Ostermontag, Predigt, Msgr. Bernhard Auel

17. April 2017; Bernhard Auel

Predigt von Msgr. Bernhard Auel am Ostermontag, 17. April 2017, im Bonner Münster

 

Liebe Schwestern; liebe Brüder, das Evangelium der beiden Jünger auf dem Weg nach Emmaus ist eine Weggeschichte. Glaube ist nicht einfach da, Glaube braucht Wege, braucht Zeit, braucht Erfahrungen, geht nicht ohne Fragen, ja, auch nicht ohne Enttäuschungen. Das galt nicht nur für die beiden Emmausjünger, das gilt auch für uns. Vollmundig sagen, dass ich die Auferstehung glaube, wird mir nicht unbedingt abgenommen, und wenn es darauf ankommt, diesen Glauben dann zu bezeugen, wenn ich herausgefordert bin durch schmerzliche Ereignisse, sind da womöglich doch auch Zweifel, Hilflosigkeit, Enttäuschung auch bei mir. Was soll ich einer Mutter sagen, deren Sohn nach schwerer Krankheit gestorben ist, gerade in diesen Tagen?

 

Liebe Schwestern, liebe Brüder, am Aschermittwoch haben wir uns miteinander auf den Weg gemacht hin auf dieses Fest. Ein Wort der großen Kirchenlehrerin Hildegard von Bingen hat uns dabei motiviert: „Mensch, gedenke, dass du grünst.“ Und ein Garten hat uns geholfen, die Grünkraft in uns, in mir, neu zu entdecken, dieser Kraft in unserem Leben in den Tagen der Fastenzeit auf die Spur zu kommen. Wie am ersten Fastensonntag möchte ich nun heute noch einmal bei Hildegard lesen, die vor fast 900 Jahren einen Weg gezeigt hat, der heute wieder an Zustimmung und Bedeutung gewinnt. Tatsächlich gehört in ihrem Werk der Begriff der „viriditas – der Grünkraft“ zu den prägnantesten Formulierungen. Damit lässt sich zeigen, wie die natürliche Vernunft im Dienst des Glaubens stehen kann. Vom Erleben der Natur, im Betrachten der Schöpfung bedenkt Hildegard das menschliche Leben und seine Beziehung zu Gott im Glauben. So spricht sie vom „Grün des Fingers Gottes“ und an anderer Stelle: „Gott, der mich erschaffen, der wie ein Herr Seine Gewalt über mich hat, ist auch meine Kraft, weil ich ohne Ihn nichts Gutes zu tun vermag, weil ich nur durch Ihn den lebendigen Geist habe, durch den ich lebe und bewegt werde, durch den ich alle meine Wege kennenlerne.“

 

Sind wir daher wie die Emmausjünger auf dem Weg mit unseren Erfahrungen, positiven wie negativen, kann uns der auch für Hildegard – wie wir wissen – oft herausgeforderte Glauben helfen. Unter Berufung auf einen Vers aus der Leidensgeschichte bei Lukas (23,31) bezeichnet sie den Sohn Gottes als das grüne Holz, weil er alle Grünkraft der Tugenden hervorbrachte. Jesus hatte auf seinem Kreuzweg zu den Frauen, die ihm begegneten, gesagt: „Wenn das mit dem grünen Holz geschieht, was wird dann erst mit dem dürren werden?“ In einem Gebet, das Hildegard Christus selbst in den Mund legt, betet sie daher:

 

„Im Anfang grünten alle Geschöpfe,

es blühten die Blumen zur Mitte der Zeit;

dann aber verdorrte die Lebenskraft.

 

Vater, ich bin ja dein Sohn!

Sieh mit der Liebe her auf mich,

mit der du mich sandtest in die Welt.

Betrachte die Wunden,

durch die ich die Menschen

nach deinem Auftrag erlöste.

Erbarme dich ihrer und lasse nicht zu,

dass aus dem Buche des Lebens

ausgetilgt werde ihr Name!

 

Durch das Blut meiner Wunden

hole sie in der Reue

wieder zu dir zurück.

 

Ihr Menschen alle, beugt jetzt die Knie

vor euerm Vater, damit er euch

reichen kann seine hilfreiche Hand!“

 

In einem anderen Gebet gibt Hildegard gewissermaßen ihre Antwort. Damit möchte ich schließen und uns einladen, auf dem Weg des Glaubens die Ermunterung Hildegards auch nach Ostern nicht zu vergessen, wenn sie uns zuruft: „Mensch, gedenke, dass du grünst.“ Sie betet:

 

„Erlöst durch das Blut des Gotteslammes

lasst uns von ganzem Herzen frohlocken,

uns freuen aus ganzer Seele in dir,

dreifaltiger Gott, der uns erhält.

Wir wollen gedenken des himmlischen Lohns

für alle Leiden und Nöte,

die uns die Feinde der Wahrheit bereitet.

Sie gelten uns nichts

im Vergleich zu der Freude,

mit der wir deine Gebote verkosten.

Wer die Werke der Heiligkeit wirkt,

umfängt dich in wahrer, vollkomm'ner Liebe;

den Liebenden gibst du ja alle Güter

und schenkst ihnen schließlich

das ewige Leben.

 

0 Christus, so herrlich und überaus schön,

du bist die Auferstehung zum Leben.

Hilf uns, beharrlich zu bleiben,

um mit dir uns zu freuen.

Lass uns doch niemals getrennt sein von dir!“ - Amen.

 

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