Erscheinung des Herrn (Heilige Drei Könige), Predigt

6. Januar 2017; Wilfried Schumacher

Predigt des Stadtdechanten von Bonn, Msgr. Wilfried Schumacher, am Hochfest der Erscheinung des Herrn (Dreikönigsfest) im Bonner Münster

  

Auf allen Dreikönigsdarstellungen – auch auf denen hier im Bonner Münster – ist der Stern nicht zu übersehen. Der Stern von Bethlehem ist ein Stern in dunkler Nacht – auch heute noch! (Edith Stein) Er hilft uns, die alte Geschichte auch als unsere Geschichte zu lesen.

 

1. Wir haben seinen Stern aufgehen sehen

 

"Wir haben seinen Stern aufgehen sehen", sagen die Weisen aus dem Morgenland dem König Herodes - mehr verraten sie uns nicht über diesen Stern und haben damit ganze Generationen von Sterndeutern in Atem gehalten. Sie versuchen immer noch, nachzuweisen, dass damals in jenen Jahren ein besonderer Stern sich gezeigt habe, der Halleysche Komet, oder ein besonders helle Kombination von Jupiter und Saturn im Sternbild der Fische. Und damit ist unsere ach so wissenschaftsgläubige Welt dann zufrieden.

 

Was hat es mit diesem Stern auf sich? Natürlich führt er die Weisen zum Kind in der Krippe. Aber was bedeutet er für uns? Der verstorbene Aachener Bischof Klaus Hemmerle erzählte einmal von einer schwierigen Lebenssituation, in der er schließlich verstand: „Mein Problem ist nicht sofort lösbar, aber ich bekomme so viel Licht, einen Stern, der mir hilft, den nächsten einen Schritt zu tun. Doch gleich um alle Ecken kann ich nicht sehen. Es genügt, einen Schritt zu tun!“

 

Wir bekommen einen Stern für den nächsten Schritt. Vielleicht begreife ich dann auch, was einmal eine Frau geschrieben hat, die viel durchmachen musste in ihrem Leben: „Die Sterne sind wie Löcher im Himmelsgewölbe, durch die Herrlichkeit Gottes hindurch strahlt.“

Schauen wir heute dankbar auf solche Sternstunden, in denen uns ein Stern leuchtete für den nächsten Schritt. Ein Stern, der im Letzten auch zu Gott führte.

  

2. Herodes

 

Der Stern führte die Männer aus dem Morgenland zu Herodes. Er ist ein tyrannischer Herrscher, der seine Macht und Kraft nur zur Durchsetzung eigener Kräfte verwendet. Nur seine egoistischen Absichten zählen. Er vernichtet alles und jeden, was und wer sich ihm in den Weg stellt.

 

Da kann man sich vorstellen, welche Angst und welches Entsetzen die Frage der Magier bei ihm und den Menschen in seiner Umgebung und in Jerusalem auslöst. In der Welt des Herodes herrschen Heimtücke und Menschenverachtung. Die brutale Gewalt seiner Soldaten und die Unterwürfigkeit seines Hofstaates bestimmen die Atmosphäre.

 

Wir müssen diese Situation, in der Stern die Weisen geführt hat aushalten. Es ist keine Nebensächlichkeit auf ihrem Weg, denn der Typ des Herodes ist nicht ausgestorben, er ist in jedem Menschen vertreten. Es gilt sensibel zu werden für die Dimension des Herodes in uns.

Die Frage lautet: Wo verneine ich einen neuen Anfang? Wo lasse ich andere nicht sein, wo gönne ich anderen ihr Leben nicht? Wann kreise ich nur um mich? Gibt es diese Selbstgenügsamkeit in meinem Handeln? Wo und wie werden andere zu Opfern meiner Leidenschaft? Spüre ich diesen Herodes in mir? Wie aber kann ich mich davon befreien bzw. davon befreien lassen?

 

Der Engel sagt den Weisen im Traum, sagt es auch uns: Kehrt nicht zu Herodes zurück, kehrt nicht zu dem Herodes in euch zurück. Lasst euch nicht anstecken von seinem Nein zum Leben, werdet nicht zu Handlangern der Gewalt und der Vernichtung der anderen.

 

3. Am Ziel

 

Schließlich führt der Stern die Männer zum Ziel ihrer Reise: ihre Hoffnungen, ihre Sehnsüchte nach dem wahren Menschsein werden erfüllt - nicht mit einer abstrakten Theorie, nicht mit einer neuen Heilslehre, sondern mit der Gegenwart Gottes, die in diesem Kind mitten unter uns Menschen Wirklichkeit wird. Sie finden ein Kind und erkennen darin, den Sinn ihres Suchens, die Mitte ihres Lebens.

 

Die Sterndeuter aus dem Osten brachten ihre Gaben, Gold, Weihrauch und Myrrhe.

Sie bezeichnen nicht nur den Beschenkten, sondern auch die Schenkenden.

In den kostbaren Gaben leuchtet etwas auf von der Gewissheit ihrer Hoffnung, mit der sie sich aufgemacht hatten - nur wer sich sicher ist, dass er jemandem begegnet, nimmt Geschenke mit, nur wer sich sicher ist, dass er den findet, den seine Seele sucht, nimmt so kostbare Geschenke mit.

 

So leuchtet am Ende der Geschichte noch einmal ihr Anfang auf, die Gewissheit des Aufbruchs! – Auf einem anderen Weg sollen die Weisen in ihre Heimat zurückkehren: Charles de Foucauld sagt: Wenn man Jesus gesehen hat, muss man auf einem anderen Weg heimgehen; auf dem Weg der Bekehrung nicht auf dem Weg der Vergangenheit.

   

Einführung in den Gottesdienst

 

Das vertraute Bild der Anbetung der „Könige“, richtiger der drei Weisen aus dem Morgenland, zeigt den Kern unseres heutigen Festtags als den Höhepunkt einer recht langen und komplizierten Geschichte. Wir kennen unterschiedliche Darstellungen zahlreicher Künstler von der Frühzeit der Kirche bis in die Gegenwart. Ein schönes Motiv der Kunstgeschichte, aber noch viel mehr! Es geht um Menschen und ihr Schicksal, um ein ernstes Suchen und Finden, um Entscheidungen für den rechten Weg, um den Zusammenhalt in einer Gemeinschaft, um die Bereitschaft, Gottes Wort anzunehmen und Gott gegenüber Demut und Verehrung zu zeigen.

 

So stehen heute wir selber an der Stelle der Weisen aus dem Morgenland. Wir nehmen ihre Geschichte als Beispiel und als Ermutigung für unser eigenes Christsein. Wie sie sind wir dem Stern der Frohen Botschaft gefolgt; wie sie finden wir Christus nicht in Glanz und Gloria; er begegnet uns heute und hier in seinem Wort und in der Eucharistie. Mit den Weisen beten wir an, bringen uns selber ein, loben, preisen, bitten und danken.

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