Medienempfang, Ansprache

18. Oktober 2016; Wilfried Schumacher

Ansprache des Stadtdechanten von Bonn, Msgr. Wilfried Schumacher, beim Empfang für die Vertreter der Medien. Manuskript – Es gilt das gesprochene Wort.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich danke Ihnen sehr, dass Sie unserer Einladung zum diesjährigen Medienempfang im Rahmen der Festdekade zu Ehren unserer Stadtpatrone gefolgt sind. Sehen Sie darin bitte ein Zeichen unserer Wertschätzung für Ihre Arbeit und ein Dank für Ihre kritische und auch wohlwollende Begleitung.

 

Ich danke auch unserer Pressestelle, die unermüdlich tätig ist, um Sie und die Öffentlichkeit mit Nachrichten zu versorgen, um Ihnen als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen. Die Facebook Aktivitäten haben eine große Reichweite und die beiden InstaWalks in den letzten Monaten zeigen, dass wir dem digitalen Zeitalter aufgeschlossen gegenüberstehen.

 

Die katholische Kirche in dieser Stadt präsentiert sich in 11 Seelsorgebereichen mit einem vielfältigen kirchlichen Leben. Alle Pfarrerstellen sind besetzt und viele Ehrenamtliche sorgen mit für die Lebendigkeit in ihren Gemeinden.

Am 1. Januar 2017 wird sich die kirchliche Struktur überall im Erzbistum Köln verändern. Die Dekanate, in unserer Stadt sind es vier, werden zusammengelegt zu einem Dekanat in der Stadt bzw. Kreis unter der Leitung des Stadt- bzw. Kreisdechanten. Dabei besteht die Möglichkeit, dass ich in Zukunft einzelne Aufgaben regional oder auch inhaltlich delegieren kann. Die vier Dechanten haben in der Vergangenheit in ihren Dekanaten eine gute Arbeit geleistet. In einem gemeinsamen Gottesdienst mit Weihbischof Puff werden wir ihnen im Januar 2017 wertschätzend öffentlich auch danke sagen.

 

Für mich ist allerdings nicht nur das katholische Leben in dieser Stadt wichtig. Entscheidend ist auch, dass wir als Christen unser Zeugnis geben. Das 200-jährige Jubiläum der evangelischen Kirche im Juni dieses Jahres war für mich ein Beispiel dafür, dass wir gemeinsam in dieser Stadt und für diese Stadt unterwegs sind.

 

Bei diesem Stadtpatronefest 2016 waren die ökumenischen Gottesdienste sowohl im Bonner Münster als am Samstagabend auch bei den griechisch-orthodoxen Christen ein hoffnungsvolles Zeichen für die Zukunft. Vielleicht wird nach der erfolgten Generalsanierung der Wiedereinzug in die Grabeskirche von Cassius und Florentius, die auf eine ganz besondere Weise die Einheit der Kirche in Ost und West repräsentieren, zu einem großen Fest nicht nur der Katholiken, sondern aller Christen in dieser Stadt.

 

Ich möchte noch einmal anknüpfen an meine Predigt im gestrigen Festgottesdienst, wo ich leider feststellen musste, dass wir zwar eine reiche Stadt sind (die wirtschaftsstärkste in NRW). Gleichzeitig aber die Schere zwischen Arm und Reich immer mehr auseinanderklafft. Die Zahlen, die ich gestern genannt habe, machen mir schon Sorgen: Bonn ist überdurchschnittlich, wenn es um Kinderarmut geht. 20,6 % der Kinder in der Stadt, das sind über 11.000 Kinder leben in Armut. Im bundesdeutschen Durchschnitt sind es 13,2 %, im nordrhein-westfälischen Durchschnitt 18,6 %. Die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss steigt in unserer Stadt und es gibt eine hohe und verhärtete Langzeitarbeitlosigkeit.

 

Deshalb habe ich gestern für die „Freundschaft mit den Armen“ geworben. Dabei weiß ich auch, dass wir auf weiten Strecken nicht eine Kirche der Armen für die Armen sind, sondern eine reiche Kirche für die Wohlhabenden.

 

Sie werden mich vielleicht kritisch fragen, du wirbst für eine Freundschaft mit den Armen und gleichzeitig stehst du vor einer Generalsanierung des Bonner Münsters, die zurzeit mit rund 20 Millionen Gesamtkosten prognostiziert wird. Das ist zuerst einmal kein Widerspruch; denn der Erhalt dieses Gebäudes ist kein Selbstzweck, sondern dient den Menschen und nicht nur den Katholiken. Wir wollen das Gebäude sanieren, die für den Erhalt notwendigsten Arbeiten tun und werden uns dabei keinen Luxus erlauben. Eine der großen Aufgaben wird es sein, das Bonner Münster für mobilitätseingeschränkte Personen überall zugänglich zu machen. Hier muss noch viel gedacht werden!

 

Ich werde darüber hinaus, bei den Pfarrern und Gemeinden dieser Stadt werben, dass wir die „Freundschaft mit den Armen“ noch mehr auch in den Fokus unserer Arbeit rücken: Vor Ort geschieht schon eine ganze Menge – vieles wird nicht an die große Glocke gehangen; aber ist sehr effektiv und nachhaltig. Aber da ist noch Luft nach oben.

 

„Freundschaft mit den Armen“ ist vielleicht für Politiker kein Wort, das auf Begeisterung stößt. „Option für die Armen“ könnte da schon eher eine Maxime politischen Handelns werden. Jeder Euro, der in Arme, besonders in Kinder und Jugendliche investiert wird, ist eine nachhaltige Investition.

 

Nach meiner Predigt gestern Morgen wurde ich von Mitgliedern des Stadtrates darauf angesprochen, die kritisch anmerkten, dass den Finanzpolitiker der Fraktionen oft der konkrete Bezug zur alltäglichen Realität der Menschen in dieser Stadt fehle.  Ich stimme dem Kommentator der Bonner Rundschau von heute Morgen zu, der den Stadtrat in der Pflicht sieht. Ich würde es sehr begrüßen, wenn bei den kommenden Haushaltsberatungen die „Option für die Armen“ ein durchlaufendes Motiv für die Entscheidungen wird, damit das Wort von Papst Franziskus sich nicht bestätigt "die Zukunft der Armen in den Städten ist noch mehr Armut".

 

Es würde mich sehr freuen, wenn ich Sie bei diesen Bemühungen an meiner, an unserer Seite wissen würde.

 

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