Zweiter Advent, Predigt

9. Dezember 2014; Schumacher, Wilfried

Predigt des Stadtdechanten von Bonn, Msgr. Wilfried Schumacher, am 2. Advent, Sonntag, 7. Dezember 2014, im Bonner Münster

 

Hotels bieten Komfortzimmer, Autos werben mit Fahrkomfort, Möbel gibt es mit Sitzkomfort und selbst der Kabelanschluss wird mit Komfort HD angeboten. Komfort, das bedeutet Bequemlichkeit, Annehmlichkeit, Freude. Komfort muss man sich allerdings auch leisten können.

 

„Comfort ye“, so beginnt Händels Messias, der den heutigen Lesungstext in seinem Eingangschoral vertont. Comfort ye – übersetzt: „Tröste dich!“ Man könnte auch das Sprachspiel wagen: Leiste Dir den Komfort des Trostes!

 

Trost – was ist das überhaupt:  Trost bedeutet zuerst einmal: da nimmt mich jemand ernst, meinen Kummer, meinen Schmerz, meine Tränen berühren ihn, weil ihm etwas an mir liegt. Da hört mir jemand zu, da nimmt mich jemand in den Arm, da weint jemand mit mir, da teilt jemand meinen Schmerz, da sagt mir jemand ein gutes Wort.

 

Es gibt so viele Trostlosigkeiten im Leben: nicht nur der Verlust eines Menschen, nicht nur der Bruch einer Beziehung, nicht nur ein großer Schmerz. Es gibt den Schmerz der Kinder, die Enttäuschung des Freundes, das Mobbing am Arbeitsplatz, das Gefühl, zu versagen in der Schule, im Studium, im Beruf. Menschen erleben tiefe Niedergeschlagenheit, Depressionen, Traurigkeit, die sich wie Mehltau über das Leben legt.

 

Es gibt so viele Trostlosigkeit im Leben, da ist Trost gefragt. Und wir wissen: wichtiger als eine besondere Tat oder ein kluger Rat ist die Gegenwart eines besorgten Menschen. Wenn jemand uns in einer solchen Situation sagt: „Ich weiß nicht, was ich sagen oder tun soll, aber du darfst wissen, ich bin bei dir und lasse dich nicht im Stich“, dann haben wir einen Menschen gefunden, durch den wir Trost erfahren.

 

1. Gott tröstet

Die erste Botschaft des heutigen Sonntags ist: Gott kennt die Trostlosigkeit des Menschen und weiß, dass wir der Tröstung bedürfen: der Herr selbst nennt den Heiligen Geist, den „Tröster“ (Joh 14,16), Paulus spricht im im Römerbrief vom "Gott der Geduld und des Trostes"(Römer 15,5).

 

Das war schon so im Alten Testament. Als das Volk 70 Jahre lang fern ab der Heimat im Babylonischen Exil im saß, wurde in dieser Situation hinein ein Prophet gesandt mit der Botschaft: Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott.

Trostvolle, fast schon zärtliche Worte!

 

Was ist das für ein Gott, der so zu den Menschen spricht?

Er selbst gibt die Antwort: Wie ein Hirt führt er seine Herde zur Weide, er sammelt sie mit starker Hand. Die Lämmer trägt er auf dem Arm, die Mutterschafe führt er behutsam.

 

Das ist die Frohbotschaft, die wir an Weihnachten feiern: Gott ist nicht der Ferne geblieben, er hat sich in Jesus darauf eingelassen, solidarisch mit uns zu leben, unsere Freude und Leiden, die Last des Lebens mit uns zu teilen.

 

Ja, er ist der Trost der ganzen Welt, nicht der Gott der schnellen Antwort und Lösung. Trost, das wissen wir alle, bedeutet auszuharren, zuzuhören, mit dem anderen die Schwäche und Ohnmacht zu teilen. Je mehr ich darüber nachdenke, je mehr wird mir bewusst, was es bedeutet, wenn dieser menschgewordene Gott den Namen „Immanuel“ trägt, „Gott ist mit uns“. Gott harrt bei mir aus in allen Trostlosigkeiten meines Lebens.

 

2. Wir sind eingeladen, einander zu trösten

Aber es gibt noch eine zweite Botschaft: das Evangelium stellt uns heute Johannes den Täufer vor. Seine Mission war es, einem anderen den Weg zu bereiten. Kraftvoll steht er an diesem Sonntag in der Szene unserer Stadtkrippe und predigt den Menschen in unserer Stadt, besonders jenen, die wir am vergangenen Sonntag in unheilen Situation gesehen haben.

 

Auch wir 
eingeladen Wegbereiter Jesu Christi 
und Rufer in der Wüste zu sein -
Rufer in den Wüsten
von Lieblosigkeit und Gleichgültigkeit,
Sprachlosigkeit und Oberflächlichkeit,
Ungerechtigkeit und Ausgrenzung,
Hass und Neid, Streit und Gewalt.

 

Auch wir sind eingeladen, uns den Komfort des Trostes zu leisten. Schaut man im Lexikon nach, dann wird das englische Comfort übersetzt mit: trösten, ermutigen, beruhigen, erfreuen, laben, ermuntern.

 

Das könnte schon fast ein Programm sein für die zweite Adventswoche. Ausschau zu halten nach denen, die den Trost nötig haben. Sie trösten, ermutigen, beruhigen, erfreuen, laben, ermuntern.

 

So werden wir Wegbereiter der Erlösung
und Hoffnungsboten. So können wir den Gebeugten neuen Lebensmut
und neue Hoffnung zu schenken.

Noch schöner wäre es, wenn das „comfort ye“ wie bei Händels Messias der „cantus firmus“ unseres Lebens würde.

 

Leisten wir uns den Komfort, den Trost Gottes zu erfahren und einander zu trösten. Amen.

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