Darstellung des Herrn, Predigt

6. Februar 2017; Wilfried Schumacher

Predigt des Stadtdechanten von Bonn, Msgr. Wilfried Schumacher, am Fest der Darstellung des Herrn (Maria Lichtmess), Donnerstag, 2. Februar 2017, im Bonner Münster.

 

Für die Menschen früher markierte der Lichtmesstag den Beginn eines neuen Arbeitsjahres. Knechte und Mägde wurden wieder neu unter Vertrag genommen. Die Tage werden spürbar länger - eine ganze Stunde im Vergleich zu Ende Dezember.

 

 Das große Zeichen dieses Tages ist das Licht. „Ein Licht zu Erleuchtung der Heiden“, so preist Simeon das Jesuskind. Aber nicht nur Christus ist das Licht der Welt. Er sagt zu uns: „Ihr seid das Licht der Welt.“ (Mt 5,14) Die wichtigen Worte des Glaubens beginnen nicht mit „du musst“, „du sollst“, sondern „du bist“ oder „ihr seid“.

 

Ihr seid das Licht der Welt! Welche eine Würde, welche eine Aussage. Das ist wie ein Lichtblick: „Denn Gott, der sprach: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten!, er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi.“ (2 Kor 4,6) Wie am ersten Schöpfungstag: Gott spricht, aus Finsternis soll Licht aufleuchten - jetzt nicht um uns, sondern in unserem Herzen, von Christus her. Den Glanz seines Antlitzes tragen wir in uns. Deshalb sind auch wir Licht, Licht für die Welt.

 

Die Kerze mit ihrem reinen, klaren Licht sagt uns: Leuchten kannst du nur, wenn du liebst. Liebe hast du nur, wenn du bereit bist, dich zu verschenken, zu verzehren wie eine Kerze.

„Wir müssen lieben, bis es wehtut“, sagt Mutter Teresa. Wir müssen über das bloß Gefühlsmäßige hinauswachsen, sonst sind wir rußende „Funzeln“, aber kein wohltuendes Licht für unsere Umgebung.

 

Maria macht es uns vor, wie es gehen kann. Sie nimmt sich selbst ganz zurück. Sie gibt ihr Liebstes her. Gerade weil sie nicht selber im Licht stehen will, bringt sie Christus, bringt sie das Christliche so sehr zum Leuchten.

 

An Lichtmess ist der Tag schon rund eine Stunde länger hell als an Weihnachten. Wir spüren es: Das Licht des Tages ist stärker als die Nacht. Dunkel ist die Welt aber nicht nur inzwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang. Dunkel und kalt erfahren wir sie überall dort, wo Streit, Neid und Hass herrschen.

 

Es gibt so viele dunkle und düstere Momente, auch in unseren Familien, an unserem Arbeitsplatz, in unserer Freizeit. Es gilt, genau dorthin das Licht zu bringen - nicht mit großen Gesten, sondern mit einem liebevollen Wort, mit einer Handreichung, mit einer Unterstützung, mit Solidarität.

 

Die Kerze, die wir ihnen beim Betreten des Gotteshauses geschenkt haben, mag sie in den nächsten Wochen genau daran erinnern, selbst Licht zu sein, Christus zum Leuchten zu bringen.

  

Einführung in den Gottesdienst

 

Im 5. Jahrhundert ist uns an diesem Tag aus Jerusalem ein festlicher Gottesdienst mit einer Lichterprozession überliefert - in Rom gibt es auch zur gleichen Zeit eine Lichterprozession - jedoch mit einer anderen Herkunft: für das alte Rom war der Februar der Schluss Monat des Jahres (vgl. September; Oktober, November, Dezember). Man zog in einer Prozession um die Stadt, trug Lichter in den Händen und bat die Götter um Vergebung. Die Lichter erinnerten dabei an die Lichter des Himmels, besonders an die Sonne. Dieser Brauch hielt sich und wurde mit der Einführung des Festes am 2.Februar christianisiert. An die Stelle des Bußgedankens trat auch hier die Freude, um das offenbargewordene Licht der Welt.

Erst um das Jahr 1000 entwickelte sich das Fest in der heutigen Form - mit Segnung der Kerzen und Lichterprozession.

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