Gauck: Letzter Bonn-Besuch als Bundespräsident startete am Bonner Münster

Rundgang durch die Bonner Münster-Basilika und den Kreuzgang
7. März 2017; Sebastian Eckert (sebastian.eckert@katholisch-bonn.de)

BONN. Staatsbesuch im Bonner Münster: Am Dienstag, 7. März 2017, besuchte Bundespräsident Joachim Gauck zum letzten Mal in seiner Amtszeit seinen zweiten Dienstsitz Bonn. Um 10.45 Uhr begrüßten Oberbürgermeister Ashok Sridharan mit Gattin Petra Fendel-Sridharan und der Bonner Stadtdechant und Bonner Münster-Pfarrer Msgr. Wilfried Schumacher das deutsche Staatsoberhaupt und die First Lady Daniela Schadt.

 

Nach einem Fototermin am Hauptportal nahm Gauck an einer Privatführung durch das Bonner Münster teil. Nach einem kurzen Orgelspiel durch Bonner Münster-Kantor Markus Karas erläuterte Citypastoralleiter Sebastian Stiewe das Konzept der Fastenzeit 2017, die unter dem Motto „Gedenke, Mensch, dass du grünst!“ steht. Das Motto ist eine Botschaft der Heiligen Hildegard von Bingen. Sie wird durch das in leuchtendenden Farben gehaltene Fastentuch „Aufwachsende Ähre“ von Priester und Künstler Sieger Köder bildlich aufgenommen und mit einer Garteninstallation im südlichen Seitenschiff umgesetzt.

 

In der Krypta erklärte Msgr. Schumacher am Schrein der Stadtpatrone Cassius und Florentius die Entstehung des Bonner Münsters und der Stadt Bonn. Sichtlich angetan zeigte sich der Bundespräsident von der romanischen Bauweise, die an diesem Ort besonders deutlich hervortritt.

 

Der Freskenzyklus im Hochchor, geschaffen Ende des 19. Jahrhunderts, ist ein beeindruckendes Gesamtwerk. Er greift die zeitgenössischen Vorstellungen auf: Überrascht war der Bundespräsident über Details des Fresko: „Heimsuchung“. Dort wird der Besuch Marias bei ihrer Verwandten Elisabeth zeigt. Joseph hält eine rote Fahne in der Hand, die die Arbeiterbewegung symbolisieren soll.

 

Zwei Königskrönungen fanden im Bonner Münster statt. Im nördlichen Querhaus werden die Krönungen der Könige Friedrich III. von Österreich (der Schöne) 1314 und Karl IV. von Luxemburg 1346 geschildert. Noch heute zeugt eine Malerei des Reichsadlers im nördlichen Querhaus von diesen Krönungen, eine weitere Station auf dem Rundgang.

 

Neben einer Vorstellung eines der barocken Altäre im Bonner Münster, dem Stadtpatrone-Altar mit der Reliquie der heiligen Helena, wurde Bundespräsident Gauck kurz über die nötige Generalsanierung des Bonner Münsters informiert. Schäden an der Außenfassade, die sich bis ins Innere ziehen, sind nur ein Teil dieser Arbeiten, die mit schätzungsweise 20,22 Millionen Euro zu Buche schlagen werden. Auch die gesamte Elektro-Installation muss ausgetauscht werden. Ebenfalls im Blick ist der barrierefreie Ausbau, um das Bonner Münster für die nächsten 30 Jahre zukunftsfähig und inklusiv zu machen.

 

Im einzig vollständig erhaltenen romanischen Kreuzgang nördlich der Alpen erfuhr der Bundespräsident mehr über den Aufbau der Stiftsgebäude des Bonner Münsters, die sich am bekannten St. Galler Klosterplan orientieren. Gauck bedauerte, nicht schon viel früher an diesem Ort gewesen zu sein. „Es ist eine Oase der Ruhe inmitten der Stadt“, erklärte er freudig.

 

Die Führung durchs Bonner Münster endete auf der Orgelempore. Münster-Kantor Markus Karas stellte ihm die große Klais-Orgel vor. Sie bietet 69 Register mit 5112 Pfeifen, 4 Manuale und Pedal. Eingefasst ist das klangreiche Instrument in das größte figürlich geschnitzte Orgelprospekt Europas. Gestaltet von dem Hennefer Bildhauer Manfred Saul, zeigt das mit hölzernen Skulpturen geschmückte Gehäuse der Orgel nicht nur biblische Begebenheiten: Festgehalten sind zeitgenössische Ereignisse wie beispielsweise die erste erfolgreiche Transplantation eines menschlichen Herzens

 

Bundespräsident Gauck, der zu DDR-Zeiten evangelisch-lutherischer Pastor war, offenbarte sein Faible für Orgeln. Mit dem Wissen eines Kenners ließ er sich im Detail die Klais-Orgel im Bonner Münster erklären und die ganze Klangbreite der Orgel durch Münster-Kantor Karas vorführen.

 

Als Gastgeschenk erhielt das Bundespräsidentenpaar den Hauswein „Kapitellchen“ (Ahr Frühburgunder) und den Hauskräuterlikör „Stiftskräuter“ (Eifel). Darüber hinaus gab ein Buch zur großen Klais-Orgel des Bonner Münsters und Tonträger mit Aufnahmen aus dem Bonner Münsters. Nach einem kurzen Austausch verabschiedete sich Bundespräsident Gauck von Msgr. Wilfried Schumacher. Gemeinsam mit Oberbürgermeister Ashok Sridharan brach er zu einem Stadtrundgang auf.

 

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