Taufe des Herrn, Predigt

8. Januar 2017; Wilfried Schumacher

Predigt des Stadtdechanten von Bonn, Msgr. Wilfried Schumacher, am Fest der Taufe des Herrn, Sonntag, 8. Januar 2017 (Ende der Weihnachtszeit) im Bonner Münster

  

Weihnachten ist vorbei. Die Könige sind heimgezogen, Herodes ist gestorben, die Hirten kennen die Ereignisse nur mehr von den Erzählungen der Alten, Maria und Josef haben sich mittlerweile in Nazareth niedergelassen und führen dort ein rechtschaffenes Leben. Heute begegnet uns der erwachsene Jesus in der Liturgie.

 

Auch wir haben uns wieder dem Alltag zugewandt: Arbeit, Arztbesuche, Geschäftliches, morgen beginnt wieder die Schule, ein neues Kalenderjahr hat begonnen. – Die Lichter an den Weihnachtsbäumen brennen heute zum letzten Mal und auch die Stadtkrippe wird morgen abgebaut. Die Karnevalisten haben schon ihr Prinzenpaar proklamiert. Was bleibt von Weihnachten? Was nehmen wir mit?

 

Das heutige Fest ist wie eine Zusammenfassung der letzten Wochen, ein großer Schlussakkord und zugleich wie eine Ouvertüre. Verbinden wir unsere Gedanken mit drei Wünschen für dieses Jahr, das noch am Anfang steht.

 

1. Gott mit uns

 

Schauen wir auf die Szene am Jordan. Zu Hunderten sind die Menschen gekommen, um sich taufen zu lassen von Johannes, dem großen Prediger der Wüste. Menschen aus wohl ganz unterschiedlichen Gegenden, mit ganz unterschiedlichen Erwartungen und auch Hoffnungen.

Jesus reiht sich ein in die Schar – so, als ob er sagen wollte: Ich bin einer von euch. Ich kenne euch. Ich kenne auch eure Hoffnungen, eure Grenzen, eure Abgründe und eure ganz persönlichen Bitten. So, als ob er sagen wollte: Ja, ich weiß um eure Gebrechlichkeit.


Ich weiß um das Leid, das oft unaussprechliche und unverschuldete Leid, sei es durch Unterdrückung, durch Ungerechtigkeit oder durch Katastrophen so gekommen. Ja, ich weiß, dass eure Gebete eigentlich die oft einzigen Mittel waren und sind, um aus diesem Leid, aus dieser Trauer, oder auch dieser Hoffnungslosigkeit herauszukommen. Ja, ich weiß, wie oft ihr alle unterwegs seid und Ausschau haltet, nach Gesundheit, nach Heilung, nach Wunder, nach Frieden, Freude und Glück.

 

Jesus, der Herr, reiht sich ein unter uns Menschen: Ein großartiges Bild der tiefen Solidarität Gottes mit den Menschen. Hier wird schon deutlich, was der Engel dem Josef im Traum gesagt hat: Sein Name wird sein Immanuel – Gott mit uns!

Ich wünsche Ihnen, dass dieses Mit-sein Gottes in diesem Jahr immer wieder erfahren.

 

2. Lass es nur zu

 

Jesus kommt zu Johannes, um sich taufen zu lassen. Aber der Täufer wehrt ab: „Ich müsste von Dir getauft werden“. Der Täufer repräsentiert den logisch denkenden Menschen, der klar erkennt, eigentlich müsste es umgekehrt sein.

 

Wie kann sich Jesus von mir taufen lassen. Gewiss darüber kann man lange spekulieren, aber statt lange Diskussion zu führen, sagt Jesus, fast zärtlich: „Lass es nur zu!“

Das Wort schmeckt einem logisch denkenden Menschen nicht, denn es nimmt uns das Heft aus der Hand. „Geschehen lassen“, wo wir doch am liebstes alles selbst bestimmen und nicht gerne über uns verfügen lassen.

 

Das öffentliche Wirken Jesu, das davon bestimmt sein wird, dass dieser umherzog, Gutes tat und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren, wie Petrus in seiner Predigt sagt; beginnt damit, dass Gottes Wille erfüllt wird und dies geschieht im Zulassen.

 

Ich habe eine gute Freundin, die sich nichts sehnlicher wünschte als ein Kind. Alle Bemühungen blieben im wahrsten Sinne fruchtlos – erst als sie und ihr Mann sich dazu durchringen konnten, nicht mehr den eigenen Willen voranzustellen, sondern es Gottes Willen zu überlassen, wurde die Frau schwanger.

 

Vielleicht kennen sie ähnliche Beispiele aus Ihrer Biografie oder aus dem Leben Ihrer Freunde und Bekannte. Wenn wir unseren eigenen Willen lassen, und Gottes Willen zulassen, verändert sich unser Leben, wird das Heil möglich.

 

Ich wünsche Ihnen, dass es Ihnen gelingt, sich dem Willen Gottes zu öffnen, ihn zuzulassen.

 

3. Hoffnung statt Optimismus

 

Auf einer griechischen Ikone wird die Taufe Jesu im Jordan dargestellt. Man sieht eine enge Schlucht ab. Zwischen zwei schroff abfallenden Felsen erscheinen in der Tiefe die dunklen, fast schwarzen Fluten des Jordan. In diesen Schlund taucht Jesus ein, gleichsam in die dunkle Tiefe unserer Welt.

 

Dorthin ist der Sohn Gottes hinabgestiegen. Er hat die dunkle Realität unseres Lebens und unserer Welt mit all ihrer Zerrissenheit und Bodenlosigkeit mit Haut und Haaren angenommen. Jesus wird getauft mit den Wassern dieser Wirklichkeit. Mit allen Wassern dieser Welt wird er gewaschen, indem er eintaucht in die Abgründe dieses Lebens.

 

Aber er taucht nicht nur hinab, sondern er steigt auch wieder hinauf. „Kaum war Jesus getauft und aus dem Wasser gestiegen, da öffnete sich der Himmel!“ Die Taufe, jede Taufe ist ein Augenblick der Hoffnung. Der offene Himmel ist kein Augenblicksereignis, sondern ist die Zusage an den getauften Jesus, an jeden Getauften: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.“

 

Papst Franziskus unterscheidet sehr fein zwischen Optimismus und Hoffnung. Er sagt: „Die christliche Hoffnung ist nicht einfach nur eine Sehnsucht, ein Wunsch, sie ist kein Optimismus.“[1]Optimismus ist für ihn eine psychologische Haltung. Die Hoffnung dagegen sei kreativ, „sie ist in der Lage, Zukunft zu schaffen.“[2] „Für einen Christen ist die Hoffnung Erwartung: […] Erwartung, dass jemand bald kommt: Es ist Christus, der Herr, der uns immer näherkommt, Tag für Tag, und der kommt, um uns endlich in die Fülle seiner Gemeinschaft und seines Friedens einzuführen.“[3]

 

Ich wünsche Ihnen, dass der Himmel immer für Sie offen bleibt und dass das Wort: „Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter“ für Sie zur Quelle Ihrer Hoffnung wird.

 



[1] Papst Franziskus 15.10.2014
[2] Papst Franziskus 22.9.2013
[3] Papst Franziskus 15.10.2014

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