Kappes-Orden, Laudatio

5. Februar 2016; Reinhard Sentis

Laudatio von Msgr. Wilfried Schumacher, Stadtdechant von Bonn und Endenich, anlässlich der Verleihung des Kappes-Ordens 2016 der Karnevalsgesellschaft Narrenzunft Bonn-Endenich an Dr. Ines Knauber-Daubenbüchel am Freitag, 5. Februar 2016, in Endnenich.

 

Liebe Karnevalsfreunde,

ich soll begründen, weshalb Frau Dr. Knauber-Daubenbüchel würdig ist, den Kappesorden zu erhalten. Ich werde diese Rede im Dialekt halten, so wie ich daheim spreche, wenn ich meine Mutter besuche. Leider ist die Untertitel-Anzeige hier im Theater defekt. Eine Hochdeutsche-Fassung finden Sie im Netz: hier ist der entsprechende QR-Code.

 

Wenn ich als Kind mit der Oma mit dem O-Bus nach Duisdorf fuhr oder schon mal mit dem Bus an die Ahr oder nach Bonn, dann hieß es immer: „Wir fahren ab beim Knauber.“ Knauber, das war eine Institution! Wie „der Nolden“ oder „Edi Grommes“, wie „der Bölles“ oder „der ahle Lapp.“ (Die jüngeren können jetzt mal Googeln, wer das war.)

 

Knauber – das war ein Geschäft zwischen dem Alten Schützenhäuschen und Thelens Leni. 1880 wurde es eröffnet. Zuerst als Kolonialwarenhandel und dann stand da „Kohlen, Briketts, Fourage, Kraftfutter, Kartoffeln – Michael Knauber“ – Fourage, das war Pferdefutter. 1922 haben die Kinder dann ein größeres Geschäft an das Wessels Bähnchen auf der Endenicher Straße verlegt. Heute gibt es „Knauber“ in Bonn, bei Kölle, an der Ahr und sogar im Westerwald. Fast 1000 Angestellte gehören dazu. Da sieht man, wie man mit Kohlen und Kartoffeln Geld machen kann.

 

Obwohl so groß geworden, bleibt das Unternehmen ein Familien-Unternehmen. Frau Knauber kennt jeden und jede mit Namen. So ein Gedächtnis möchte ich haben! Das merken die Mitarbeiter, wenn sie ihnen zum Geburtstag oder zu Weihnachten schreibt oder wenn sie in der Nacht der Inventur in die Filialen fährt und jeden und jede mit Handschlag und Namen begrüßt.

 

Sie ist sozusagen ihren Angestellten wie ein gute Mutter -und jetzt ist sie auch noch „Prinzenmutter!“ Denn Prinz Michael ist in Ihrem Haus Bereichsleiter. Man munkelt, der Neubau, den man jetzt an der Endenicher Straße errichtet, sei seine ewige Hofburg für Zeit nach Aschermittwoch. Ein Glaspalast mit persönlichem Ruhe- und Wellnessbereich. Einmal Prinz – immer Prinz. Aus Limburg könnte ich eine Badewanne beisteuern, die steht jetzt da nutzlos herum. - Auf jeden Fall heißt das Firmenmotto jetzt: „Wir sind Prinz!“

 

Aber Frau Dr. Knauber-Daubenbüchel unterstützt nicht nur Prinz Michael als Prinz. Sie fördert den Karneval an vielen Stellen. Sie ist Mitglied im Großen Senat. Das sind die im Karneval, die Geld haben. Aber bescheiden wie Sie ist, macht sie nicht viel Aufhebens davon. Sie ist wie der Wirsing: As „Kappes“ ist er nichts Besonderes, aber als Lebensmittel äußerst gesund und nahrhaft. Er half den Leuten früher, gesund und gut durch den Winter zu kommen! So ist es mit der neuen Ordensträgerin auch: Frau Knauber-Daubenbüchel tut dem Bonner Karneval gut.

 

Doch sie hat nicht nur für den Karneval etwas übrig. Soziale Projekte und Kulturelles können sich immer wieder über Unterstützung aus dem Hause Knauber freuen. Auch wir am Bonner Münster wissen das. Sie ist nicht nur Mitglied im Kuratorium der Bonner Münster-Stiftung. Auch die Kulisse unsere Stadtkrippe entstand im Hause Knauber, persönlich unterstützt von der Chefin… die übrigens schon seit dem 10. Lebensjahr wusste, dass sie einmal ins Unternehmen eintreten wollte.

 

Vorher macht sie aber noch eine große Schleife. Wie viele Endenicher in der Mitte des 19. Jahrhunderts zog es auch sie in die USA, wo sie mit Erfolg studierte und gerne länger geblieben wäre, hätte nicht der Tod des Vaters sie zurückgeholt. Ihre Mutter, eine Westfälin, brauchte ihre Unterstützung.

 

Die Mutter liebte den Karneval, was zuerst nicht auf die Tochter abfärbte. Ines Knauber-Dauenbüchel floh früher über Karneval nach Norden auf ihre geliebte Insel Juist. Das macht sie mir zusätzlich sehr sympathisch, denn ich habe mich auch in die Insel verliebt.

 

Aber es ist ja nie zu spät, sich zu bekehren, sagt der Pastor. Jetzt ist sie dabei und steckt ihre ganze Familie in Clown-Kostüme. Wie der Wirsing ist sie ein Multitalent. Sie schätzt die Tradition und auch neue Wege! Neue Ideen sind ihr wichtig und sie mag die Leute, die neue Wege gehen wollen. Kraft, Mut und Disziplin, Anstand und Werte zeichnen Sie aus. Unzuverlässigkeit, Gleichgültigkeit und mangelndes Engagement sowie Bürokratismus. – Das mag sie nicht!

 

Der Kunde geht immer vor. Kleines Beispiel: Auch bei angespannter Parkplatzsituation dreht sie oft eine Extrarunde auf der Suche nach einem Parkplatz, aber sie stellt ihr Auto nie auf einem Kundenparkplatz ab.

 

Ich habe bei meiner Recherche viele Leute befragt. Keiner hat mir etwas Negatives gesagt; auch nicht hinter vorgehaltener Hand. Wenn nicht diese Frau den Orden verdient hat, dann weiß ich nicht, wer sonst. – Also dann: Herzlichen Glückwunsch.

 

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