Erster Fastensonntag, Predigt des Stadtdechanten

9. März 2014; Wilfried Schumacher

Fastenpredig-Predigt des Stadtdechanten von Bonn, Msgr. Wilfried Schumacher, im Gottesdienst ersten Fastensonntag, 9. März 2014,
im Bonner Münster

Gelesene Texte aus der Bibel im Gottesdienst: Gen 2,7-9; 3,1-7, Röm 5,12-19, Mt 4,1-11

 

„Die zarteste Versuchung...” - da fällt Ihnen gewiss sofort ein, wie der Satz weitergeht. Sie haben es quasi auf der Zunge. So hat uns vor einigen Jahren ein Schokoladehersteller von seinem Produkt überzeugen wollen. Der irische Dichter Oscar Wilde meint: „Versuchungen sollte man nachgeben, - man weiß nicht, ob sie wieder kommen”.

Man ist geneigt ihm zuzustimmen, denn das Spiel mit dem Genuss hat seine Reize - ganz gleich welcher Natur er ist. Wenn wir dadurch Wohlbefinden, Ausgleich, Glück, Zufriedenheit erfahren können - wer will da schon Nein sagen.

Das Evangelium am ersten Fastensonntag erzählt von den Versuchungen Jesu. Vielleicht haben sie beim Hören schon innerlich abgewunken und gesagt: kann mir nicht passieren. Mich fordert keiner auf, Steine in der Wüste zu Brot zu machen, oder sich von der Zinne des Tempels zu stürzen und den Teufel anzubeten.
Und doch ist in diesem Text auch von uns dies Rede.

In Sagen, Mythen und Märchen tauchen immer wieder drei Urwünsche des Menschen auf, die auch von dem Psychologen und Soziologen bestätigt werden.

Zu einem geglückten Leben gehört für den Menschen,
dass er einen Namen hat,
dass er wachsen und sich entfalten kann,
dass er Heimat und Besitz hat.
Um diese drei Urwünsche geht es auch in unserem heutigen Evangelium:
Schauen wir uns diese drei Urwünsche genauer an:

1. Einen Namen haben

Jeder und jede von uns möchte einmalig sein, nicht austausch-bar, einen Namen und damit ein unverwechselbares Gesicht haben. Wenigstens ein Mensch muss uns anschauen und uns dadurch im wahrsten Sinne des Wortes „Ansehen“ geben.

Wer das nicht hat, der leidet Mangel, der wird krank! Wenn der Mensch reduziert wird auf seine Arbeitskraft im Berufsleben, auf seine intellektuelle Leistung in Ausbildung und Studium, auf seine zu befriedigenden Bedürfnisse in seiner Freizeit, dann reagieren zuerst seine Seele und schließlich auch sein Leib.

Bei diesem ersten Urwunsch setzt der Teufel an, wenn er Jesus auffordert: “Stürz dich herab von der Zinne des Tempels und die Engel werden dich auffangen und heil zu Boden bringen“. In einer großen Show, soll Jesus sich dem Publikum präsentieren, das sich in Jerusalem beim Tempel aufhält. Jesus der Superstar, der „seinen Weg“ macht. Der Beifall wäre ihm sicher, noch bevor er ein Wort seiner Botschaft verkündet hat.

Der aber antwortete mit einem Zitat aus der Schrift „Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht herausfordern!“ Das heißt, erkenne an, dass du Geschöpf bist und einen Schöpfer hast. Du brauchst dir keine Namen selbst zu machen. Gott selbst hat dich bei deinem Namen gerufen. Er ist es, der dir Ansehen verleiht!

2. Macht haben

Der zweite Ur-Wunsch des Menschen: Wir wünschen uns, dass wir etwas machen können, dass wir mitschreiben können an der Geschichte unseres Lebens und andere uns nicht ständig das Leben vorschreiben. Wir möchten wachsen können, selbst kreativ sein.
Es geht also um Macht im Sinne von „machen“, etwas machen können.
Dazu gehört auch die persönliche Freiheit, die ihre Grenzen hat an der Freiheit des anderen. Nicht also um die Macht, die die Freiheit des anderen unterdrückt.

Wie stark diese Sehnsucht nach dieser Art von Macht ist, sehen die aktuell am Beispiel der Menschen in der Ukraine.

Auch in der Versuchungsgeschichte Jesu spiegelt sich dieser Wunsch nach Macht wider. Wenn der Herr den Teufel anbetet, dann soll er Macht bekommen über alle Reiche der Erde mit ihrer ganzen Pracht.
Jesus widersteht auch dieser Versuchung. Für ihn geht es nicht um das eigene Reich, sondern das Reich Gottes, das anbrechen soll.
Er will Gott über sich verfügen lassen. Gott soll seine Geschichte vor- schreiben. Deshalb ist für ihn die Frage nach dem Willen des Vaters die zentrale Handlungsanweisung für sein Leben.

3. Besitz, Heimat haben

Der dritte Wunsch: der Mensch braucht einen Ort, wo er zuhause ist, einen Ort, den er besitzen kann, der sein Besitz ist, seine Heimat.
Das muss kein Prachtbau sein, keine hoch herrschaftlichen Villa. Das kann die Decke sein, in die sich der Obdachlose einhüllt.
Mach aus diesen Steinen Brot, sagt der Versucher zu Jesus. Mach aus diesen Steinen Brot und du bist mit einem Schlag steinreich. Jesus könnte sich selbstmächtig am Leben erhalten. Auch hier widersteht er, wenn er sagt“ vom Brot allein kann niemand leben. Leben kann nur, wer Gottes Wort annehmen und befolgt“.

Die drei Urwünsche bestimmen bewusst oder unbewusst unseren Lebensalltag. Sie treiben uns an. Sind durchaus lebenserhaltend. Gefährlich werden sie, wenn wir ihnen ungezügelt nachgeben. Dann nehmen wir und nicht selten auch andere Schaden.

Nehmen wir mit in dieser ersten Fastenwoche, was Jesus selbst uns mit auf den Weg gibt. Es ist gleichsam das „Plus“, das uns hilft, dem Mangel abzuhelfen, den wir vielleicht in uns verspüren, wenn unsere Wünsche nicht erfüllt werden.

Er sagt uns:
• Gott gibt Dir Ansehen. Du bist von ihm geliebt.
• Frage nach dem Willen Gottes und lass Gott an Deiner Geschichte mitschreiben
• Sei nicht besessen von deinem Besitz.

Das kleine Kreuz, das unserer Vitalis-Schachtel beilag, kann Sie in dieser Woche daran erinnern.

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