Ostermontag, Predigt von Msgr. Bernhard Auel

2. April 2018; Bernhard Auel (Bernhard Auel )

Eammus

Predigt von Msgr. Bernhard Auel (Subsidiar am Bonner Münster) am Ostermontag, 2. April 2018, in der Remigius-Kirche. Manuskript. Es gilt das gesprochene Wort.

 

Liebe Schwestern, liebe Brüder,

„es gehört für uns zum Schwierigsten, über die Auferstehung zu meditieren, vielleicht deswegen, weil diese unserer Erfahrung am fernsten liegt“, so sagte es der der große geistliche Autor, Bibelwissenschaftler und Bischof Carlo Maria Martini. Wie soll das auch anders sein? War es nicht schon für die beiden, die da auf dem Weg nach Emmaus waren, nur schwer zu verstehen? Lukas beschreibt in seinem Evangelium ihren langen Weg von der Enttäuschung und Ratlosigkeit hin zum Glauben.

 

Und heute? Die Diskussion um das, was zu Deutschland gehört und was nicht, ist jedenfalls für mich auch ein Zeichen dafür, dass wir mit dem, was wir da in diesen Tagen feiern, oft nicht mehr viel anfangen können. Wir können es nicht erklären, und wenn wir es versuchen, werden wir immer seltener verstanden. Ich halte es für zu einfach, mit Schlagworten und Twittersprüchen schon griffige Antworten zu finden. Es braucht mehr, tragfähige Argumente. Und vielleicht ist es im Blick auf unseren Glauben gar nicht ausschlaggebend, ob etwas zu Deutschland gehört oder nicht, sondern, ob es zum Menschen gehört. Den christlichen Glauben bezeugen müssen Christen. Das freilich gilt für einen jeden, eine jede von uns, ganz gleich ob wir als Privatpersonen gemeint sind oder als Verantwortungsträger in der Öffentlichkeit. Für alle gilt: „Christ nennt sich von Christus. Sein Wesen steht und fällt mit dem Wesen Christi“ (Hans Urs von Balthasar).

 

Liebe Schwestern, liebe Brüder, die Tatsache, dass Ostern in der Kirche nicht nur an einem Tag gefeiert wird, sondern 50 Tage lang bis hin zum 50. Tag, denn so heißt übersetzt Pfingsten, diese Tatsache kann uns heute am zweiten Ostertag helfen wie den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus, gewissermaßen Schritt für Schritt in den Glauben hinein zu wachsen. Vielleicht geschieht dann auch für uns, dass wir sagen können „Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss?“ (Lk 24,32).

 

Dass dies auch heute möglich ist, beschreibt der gestern schon zitierte Salzburger Erzbischof Franz Lackner in seinem Buch „Kaum zu glauben“. Als Jugendlicher habe er den Bezug zu Kirche und Glauben verloren, ohne Kontakt zur Religion gelebt. Später dann als UNO-Soldat auf Zypern sei er wieder zum Denken gekommen, und das habe ihn bei den einsamen Wachgängen zum Lesen der Heiligen Schrift geführt. Das habe ihn so sehr getroffen, dass er einen Priester gefragt habe, was er tun solle. Dessen Antwort sei gewesen: „Gib Gott in deinem Leben eine Chance“. Seine Feststellung danach: „Der Glaube lebt von kleinen Wagnissen, die wir eingehen, nicht von großen Aktionen“.

 

Wenn wir beiläufig von Glauben sprechen, klingt darin viel Unsicherheit an. Wir wissen es eben nicht genau. Mi solcher Schwäche umgehen zu können, gehört zum Glauben. Tomáš Halík nennt in seinen Büchern den Zweifel Bruder des Glaubens. Wie die beiden Jünger auf dem Weg nach Emmaus im Gespräch mit dem Unbekannten immer hellhöriger wurden, immer mehr verstanden, und wie sie dann im Zeichen des Brotbrechens den Herrn erkannten, da änderte sich ihr Leben, da brachen sie auf, um es den anderen zu berichten. Sie hatten zum wahren Glauben gefunden, zu dem Glauben, der sie sich festhalten ließ am Herrn. Sie bekennen: Der am Kreuz gestorben ist, er lebt, von ihm „geht ein Licht aus für alle, die an ihn glauben und sich ihm anvertrauen“ (Theo Schmidkonz).

 

Franz Lackner ist „fest überzeugt, dass die allgemeine Glaubensschwäche unserer Zeit damit zusammenhängt, dass wir so viel wissen – und dieses Wissen nicht als ein Zeichen, welches auf Gott hinweist, zu verstehen mögen“. Das lässt uns beten:

 

„Herr Jesus,

Du hast vom Vater

den Geist des neuen Lebens empfangen,

damit auch wir in Dir,

der Du aus Liebe zu uns gestorben bist,

die Kraft des Trösters empfangen

und in Dir lebendig werden.

Die Begegnung mit Dir, dem Auferstandenen,

hat das Herz und das Leben

der ersten Zeugen

unseres Glaubens verwandelt:

Hilf, dass auch wir

Dir in dieser Weise begegnen

und uns von der Verkündigung und dem Geschenk

Deines Mysteriums der Auferstehung

und des Lebens im Geist

erreichen und verwandeln lassen,

um in Dir, dem Sohn,

Söhne zu sein

und Teilhaber an der grenzenlosen Freude der ewigen Liebe.

Komm, Herr Jesus!“

(Bruno Forte).

   

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