Osternacht, Predigt des Stadtdechanten

27. März 2016; Wilfried Schumacher (presse@katholisch-bonn.de)

Predigt des Stadtdechanten von Bonn, Msgr. Wilfried Schumacher, an Ostern, 27. März 2016, im Bonner Münster - Manuskript

  

„Mach Ostern zu Deinem Fest“ – Mit diesem Werbeslogan warb in den letzten Wochen ein großer Lebensmitteldiscounter für seine Produkte, die man für das Osterfest kaufen sollte. „Mach Ostern zu Deinem Fest“ – das trifft auf Sie, liebe Taufbewerberin, liebe Taufbewerber gewiss zu. Das heute ist Ihr Fest. Sie werden getauft, gefirmt und gehen zur Ersten Heiligen Kommunion. Damit machen Sie uns allen ein großes Geschenk. Uns allen, die wir getauft und gefirmt sind. Diese Selbstverständlichkeit wird uns dadurch neu bewusst.

 

Heute Morgen laden uns die Frauen ein, mit ihnen zum Grab zu gehen. Auf drei Dinge möchte ich hinweisen, die für Sie, die für uns als Christen wichtig sind:

 

1. Das Sakrament wider die Angst

 

Das erste, was von den Frauen gesagt wird angesichts des leeren Grabes: Sie sind ratlos und starren zu Boden. Das hatten sie nicht erwartet. Tot ist tot. Grab ist Grab. Aber das, was hier jetzt ist, das verstehen sie nicht. Es macht ihnen Angst.

 

Das Neue, das Ungewohnte, das Fremde verwirrt uns auch uns, erschüttert uns, macht uns Angst. Die Welt scheint aus den Fugen geraten zu sein. Millionen Menschen sind auf der Flucht. Einige Zehntausend stehen auch vor unserer Tür. Das macht vielen Menschen Angst.

Auch die islamistischen Terroristen schüren die Angst. Ihr eigentliches Ziel sind nicht Flughäfen oder Metrostationen, sondern die Köpfe und Herzen der Menschen. Ihr Ziel ist die Angst und die schleichende Veränderung der Herzen.

 

Sie erreichen ihr Ziel, wenn die Gewalt, die durch die Terroristen mit dem Islam in Verbindung gebracht wird, die Flüchtlinge ein zweites Mal trifft mit Vorurteilen und Hass. So wollen sie unsere Gesellschaft destabilisieren.

 

Ihre Taufe, unsere Taufe ist ein Sakrament wider die Angst: „Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ lautet der Taufbefehl Jesu. Ich bin bei Euch alle Tage bis zum Ende der Welt! – Das ist das Versprechen wider die Angst. „Fürchtet Euch nicht“, heißt es immer wieder in der Schrift. Fürchte Dich nicht – sagen die Mütter zu Ihren Kindern, sagen Liebende zueinander.

 

2. Sakrament der Erinnerung

 

Die Botschaft, die die Frauen von den Engeln am Grab hören, ist für sie auch zuerst einmal unverständig: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden.“

 

Der jüdische Glaube kannte zwar die Auferstehung der Toten am Ende der Zeiten. Das neue Leben war mit dem Anbruch einer neuen Welt verbunden und war so auch durchaus verstehbar: Wenn es eine neue Welt gibt, dann gibt es dort auch eine neue Weise des Lebens. Aber eine Auferstehung mitten in der weitergehenden alten Welt war nicht vorgesehen und daher zunächst auch nicht verstehbar.

 

Aber die Frauen folgen dem Rat der Männer in weißen Gewändern und sie „erinnern“ sich. Erinnerungen brauchen oft einen solchen Auslöser, damit sie wieder zugänglich werden. Die Erinnerungen holen die erlebte Zeit aus dem Vergessen zurück und wiederholen sie doch zugleich in neuer, anderer Weise. Erinnerungen sind nichts Vergangenes, sondern lebendige Erfahrungen, die offen sind für neue Sichtweisen aus der Zukunft. Erst durch unsere Lebenserfahrungen und die Tatsache, dass wir diese auch erinnern können und somit Zugriff auf sie haben, werden wir zu Persönlichkeiten und bekommen eine Lebensgeschichte. Ohne Erinnerung bestände unser Lebensbuch aus leeren Seiten.

 

Die Erinnerung hilft den Frauen am Grab zu verstehen, was da geschehen ist, und macht ihnen Beine, denn in Erinnerungen liegt eine besondere Kraft. Sie können verkünden, was sie erlebt und für sich erkannt haben: Die Eucharistie, die Sie heute zum ersten Mal empfangen werden, ist das Sakrament der Erinnerung. In ihm wird lebendig, was wir von diesem Jesus wissen, von seinem Leben, seinem Tod und seiner Auferstehung.

 

3. Sakrament der offenen Herzen

 

Das dritte, was die Frauen erleben an diesem Ostertag in Jerusalem: Die Apostel halten das, was in ihnen geschehen ist und was sie berichten für Geschwätz. Sie glauben ihnen nicht. Das werden Sie auch erleben! Das kennen alle in der Gemeinde. Wir werden Menschen begegnen, mit Menschen zusammenleben, die, das, was wir glauben, was uns heilig ist, für leeres Geschwätz halten. Mehr noch, die das, was wir glauben, was uns heilig ist, missachten! Das ist für viele ein Grund zu resignieren, sich zurückzuziehen, zu schweigen.

 

Das Sakrament der Firmung, das ich Ihnen gleich spenden darf und das wir alle empfangen haben, ist ein Sakrament wieder die Resignation und Verzagtheit. Es ist ein Sakrament der offenen Türen und offenen Herzen! Es ist ein österliches Sakrament, denn der Geist Gottes kam auf die Jünger herab, die sich aus Furcht verbarrikadiert und die Türen verschlossen hatten. Der Geist Gottes öffnet die Türen und die Herzen zu den Menschen, auch dann, wenn sie nichts von Christus wissen wollen.

 

Sie werden Ihre Taufkerzen gleich an der Osterkerze entzünden. Die Osterkerze schmückt ein großes Goldstück. Es erinnert an das Goldstück auf dem Fastentuch, das uns die übergroße Barmherzigkeit Gottes symbolisierte.

 

Ihnen wird dieses österliche Licht anvertraut, so wie wir alle es in unseren Händen halten. Seien sie barmherzige Menschen, denn barmherzige Menschen sind wie Goldstücke. Sie bringen Sonne in den Alltag und in das Leben der Menschen.

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