Die Generalsanierung beginnt im Sommer: Letzter Gottesdienst im Bonner Münster am 23. Juli 2017

15. Mai 2017; Reinhard Sentis

 

BONN. Vor fast 1000 Jahren wurde der Grundstein für das Bonner gelegt, welches sich über den Gräbern christlicher Märtyrer erhebt. Die Wurzeln dieser heiligen Stätte reichen jedoch bis in die Antike zurück. In diesem Gotteshaus spiegeln sich architektonisch die großen Geistesströme unseres Kontinents wider, weshalb der Bonner Historiker Heinrich Lützeler es einst als Europäisches Monument bezeichnete.

 

Über 200 Jahre lang gab es eine rege Bautätigkeit am Münster und den umliegenden Gebäuden. Aber auch danach tat das Cassius-Stift und die Bonner Bevölkerung alles, um eine der bedeutendsten Kirchenanlagen des ganzen Rheinlandes zu erhalten. Dazu zählten auch viele Sanierungen bis zuletzt in den 80er Jahren. 

 

Jetzt steht das Bonner Münster wieder vor einer Sanierung. Jedoch wird diese grundlegender und umfangreicher sein, als viele zuvor. Nach einer dreijährigen Planung und Bauanalyse beginnt im Sommer 2017 die Generalsanierung der päpstlichen Basilika. Sie geht einher mit einer voraussichtlich zweijährigen Schließung und wird derzeit auf 20,22 Millionen Euro geschätzt.

 

Am 23. Juli 2017 wird findet um 12.00 Uhr der letzte Gottesdienst im Bonner Münster statt. Danach wird Stadtdechant und Münster-Pfarrer Msgr. Wilfried Schumacher die Türen der päpstlichen Basilika verschließen und den Schlüssel übergeben an den Projektleiter Dr. Ägidius Strack und den Architekten Prof. Dr. Ulrich Hahn.

 

Ein letztes Mal werden die über 260 Jahre alten Münster-Glocken läuten, bevor die Prozession durch die Stadt nach Sankt Remigius zieht, wo die Gottesdienstgemeinde vorläufig eine neue Heimat findet. Doch nicht nur dort. Der Gottesdienst am Sonntagabend, der insbesondere von jüngeren Leuten besucht wird, findet dann in der evangelischen Schlosskirche statt.

 

Anschließend beginnt die Generalsanierung, die in drei Etappen verläuft. Durch die aufwändigen Arbeiten bleibt das Bonner Münster für mindestens zwei Jahre geschlossen. In dieser Zeit verstummen auch die acht Glocken im Vierungsturm, die die Bonner täglich seit Jahrhunderten begleitet haben.

  

„Die Schließung, sie ist ein Eingriff in das innerstädtische Leben. Ein Bauzaun mit Informationen wird rund um das Bonner Münster errichtet. Eine Anlaufstelle wird aufgebaut, der durch die Citypastoral betreut wird. Sie bietet nicht nur Informationen über die Baustelle, sondern ist auch Ort niederschwelliger Seelsorge. In den nächsten Jahren wird die Citypastoral so neue Wege gehen und dadurch präsenter in der Stadt zu finden sein“, so Stadtdechant Msgr. Wilfried Schumacher.

 

Geplanter Ablauf der Generalsanierung

Baustelleneinrichtung

Für die Baustelleneinrichtung werden ab Juli über die gesamte Zeit hinweg sowohl der Kirchengrund als auch städtische Flächen rund um das Bonner Münster benötigt. Die Flächen werden mithilfe einer Sichtwand abgegrenzt, die informativ und mit Motiven aus dem Bonner Münster gestaltet wird.

 

1.    Phase: Vorbereitende Maßnahmen, Dachstuhlsanierung

Ab Juli beginnen in Phase 1 die vorbereitenden Maßnahmen. Kirchenbänke und bewegliche Objekte werden ausgeräumt und eingelagert. Die große Klais-Orgel muss für die Arbeiten in Teilen demontiert und fachgerecht eingehaust werden. Feste Ausstattung wie Altäre werden ebenfalls mit einer Schutzkonstruktion versehen, lose Ausstattung wie Bilder, Figuren und Bänke werden von Fachfirmen eingelagert. Die Schutzmaßnahmen sind eng mit den Denkmalbehörden abgestimmt.

 

Die größte Baumaßnahme in Phase 1 ist die Dachstuhlsanierung. Mit Resten von Holzschutzmitteln belastete Stäube werden abgesaugt, Dämmungen entfernt. Von außen machen sich diese Arbeiten nur durch mehrere große Schläuche bemerkbar, die aus dem Dach bis zum Boden reichen.

