Ostern, Predigt von Msgr. Bernhard Auel

1. April 2018; Bernhard Auel (bernhard.auel@erzbistum-koeln.de)

Osterdarstellung im Bonner Münster

Predigt von Msgr. Bernhard Auel (Subsidiar am Bonner Münster) an Ostern, 1. April 2018, in der Remigius-Kirche. Manuskript. Es gilt das gesprochene Wort.

  

Liebe Schwestern, liebe Brüder,

„Credo – ich glaube“, so beginnt gleich wieder das Glaubensbekenntnis. Auf eine Kerze hat im Kölner Karmel Schwester Mirjam dieses Wort „Credo“ eingeschrieben. Immer wenn bei einem diese Kerze steht und ihr Licht spendet, ruft sie ihm das Geheimnis des Glaubens in Erinnerung. Glauben, ja, was heißt das, was bedeutet das für mich, für Sie, für jeden, für jede von uns heute am Ostermorgen? Die Zugänge sind sicherlich ganz unterschiedlich, so unterschiedlich wie wir Menschen sind.

 

Vor wenigen Wochen durfte ich den erwachsenen Taufbewerbern im Gottesdienst das Glaubensbekenntnis überreichen. Über lange Zeit hatten sie sich vorbereitet, um jetzt in den Ostertagen das Sakrament der Taufe zu empfangen. Sicher, sie haben den Text in die Hand bekommen, ans Herz gelegt. Aber heißt das schon, dass sie nun glauben? Kann man den Glauben denn besitzen, haben wie einen Gegenstand? Wohl kaum. Ich stimme da eher dem tschechischen Theologen und Philosophen Tomáš Halík zu, der behauptet Glauben ist ein „Weg, der Geduld und Mut erfordert“. Glauben ist für ihn immer ein „verwundeter Glaube, der wie der auferstandene Christus die Wunden des Kreuzes trägt, der von den Schwierigkeiten und Paradoxien des Lebens weiß“.

 

Einen anderen Zugang entdeckte ich in einem Buch. Der Titel „Kaum zu glauben“. Der Salzburger Bischof, Franz Lackner, schaut darin auf den Weg seines Glaubens, der viele Etappen und Ziele kannte, „mehrmals wähnte ich mich angekommen“, schreibt er, „meine Wege waren meist Umwege, zuweilen auch Sackgassen. Unvermögen, zeitgeistiges Mitlaufen, auch Schuld säumen diese.“ Zuerst war er Elektriker, dann arbeitslos, dann Berufssoldat, im Einsatz bei der Uno auf Zypern, dann Franziskaner und Priester, Philosophieprofessor, schließlich Weihbischof in Graz, seit fünf Jahren Erzbischof in Salzburg. Er schreibt: „Die schon recht lange Wegstrecke meines Lebens enthält einige unerwartete Wendungen. Diese lehren mich offen zu bleiben für die Überraschungen Gottes. Die größte von ihnen ist wohl die Auferstehung – endgültige Wende des Lebens. Eines ist gewiss: Großes kündigt sich Glaubenden an“.

 

Ich bin der Überzeugung, dass zu allen Zeiten der Glaube nichts Selbstverständliches war, heute wie schon vor 2000 Jahren. Im Evangelium lesen wir zwar, dass Johannes, „der andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hineinging, sah und glaubte“. Aber schon der nächste Satz belegt, dass dies noch nicht der Glaube war, von dem wir im Glaubenskenntnis sprechen. Der Evangelist schreibt: „Sie wussten noch nicht aus der Schrift, dass er von den Toten auferstehen musste“.

 

Der schon einmal zitierte Tomáš Halík schreibt: „Wenn man die ersten Worte des Glaubensbekenntnisses sowohl im Griechischen als auch im Lateinischen, also in der Mutter- und der Vatersprache der Kirche, genau übersetzt, könnten sie auch so klingen: Ich glaube auf Gott hin. Es handelt sich dabei um eine Richtungsbezeichnung, um die Kennzeichnung eines Weges, einer Bewegung: Ich glaube, und durch meinen Glauben trete ich in das Geheimnis ein, das Gott genannt wird“.

 

Liebe Schwestern, liebe Brüder, all diese Überlegungen sind heute für mich geradezu treffend gedeutet durch die Messkomposition, mit der unser Münsterchor diesen festlichen Ostergottesdienst mitgestaltet, durch die so genannte große Credomesse von Wolfgang Amadeus Mozart, die dieser 1776 zu einer Bischofsweihe im Salzburger Dom geschaffen hat.  Den Namen „Credomesse“ trägt sie wegen der besonders ausführlichen Behandlung des Glaubensbekenntnisses.

 

Mozart lässt Chor und Solisten nicht weniger als 64-mal ein fröhliches „credo – ich glaube“ rufen, meist in forte, als mit aller Kraft, manchmal piano wie ein Echo. Immer wieder vor den einzelnen Glaubensartikeln erklingen diese Credorufe. So kann uns die Musik helfen, immer mehr auf Gott hin zu glauben. Mein Vorschlag: hören wir ganz bewusst hin, wenn der Chor dieses Credo singt. Wer im Gotteslob den Text unter der Nummer 586 dazu aufschlägt, kann die Intensität dieses Wegs durch den Glauben hin zu Gott versuchen persönlich nachzugehen.

 

Abschließend ein letzter Zugang zum Thema. Der Tod und das Begräbnis von Kardinal Lehmann haben viele Menschen in unserem Land bewegt, auch bei uns. In seinem geistlichen Testament schrieb er: „Die Erneuerung muss tief aus Glaube, Hoffnung und Liebe kommen. Deshalb rufe ich allen die Worte meines Wahlspruchs zu, die vom Heiligen Paulus stammen, und mir immer wichtiger geworden sind: „Steht fest im Glauben!“

 

Nehmen wir uns das zu Herzen, wenn jetzt der Chor das große Glaubensbekenntnis aus der Credomesse stellvertretend für uns alle singt. Stimmen wir darin ein mit unserem Herzen. „Credo – ich glaube“. – Amen.

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