Fastenzeit 2017: Mensch, gedenke, dass du grünst

Aufregende Garteninstallation im Bonner Münster - Fastentuch mit Motiv von Sieger Köder
1. März 2017; Sebastian Eckert

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BONN. „Mensch, gedenke, dass du grünst“. Unter diesem Leitspruch von Hildegard von Bingen steht die Fastenzeit 2017 am Bonner Münster. Dieses Wort weckt uns auf und fordert uns dazu auf, einmal anders auf sich und seine Fähigkeiten zu schauen.

 

Passend dazu wurde eine Garteninstallation im südlichen Seitenschiff des Bonner Münsters aufgebaut. Sie macht das Motto mit allen Sinnen erfahrbar. Dieser Garten wird sein Bild in den kommenden Wochen der Fastenzeit allmählich verändern und immer grüner werden.

 

„Viele denken bei dem Wort der heiligen Hildegard an den Aschermittwoch. An diesem Tag wird das Aschenkreuz vielerorts mit den Worten »Gedenke, Mensch, dass Du Staub bist und zu Staub zurückkehren wirst« auf die Stirn gezeichnet. Die heilige Hildegard kehrt diesen Satz um. Nicht die Buße und der Verzicht stehen im Vordergrund. Vielmehr wird uns gesagt: »Pack das Leben an, lass es wachsen«“, erklärt Sebastian Stiewe, Leiter der Citypastoral am Bonner Münster.

 

„Wir dürfen darauf vertrauen, dass in jedem von uns viele Talente und Möglichkeiten stecken. Aber es reicht nicht nur von den eigenen Begabungen zu wissen, sie wollen auch genutzt und gelebt werden.“

  

Fastentuch im Bonner Münster

Passend zum Motto und der Garteninstallation ist das 60 Quadratmeter große Fastentuch gewählt, das seit Aschermittwoch im Hochchor des Bonner Münsters hängt. Es ist in diesem Jahr ein Motiv von Sieger Köder (1925 – 2015). Es heißt »Aufwachsende Ähre«. Eine Ähre, Erde, einige Steine, ein blauer Hintergrund – und eine Hand, die im Hintergrund

als fast durchsichtig erscheint. Diese wichtige Hand zieht die Ähre nach oben. Das Reifen einer Ähre ist vergleichbar mit dem Aufwachsen eines Kindes. Regen und Sonne spielen auf der einen Seite – Eltern und Lehrer auf der anderen Seite eine wichtige Rolle. Die Hand stützt und hält auch die Ähre.

 

Vieles kann dieser kleinen Pflanze passieren, bevor sie groß wird. Steine, Wind, zu viel Regen oder zu viel Sonne schaden mehr, als sie nützen. Auf dem Bild ist die Zusage Gottes »handgreiflich« zu sehen: ich bin bei Dir. Ich verlasse Dich nicht. Gott nimmt nicht die Steine weg, aber er hilft der Pflanze, trotz mancher Erschwernis zu wachsen.

 

Die Garteninstallation im Bonner Münster

Die Garteninstallation im nördlichen Seitenschiff des Bonner Münsters wird bis Ostern im Bonner Münster erlebbar sein. An Stelen erfahren die Besucher mehr über die Hintergründe.

 

Prägend für die rund 25 Quadratmeter große, begehbare Installation sind die vier großen Birken, die in vier hölzernen Gefäßen mit einem halben Kubikmeter Blumenerde gepflanzt wurden. Sie ragen über vier Meter in die Höhe. Pflanzkästen mit Quittenzweiten verbinden diese Birken. Der Boden ist mit Mulch, Steinen und Moos bedeckt. Birkenstämme und Spiegel verleihen der Installation ein Gefühl der Tiefe.

 

Weitere Sträucher und Pflanzen zieren die Installation und werden je nach Wärme und Lichteinfall ihr Aussehen in den kommenden Wochen verändern. Der Garten wird zu Ostern hin immer grüner und bunter.
„Es ist wie mit den eigenen Begabungen, die in uns stecken und uns von Gott gegeben sind. Manche brauchen die nötige Zeit um sich zu entfalten, wie eben diese Pflanzen“, erklärt Sebastian Stiewe. Runde Hinweistafeln leiten die Besucher und regen zum Nachdenken an.