 

Für das Leben am und im Bonner Münster haben die Arbeiten Auswirkungen: So bleibt der Kreuzgang nur eingeschränkt nutzbar. Grund dafür sind fehlende Fluchtwege.

 

2.    Phase: Außen- und Innensanierung

Im zweiten Abschnitt wird das Bonner Münster innen komplett eingerüstet. Die Maßnahmen beinhalten eine Riss- und Gewölbesanierung mit einer umfassenden statischen Sicherung. „Erstmals wird eine grundlegende statische Sanierung vorgenommen“, stellt Projektleiter Dr. Ägidius Strack fest. Unter anderem werden Langhaus- und Ostchorwände verankert, Ringanker an den Zwerggalerien, den Querhäusern und der Ostapsis, im Dach des nördlichen Querhauses, im Westwerk und im Vierungsturm angebracht. Risse werden verpresst und geschlossen.

 

Zudem ist in dieser zweiten Phase auch die Erneuerung der gesamten Elektroinstallation geplant. Alte Leitungen müssen entfernt und durch neue ersetzt werden, da sie keinem Standard mehr entsprechen.

 

Die Beleuchtung wird technisch und konzeptionell von Grund auf erneuert. Nur maximal 30 Lux erreichen die Besucher an den Kirchenbänken. Gerade für viele Menschen mit schlechteren Sehfähigkeiten ist es daher kaum mehr möglich, das Gotteslob zu entziffern.

Die Heizung wird modernisiert. Das Heizgerät wird erneuert, die Kanäle saniert.

 

Die Natursteinsanierung der Außenfassade findet in Abschnitten statt, begonnen wird mit der Einrüstung der Nord- und Ostfassade. Dabei wird nicht nur das Problem der falschen Verfugungsmaterialien angegangen. Oberflächen werden mit speziellen Verfahren gereinigt und - wo nötig – überarbeitet. Fehlende Profilierungen werden ergänzt, tiefreichend geschädigte Steine werden teilweise ersetzt oder, falls nicht anders möglich, ganz ausgetauscht. Offene Fugen werden geschlossen. Die Schäden durch falsch angebrachte Taubenvergrämungen werden behoben. In dieser Zeit wird der Kreuzgang aus Sicherheitsgründen teilweise gesperrt.

 

3.    Phase: Außensanierung, Kreuzgang, restauratorische Arbeiten

Während des letzten Bauabschnitts wird die West- und Südfassade des Bonner Münsters restauriert. Im Inneren finden die nötigen konservatorischen Arbeiten statt. Im Kreuzgang werden Fassade und Umgang saniert. Die Fassadenschäden der Kreuzgangwände betreffen überwiegend Fugen in Tuffsteinbereichen. Die Grundleitungen werden teilweise erneuert. Zudem werden am Bonner Münster-Laden und in den Kellern des Hauses einige Reparaturen vorgenommen, um die haustechnischen Anlagen zu modernisieren und neueren gesetzlichen Vorgaben gerecht zu werden.

 

Lärmbelastung

Auch wenn versucht wird, die Arbeiten mit größtmöglicher Rücksicht auf die Bonner Bevölkerung vorzunehmen, lässt sich die Generalsanierung nicht ganz ohne Lärmbelastung durchführen. Die Anwohner werden über relevante Maßnahmen jeweils zeitnah informiert.

 

Kosten

Die geschätzten Kosten für die Generalsanierung belaufen sich auf 20,22 Millionen Euro. Den Großteil trägt mit 90% das Erzbistum Köln. Die restlichen zehn Prozent entfallen auf die mit 3300 Pfarrangehörigen sehr kleine und nicht vermögende Kirchengemeinde Sankt Martin als Eigentümerin des Bonner Münsters.

 

Spenden

Zur finanziellen Unterstützung der Sanierung hat der Bonner Münster-Bauverein die Spendenkampagne „Mein Herz schlägt fürs Bonner Münster“ ins Leben gerufen. Wer sich für die Generalsanierung einsetzen möchte, etwa im Rahmen einer Steinpatenschaft, findet dazu Informationen unter: „ mein-bonner-muenster.de“.

 

Informationen für die Bevölkerung

Der Kirchenvorstand am Bonner Münster möchte eine maximale Transparenz während der gesamten Bauphase schaffen. Dazu gehören nicht nur die zeitnahe Information der Medien, sondern etwa auch Baustellenführungen. Auf bonner-muenster.de/sanierung finden sich die aktuellen Infos zur Sanierung.

 

Wer sich für die Generalsanierung einsetzen möchte, etwa im Rahmen einer Steinpatenschaft, findet dazu Informationen unter: „ mein-bonner-muenster.de“.

Zurück