Karnevalssonntag, Predigt

15. Februar 2015; Wilfried Schumacher

Predigt des Stadtdechanten von Bonn, Msgr. Wilfried Schumacher, im Gottesdienst zu Karneval am Sonntag, 15. Februar 2015, im Bonner Münster

 

„Bönnsche im Jlöck - domols wie hück“

 

„Bönnsche im Jlöck - domols wie hück“- Bonner im Glück damals wie heute. Das Motto, unter dem die Bonner Narren in diesem Jahr Karneval feiern.

 

Damals – dazu zählen die heilige Adelheid, deren 1000. Todestag wir in diesem Jahr begehen und auch Friedrich der Schöne, der vor 700 Jahren im Bonner Münster zum König gekrönt wurde. Damals wie heute gehört die Frage nach dem Glück zu den zentralen Fragen der menschlichen Existenz. Wir wollen glücklich sein, d.h. für die einen: zufrieden sein, für den anderen: geliebt sein, für wieder andere: erfolgreich sein.

 

Für den Theologen stellt sich die Sache nicht so einfach da; weil es in der Bibel das Wort „Glück eigentlich nicht gibt. An einer Stelle spricht die Luther Übersetzung von 1984 von Josef im Gefängnis in Ägypten und stellt fest „denn der Herr war mit Josef, und was er tat, dazu gab der Herr Glück.“

 

Die Einheitsübersetzung drückt es anders aus „Was er auch unternahm, der Herr ließ es ihm gelingen“. (Gen 39,23) Im Buch der Sprichwörter findet man den Satz „Wer auf das Wort merkt, der findet Glück; und wohl dem, der sich auf den Herrn verlässt.“ (Sprichwörter 16,20) Das entspricht einem Wort Jesu: „Selig sind vielmehr die, die das Wort Gottes hören und es befolgen.“ (Lk 11,28).

 

Aber bevor wir jetzt weiter auf Spurensuche in der Bibel gehen, schauen wir lieber einmal, was die Musikgruppen im Karneval über das Glück erzählen. Die karnevalistischen Hits sind ja keineswegs nur oberflächliche Lieder, sie sprechen vom Leben und vom Tod und vom Leben danach. „Wir lieben das Leben, die Liebe und die Lust. Wir glauben an den lieben Gott und han auch immer Durst“, heißt einer der bekanntesten Songs der Höhner. „Mer welle, dat in unsrer Stadt jeder glücklich weed, et jit jet, dat mer üvverall op d'r Welt versteiht.“

„Su lang mer noch am lääve sin, am laache, kriesche, danze sin, su lang mer noch am lääve sin“, singen „Brings“ und die Zuhörer singen begeistert mit. Solange wir noch am Leben sind, am Lachen, Weinen, Tanzen sind. – Für den Rheinländer liegen Lachen und Weinen nah beieinander.

 

„Kumm mer lääve bevür mer stirve, als wör dat hück dä letzte Daach“, lädt die Gruppe „Kasalla“ ein. Komm, wir leben, bevor wir sterben, als wäre das heute der letzte Tag. „Kumm mer sammele Stäänstunde die uns keiner nemme kan“ – Sternstunden, die keiner nehmen kann - das kennt jeder.


Fragen wir diese modernen Philosophen, die dem Volk aufs Maul schauen, danach, was sie über das Glück denken:

 

1. Das Glück ist unverfügbar

Glück kann man nicht machen und auch nicht kaufen- auch wenn die Werbung verspricht: „Shop dich glücklich“.

 

„Eß och dih Jlöck op Jöck?“, heißt es im Höhner-Lied von den echten Freunden. Und an anderer Stelle singen sie vom Traum vom Glück, das schnell vergehen kann und nach dem man sich sehnt: „Droum vum Jlöck, bring mich schnell dohin zurück. Droum vum Jlöck, in die längs verjangne Zick. Stähneaurejlanz, selvsverjessene Danz, do mähs alles janz.“

Das Glück ist nicht verfügbar, es wird einem geschenkt.

 

2. Glück ist wahrhaftig

„Blievs Du wie Du bes, fings Du di Jlöck“, bleib wie du bist, dann findest Du dein Glück“, singen die Blääck Föös in ihrem Lied. „Jo dann hammer dat Jeföhl, dat mer noch lääve.“ Und damit sprechen sie aus, was wir alle wissen: Glücklich sind wir nur, wenn wir wahrhaftig sind.Wenn wir der oder die sind, die Gott geschaffen hat mit den Fähigkeiten, Kompetenzen, aber auch den Grenzen, und nicht der oder die, die wir verkrampft sein wollen.

 

3. Die Liebe ist die Schwester des Glücks

Menschen, die lieben können und Menschen, die sich als geliebt erfahren, sind glückliche Menschen. „Zom Jlöck bes du do. Ich liebe dich, denn do löös mich nit em Stich, niemols. Zom Jlöck bes du do. Ich liebe dich, denn do löös mich nit em Stich, niemols“, singen Cat Ballou. Und Brings weiß: „Ich maach mir kein Sorje, weil ich janz jenau weiß, du brings mich Heim, brings mich zoröck, denn du bes mi Jlöck.“

 

Zur Zeit Jesu war das Glück auf der Seite der Starken, denen die Glücksgöttin Fortuna zugeneigt war. Ihrem Namen nach war sie die Starke, die Kräftige. Jesus verkündet dagegen: das Glück steht auf der Seite der Schwachen. Deshalb preist er sie in den Seligpreisungen „selig“, was manche Übersetzer auch mit glücklich übersetzen.

 

 Glück zeigt sich nach dem Neuen Testament nicht im Haben (wollen), sondern im Loslassen (können). „Wer sein Leben zu erhalten sucht, der wird es verlieren, und wer es verlieren wird, der wird es gewinnen“ (Lukas 17,33). Jesus ist diesen Weg gegangen – ans Kreuz, in den Tod. Seine Auferweckung hat neues Leben möglich gemacht. Das ist das wahre, unvergängliche Glück!

 

Seitdem wissen wir, alles Glück auf dieser Erde ist nur Abbild des Glücks, das Gott einmal nach dem Tod auf ewig für uns bereithält. Die Band Kasalla weiß: „Dorüm heve mer die Jläser dohin wo die Engel sin, denn do bis du un luurs uns zo. Dorüm alle Jläser huh! Op die Liebe un et Lävve, op die Freiheit un dr Dud. Kumm mer drinke uch met denne die im Himmel sin,
alle Jläser huh!“

 

Rabbi Chajjim von Zans pflegte zu sagen, dass die meisten Menschen hin- und herreisen, immer im Kreis herum, auf der Suche nach Glück und der Jagd nach Reichtum, und enttäuscht sind, wenn sie weder das eine noch das andere finden. Vielleicht wäre es besser, so sagte er, wenn sie einmal anhielten und dem Glück erlaubten, sie dort zu finden, wo sie sind.

 

Ist das nicht ein Programm über den Karneval hinaus, besonders für die Wochen der Fastenzeit. Anhalten und dem Glück erlauben, mich dort zu finden, wo ich bin!

 

Also dann: Bönnsche em Jlöck, domols wie hück!

  

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