 

Die Garteninstallation wurde durch die Firma Forster Garten- und Landschaftsbau umgesetzt. Forster kümmert sich auch um die Pflege des Bonner Kreuzgangs. Es freut uns sehr, bei dem Projekt mitzuwirken, erklärt Forster-Mitarbeiterin und Agrarbetriebswirtin Alice Walther. „Wir mussten überlegen, wie die Garteninstallation am besten realisiert werden kann, auch angesichts der kurzen Planungszeit.“

 

Sieger Köder

Der katholische Priester und Künstler Sieger Köder zählt zu den bekanntesten deutschen Malern christlicher Kunst und Krippenbauern des 20. Jahrhunderts. Er galt als ein kraftvoller und farbgewaltiger „Prediger mit Bildern“. Geboren am 3. Januar 1925 in Wasseralfingen, studierte er 1946 bis 1947 in Schwäbisch Gmünd Ziselieren und Silberschmieden, danach bis 1951 Malerei und Kunstgeschichte an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Köder arbeitete daraufhin als gymnasialer Kunsterzieher in Aalen.

 

Erst im Alter von 40 Jahren begann Köder mit dem Studium der Theologie und ließ sich 1971 zum Priester weihen. Das Zweite Vatikanische Konzil und die Gestalt Papst Johannes XXIII. gaben dem Spätberufenen den letzten Anstoß zu Theologiestudium und Priestertum. Er predigt mit Bildern, wie er selbst sagte. Propheten und biblische Szenen, Rosen als Zeichen der Ewigkeit und Clowns als Inbegriff des unbeirrt glaubenden Menschen kommen in Sieger Köders leuchtend farbigen Bildern, Kirchenfenstern, Altartafeln und Plastiken vor. Von 1971 bis 1975 war er Vikar in Ulm, ab 1975 Pfarrer in Hohenberg und Rosenberg.

 

Als sein bekanntestes Bild gilt das "Mahl mit den Sündern", das im Jesuitenhaus San Pastore bei Rom hängt: Zwei offene Hände mit Wundmalen bieten einer bunt gemischten Runde Brot an; ein verkrüppelter schwarzer Mann sitzt am Tisch, eine Prostituierte, aber auch eine reiche Frau, ein Narr - die ganze Welt beim Mahl mit dem Heiland. Dieses Bild mit dem Ewigkeits-, Schönheits- und Lebenssymbol der Rose in der Tischmitte gilt als Markenzeichen für Köders Malerei und für seine Theologie.

 

1985 erhielt er den Ehrentitel Monsignore. Köder starb am 9. Februar 2015 in Ellwangen.

 

HINTERGRÜNDE ZUR FASTENZEIT

Carne vale – Fleisch adé

Carne vale – Fleisch adé: Kaum in Bruch ist größer als vom Karneval zur Fastenzeit. Carne vale (lat. Fleisch adé) heißt es am Abend vor der Fastenzeit, besser bekannt als Faste(l)ovend, wenn sich auch dieser Abend über mehrere Tage ausdehnt. Nach dem tollen Treiben lädt die Fastenzeit ein, nüchtern und klar auf das eigene Leben zu schauen: Was gibt halt? Wovon lasse ich mich tragen? Was gibt mir Orientierung und wovon lasse ich mich leiten? Das Wort „Fasten“ kommt aus dem Mittelalter und meint eigentlich „festmachen“. Die durch das Fasten gewonnenen ideellen und materiellen Freiräume sollen neue Wege zu Gott und den Mitmenschen eröffnen und helfen die Fundamente des eigenen Lebens auszubessern und zu festigen.

 

Caritative Dimension

Zu den Mitmenschen gehören aber auch die Notleidenden und Hilfsbedürftigen auf die die Fastenzeit einen besonderen Blick lenkt und einlädt, ihnen freie Zeit und eingesparte Güter zukommen zu lassen. Diese caritative Dimension der Fastenzeit, die es auch in vielen anderen Religionen gibt, greift seit vielen Jahren das katholische Hilfswerk für Entwicklungszusammenarbeit MISEREOR mit einer besonderen Jahresaktion und einem Hungertuch auf. Das „Bischöfliche Hilfswerk MISEREOR e.V.“ wurde 1958 als „Aktion gegen Hunger und Krankheit in der Welt“ gegründet. Den Namen schlug der Kölner Kardinal Joseph Frings vor, in Anlehnung an den Ausspruch Jesu „Misereor super turbam“ („Ich habe Mitleid mit den Menschen“ Mt 15,23).

