Instawalk in Sankt Remigius

Instagramer können verstecktes Kleinod neu entdecken
17. August 2017; Sebastian Eckert

Sie ist ein verstecktes Kleinod in der Bonner Innenstadt: Die ehemalige Minoritenkirche Sankt Remigius. Etwas abseits des Marktes versteckt sie sich in der Brüdergasse 8. Wer den geschichtsumwitterteten Bau im Herzen Bonns neu entdecken möchte, für den bietet sich ein Instawalk am Dienstag, 29. August 2017, um 19 Uhr an.

 

Die Teilnehmer können den Taufstein Beethovens fotografieren, eine versteckte versteckte Kapelle, alte und moderne Kunst, eine Menge Holz und das Vogelnest im Kreuzgang! Sankt Remigius, die einzige gotische Kirche Bonns, ist die Kirche der katholischen Hochschulgemeinde und vorübergehende Heimat des Bonner Münster während der Generalsanierung.


Der Instawalk wird gemeinsam organisiert durch das Bonner Münster, das Mentorat Bonn und Katholisch.de. Treffpunkt ist das Hauptportal in der Brüdergasse, anschließend gibt es Bier, Brause & Leckerbissen in Sam’s Café. Die Anmeldung erfolgt über einen der drei verlinkten Instagram-Accounts unter Nennung des Instagram-Namens.

Sankt Remigius

 

Warum Sankt Remigius nicht am Remigiusplatz liegt, ist für viele Bonner, die täglich an dem Platz vorbeischlendern, ein Geheimnis. Dabei war dort der Mittelpunkt eine der einflussreichsten Kirchengemeinden der Stadt! Bereits im 8. Jahrhundert muss es am Platz der ehemaligen Remigiuskirche eine Saalkirche gegeben haben. Ursprünglich war sie eine Eigenkirche des Kölner Erzbischofs, gehörte aber bereits um 1300 zum Besitz des einflussreichen Bonner Cassius-Stifts. Ihr mächtiger Turm diente der Stadtwache als Aussichtspunkt. Hier wurde Beethoven getauft.

 

Doch heute lässt sich von der einstigen Kirche nur noch wenig erahnen: Der Remigiusplatz markiert in seiner Umfassung gerade einmal den Kirchhof, den größten Begräbnisplatz der Stadt bis weit ins 18. Jahrhundert hinein. Denn Im 18. Jahrhundert verfiel die Kirche zusehends. Um 1800 war sie in derart schlechtem Zustand, dass ihre Funktionen an die Minoritenkirche im Sprengel übertragen wurde. Ein Blitzeinschlag im Jahr 1800 läutete das Ende ein, 1806 wurde sie niedergelegt.

 

Diese Minoritenkirche wurde 1274 durch den Kölner Erzbischof gegründet. 1317/18 wurde ein erster Bauabschnitt der neuen Kirche mit Kloster geweiht, der Gesamtbau erst Ende des 14. Jahrhunderts abgeschlossen. Dank der Kölner Bettelmönche wurde sie zu einer beliebten Seelsorgeeinrichtung, berichtet ein Chronist im 17. Jahrhundert. Rundherum, besonders im Laufe des 17. Jahrhunderts, siedelten sich Mönche und Ordensgemeinschaften an. 1627 wurde etwa, wo heue die Brüdergasse in die Straße Belderberg mündet, ein neuer Klosterbau eingeweiht. Insgesamt vier Männerorden, dazu Pfarr- und Stiftsgeistlichen und einige Frauenorden, boten eine üppige seelsorgerische Versorgung der Stadt, was auch zu einem Konkurrenzdenken beim Bemühen um die Gunst der Gläubigen führte. Noch heute stehen viele Namen im Gebiet für diese Vielfalt rund um Sankt Remigius.

 

Das Ende setzte mit der Säkularisierung im 19. Jahrhundert ein. Konvente wurden aufgelöst. Das alte Sankt Remigius abgetragen. Die Minoritenkirche, die fortan Sankt Remigius genannt wurde, war Hauptpunkt des neuen, kleineren Kirchensprengels.

 

Ein Brand im Jahr 1888 führte zu schweren Zerstörungen, Bomben im zweiten Weltkrieg trafen das Gotteshaus schwer. Erst 1950 wurde wieder ein Gottesdienst in der Bürdergasse gefeiert werden. Ein neues Pfarrhaus mit Kindergarten und Jugendheim wurde zu Beginn der 1960er Jahre erbaut. Einherging die Errichtung eines neuen Klostergebäudes. Von 1957 bis 2006 übten die Minoriten die Seelsorge in Sankt Remigius aus.

Im Jahr 2000 wurden die berühmten Altarbilder von Franz Ittenbach, Carl und Franz Müller restauriert und wieder aufgestellt.

 

Ende 2006 ging das Pfarrgebiet an Sankt Martin über. Seit dem 1. Januar 2007 ist es die Kirche der Katholischen Hochschulgemeinde. Zum Pfarrgebiet gehört das Collegium Albertinum.

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