bequemlichkeit.

 

„Geh und bring den Menschen das Licht des Evangeliums?“

 

Was heißt das für Dich Pfarrer auf der Kanzel?
Was heißt das für Dich Messdienerin am Altar?
Was heißt das für Dich Sängerin im Kirchenchor?
Was heißt das für Dich da unten im Kirchenschiff, der Du jeden Sonntag hierher kommst?
Was heißt das für Dich, der Du heute vielleicht zufällig diese Botschaft hörst?
Wir könnten die Liste fortsetzen.
Die Botschaft des Herrn ist an alle gerichtet und meint doch jeden Einzelnen, jede Einzelne.

Ihr Männer und Frauen von Bonn, was steht Ihr da und schaut zum Himmel empor?

Bleiben wir auf der Erde – getragen von der Zusage: Ich bin bei Euch alle Tage bis ans Ende der Welt – versehen mit der Verheißung der Dynamik des Geistes und erfüllt von dem Auftrag:

Geht zu allen Völkern.

 

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