 

40 Tage Fastenzeit

Warum 40 Tage? Die christliche Fastenzeit dauert 40 Tage. Sie beginnt am Aschermittwoch und endet in der Nacht vor Ostersonntag. Rechnerisch sind dies 46 Tage, allerdings werden die sechs Fastensonntage nicht dazu gerechnet. An ihnen wird nicht gefastet. Die Zahl 40 hat biblische Bedeutung und steht als Symbolzahl der besonderen Nähe zu Gott und der Bereitschaft zur Umkehr: Das Volk Israel wanderte 40 Jahre durch die Wüste als Zeit der Läuterung, Mose war Gott 40 Tage auf dem Berg Sinai, der Prophet Elija hielt sich 40 Tage auf dem Berg Horeb auf und Jesus weilte 40 Tage in der Wüste um sich durch Gebet und Fasten auf seine Sendung vorzubereiten.

  

Fasten im Verborgenen

Für Jesus ist das Fasten keine Äußerlichkeit, sondern eine tiefgründige Herzensangelegenheit: „Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass Du fastest, sondern nur dein Vater, der auch das Verborgene sieht; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“ (Bibel, Evangelium nach Matthäus, Kapitel 6, Verse 11-18)

 

Fastentücher, Verhüllte Altäre, weniger Kerzen und ohne Blumen

Fastentücher, Verhüllte Altäre, weniger Kerzen und ohne Blumen: Mit dem Aschermittwoch ändert sich auch die liturgische Farbe zu Violett, welche vor allem zu Zeiten der Umkehr und der Vorbereitung getragen wird. So ist die Fastenzeit in erster Linie die Vorbereitung auf Ostern und wird deswegen „Österliche Bußzeit“ genannt. Im Bonner Münster wird ein fast 60 Quadratmeter großes Fastentuch Teile des Hochchores, die Chorfenster und das Apsis-Mosaik verdenken. Andere Altäre werden verhüllt, der Blumenschmuck entfernt und Kerzen reduziert. Auch dadurch soll der Blick auf das Innere gelenkt werden.

 

Fastenzeiten

In vielen Religionen gibt es besondere Zeiten, in denen man bewusster lebt, bestimmte Riten und Vorschriften beachtet. Diese Zeiten dienen als innere Vorbereitung auf besondere Feste und Anlässe oder wichtige Ereignisse. Für Christen ist die Fastenzeit (österliche Bußzeit) die Zeit der Vorbereitung auf das zentrale Fest des christlichen Glaubens: Ostern, die Feier der Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Das Fest der Befreiung. Danach folgen die 50 Tage der Osterzeit bis zum Pfingstfest, welches an die Sendung des Heiligen Geistes erinnert.

 

Asche für Aschermittwoch

Die Asche mit der die Gläubigen am Aschermittwoch bezeichnet werden, wird im Gottesdienst zunächst gesegnet. Die Segensgebete besagen, dass es nicht darum geht, in Sack und Asche zu gehen, sondern sich dem Leben zu widmen. Hergestellt wird die Asche aus Palmzweigen des vergangenen Jahres. Dies sind grüne zweige, die am Palmsonntag (Sonntag vor Ostern) gesegnet und an die Kreuze gesteckt werden. Noch bevor die Gläubigen sich in den Gottesdiensten des Leidens und Sterbens Jesu erinnern sollen die grünen Zweige seine Auferstehung symbolisieren: Der Tod hat nicht das letzte Wort.

 

Gebete zur Segnung der Asche

Barmherziger Gott, du bist den Demütigen nahe und lässt dich durch Buße versöhnen. Neige dein Ohr unseren Bitten und segne + alle, die gekommen sind, um das Aschenkreuz zu empfangen. Hilf uns, die vierzig Tage der Buße in rechter Gesinnung zu begehen, damit wir das heilige Osterfest mit geläutertem Herzen feiern. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

 

Gott, du willst nicht den Tod des Sünders, du willst, dass er sich bekehrt und lebt. Erhöre gnädig unsere Bitten: Segne + diese Asche, mit der wir uns bezeichnen lassen, weil wir wissen, dass wir Staub sind und zum Staub zurückkehren, Hilf uns, die vierzig Tage der Buße in rechter Gesinnung zu begehen. Verzeih uns unsere Sünden, erneuere uns nach dem Bild deines Sohnes und schenke uns durch seine Auferstehung das unvergängliche Leben. Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.

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