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Das Land der aufrechten Menschen

In den Massenmedien lernen wir heute alles darüber, wie Afrikaner sterben, aber nichts darüber, wie sie leben. Der katholische Geistliche und Entwicklungshelfer Pirmin Spiegel erklärt, warum ein Perspektivwechsel bei der Arbeit vonnöten ist. Und warum man in die eigenen Kräfte vor Ort investieren sollte.

„In den Massenmedien lernen wir heute alles darüber, wie Afrikaner sterben, aber nichts darüber, wie sie leben.“ Das hat Henning Mankell, der schwedische Krimiautor und Afrikakenner, schon 2006 in der „ZEIT“ (12.01.2006) angemerkt. Viel hat sich daran nicht verändert.

 

Noch häufig wird das Bild Afrikas durch die „5 K“ geprägt: Krisen, Kriege, Katastrophen, Krankheiten, Korruption. Wir schauen in ein schwarzes Loch, in dem es keine Hoffnung gibt. Und in der Tat, es wird noch immer zu viel gehungert, gedürstet und gestorben in diesem an Möglichkeiten so reichen Kontinent. Es geht häufig noch schlicht um Leben und Tod.

Wie in der Geschichte von Lazarus. Nach vier Tagen liegt der Geruch des Todes in der Luft und Tränen und Vorwürfe. Jesus ist innerlich erregt. Er nimmt die Perspektive der Trauernden ein. Er schaut ins Grab. Doch dann winkt er nicht ab. Er sagt nicht: „Nichts mehr zu machen.“ Er wusste sich vom Gott des Lebens erhört und ruft mit lauter Stimme: „Lazarus, komm heraus!“

 

Das ist der entscheidende Perspektivwechsel: Nicht ins Grab schauen, sondern aus dem Grab herauskommen und dem Leben und seinen Möglichkeiten trauen. Genau das geschieht: Der Tote steht auf, blickt ins Licht, kommt aus dem Grab heraus und macht vorsichtige Schritte auf Jesus zu. Der dreht sich mit ihm um, schaut mit ihm ins Licht und bittet die Umstehenden, sich an dieser Auferstehung zu beteiligen: „Löst ihm die Binden und lasst ihn weggehen.“

In dieser Geschichte steckt der wesentliche Perspektivwechsel der Entwicklungszusammenarbeit, die MISEREOR mit den Partnern in Burkina Faso betreibt: Gemeinsam mit den Betroffenen schaut MISEREOR solidarisch auf die dunklen Stellen, auf die scheinbar ausweglosen Situationen.

 

Aber dabei bleibt es nicht. Irgendwann muss man dann die Perspektive wechseln und nicht nur auf das schauen, was nicht geht. Irgendwann muss man auf- stehen, sich umdrehen, ins Licht schauen und aus dem Tod heraustreten. Für diese Arbeit bittet MISEREOR um Ihre Spende.

 

Sie wird investiert in die guten Ideen der Menschen, von denen die Welt voll ist; sie wird in die Entwicklung der eigenen Kräfte gesteckt und in die Möglichkeit, sich „auf der eigenen Matte“ zu entwickeln, wie es die afrikanische Theologin Anne Béatrice Faye nennt. Der Landesname Burkina Faso bedeutet: „Das Land der aufrechten Menschen.“ Wir sollten sie nicht alleine lassen.

 

Pirmin Spiegel

MISEREOR Aachen

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