Karnevalssonntag, Predigt

27. Februar 2017; Wilfried Schumacher

Predigt des Stadtdechanten von Bonn, Msgr. Wilfried Schumacher, am Karnevalssonntag, 26. Februar 2017, im Bonner Münster

  

De Haupsaach es, et Hätz es god,  

nor dorop kütt et aan, 

de Haupsaach es, et Hätz es god,  

dann bes de glöcklich draan. 

Ov hä no klein es oder mollig oder ne Schmal, 

och dat es doch egal, och dat es doch egal, 

de Haupsaach es, et Hätz es god,  

nor dorop kütt et aan. 

 

Wer kann es einem verdenken, dass man beim diesjährigen Motto an dieses Lied von Toni Steinjass aus dem Jahre 1952 denkt. De Hauptsaach es, et Hätz es god – das war sein Ratschlag an die Eltern, die, den Zukünftigen der Tochter unter die Lupe nahmen. Ja, er hat Recht auf das Herz des Menschen kommt es an. Schon die Bibel weiß: „Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord,  Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft.“ – so Jesus im Streitgespräch mit den Pharisäern. (Mk 6,21-22) 

 

Aber das Motto spricht nicht vom Herzen des Menschen, sondern vom Herzen der Stadt. „Bonn mit Hätz“ ist das eine Feststellung oder ist das Wunschdenken? Kann eine Stadt ein Herz haben? Wahrscheinlich stand das Höhner Lied über Kölle Pate bei der Mottofindung: „du bess en Stadt met Hätz und Sihl“. Aber stimmt das? Ist Bonn eine Stadt mit Herz? Ist Bonn ein Gefühl. 

 

Ganz bescheiden müssen wir sagen: eher wohl nicht. Wenigstens nicht mit einem Herzen. Unsere Stadt ist weit davon entfernt, ein Herz und eine Seele zu sein.  Statt uns etwa zu freuen, was wir in den letzten 26 Jahren geschafft haben, streiten sich viele wie die Kesselsflicker. Hauptstadt waren wir mal, das müssen wir endlich begreifen.  Aber wenn sich die G20-Außenminister in unserer Stadt treffen, dann jammern wir über die Verkehrsstaus als hätten wir in 50 Hauptstadtjahren nicht vieles andere bewältigt. Bonn met Hätz – wenn ich auf die über 11.000 Kinder schaue, die in unserer reichen Stadt in Armut leben, dann bin ich auch da eher skeptisch. Lassen wir es also lieber, unserer Stadt ein Herz zuzuschreiben. 

 

Schauen wir lieber auf die Menschen in dieser Stadt und dann macht das Motto vielleicht doch einen Sinn: es gibt in unserer Stadt viele Menschen, die ein Herz haben, ein Herz für andere. Da sind die vielen andere Freiwilligen, aber auch Hauptberuflichen, die sich für andere einsetzen – in den Rettungsdiensten, bei der Feuerwehr, bei der Polizei, in den Sportvereinen, in den Kirchen, in der Flüchtlingsarbeit – wo auch immer. Menschen, die das Herz auf dem rechten Fleck haben.  Und natürlich die Karnevalisten: Sie investieren viel Zeit und auch Geld darin, anderen Freude zu machen. Sozusagen: von Herz zu Herz! Ihnen gilt es mit diesem Motto auch einmal Dank zu sagen – Bonn met Hätz. Das Motto wäre erst recht Nonsens wenn es diese Menschen nicht gäbe in unserer Stadt. 

 

Aber es gibt auch Menschen, deren Herz verbittert ist – oder wie die Bibel sagt: deren Herz versteinert ist. Da schlägt zwar das biologische Herz noch im Takt, aber dieses andere, seelische Herz ist aus dem Rhythmus geraten. Das Leben hat ihm zugesetzt: die zerstörten Träume, die Enttäuschungen, falschen Entscheidungen, Schmerz und Trauer, Verletzungen durch Taten und Worte anderer, Streit, Unversöhnlichkeit und vieles andere.  Vielleicht kennen Sie das auch? Eh man sich versieht, ist dieses Herz hart geworden, auch wenn das organische Herz noch weiter schlägt.  

 

Was ist zu tun? Man braucht eine Herztransplantation. Schon im Alten Testament erweist sich Gott als der Transplantations-spezialist. Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz von Fleisch, haben wir eben in der Lesung aus dem Buch Ezechiel gehört. (Ez 36,26) Der Mensch erneuert sich nicht selbst. Gott tut dies. Er diagnostiziert einen irreparablen Herzschaden und sieht als einzigen Weg die völlige Erneuerung des Herzens.  

Der Mensch benötigt ein Herz, das im Rhythmus Gottes schlägt. 

 

Den kann man nicht mit medizinischer Apparatur messen, sondern ob ein Herz im Rhythmus Gottes schlägt, das kann nur erleben: „Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung“ (Gal 5.22) sind die Messwerte. 

 

In welche Klinik muss ich gehen für eine solche Herztransplantation? Es bedarf keiner Klinik und keiner Einweisung. Man braucht nur Menschen, die ein solches Herz schon haben, ein weites Herz und die sich ein Herz fassen, wenn sie zum anderen sagen:  

Rötsch doch jet nöher, wie Fründe dat maache. 

 

Die Nähe von Menschen kann gesund machen – an Leib und Seele. „Rötsch doch jet nöher, wie Fründe dat maache.“ Das ist dann vielleicht nicht mit einem Mal getan; aber regelmäßig verabreicht kann dies auch die härtesten Herzen weich machen.  

Denn es gilt: 

 

De Haupsaach es, et Hätz es god,  

nor dorop kütt et aan, 

de Haupsaach es, et Hätz es god,  

dann bes de glöcklich draan. 

Ov hä no klein es oder mollig oder ne Schmal, 

och dat es doch egal, och dat es doch egal, 

de Haupsaach es, et Hätz es god,  

nor dorop kütt et aan. 

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