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Individuelle Begleitung ist notwendig

Der Umgang mit wiederverheiratet Geschiedenen Paaren sei eine Schwachstelle des kirchelichen Handelns gewesen, sagt Stadtdechant Msgr. Wilfried Schumacher. Doch das jüngste Wort der Bischöfe zu Amoris Laetitia lassen ihn aufhorchen.

Der Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen war schon seit langem eine Schwachstelle im kirchlichen Handeln. Das offenbarte auch die große Umfrage, die Papst Franziskus zur Vorbereitung der Familiensynode durchgeführt hat.

 

Als Priester habe ich immer mit den Menschen gelitten, die von einer sehr harten kirchlichen Haltung betroffen waren. Dazu gehören nicht jene, die ihre Partner wechseln wie schmutzige Wäsche und sich damit auch noch brüsten in den bunten Blättchen, die beim Friseur ausliegen. Es waren jene, die unter dem Scheitern ihrer Ehe leiden, oft jahrzehntelang. Jene, die verlassen wurden vom Partner, und jene, die schmerzvoll feststellen mussten, dass sich der gemeinsame Weg nicht fortsetzen ließ. Das mindert nicht meine Hochachtung vor jenen, die es schaffen, das „Ja-Wort“ durch alle Höhen und Tiefen des gemeinsamen Lebens durchzutragen.

 

Papst Franziskus hat vor fast einem Jahr mit seinem Lehrschreiben „Amoris laetitae“ („Von der Freude der Liebe“) einen neuen Weg im Umgang geebnet. Kardinal Marx sagte damals, das Dokument sei „ein großes, auf viele ganz alltägliche Lebenssituationen zugehendes, nicht verurteilendes, sondern einladendes Orientierungsangebot“. Die Aufgabe der Pastoral, die sich aus Amoris laetitia ergebe, sei es, „im Licht der Barmherzigkeit und der Liebe Gottes auf die Menschen individuell zuzugehen und ihnen Begleitung und Gemeinschaft anzubieten, ganz gleich, in welcher Lebenssituation sie sich befinden und ob diese der Lehre der Kirche in allen Aspekten entspricht“.

 

In die gleiche Richtung zielt auch eine Erklärung der deutschen Bischöfe von der vergangenen Woche, die Wege aufzeigt, wie auch wiederverheiratete Geschiedene wieder die Sakramente empfangen können. Das heißt nicht, dass alle Gläubigen, deren Ehe zerbrochen ist und die zivil geschieden und wiederverheiratet sind, ohne Unterscheidung die Sakramente empfangen können. Erforderlich sind vielmehr differenzierte Lösungen, die dem Einzelfall gerecht werden.

 

Hier sind jetzt die Seelsorger gefragt, die die Betroffenen begleiten sollen. Das Dokument handelt nicht nur vom Umgang mit zerbrechlichen Situationen, sondern fordert auch auf zu einer intensiven Begleitung vor und während der Ehe und einer Stärkung der Familie als Lernort des Glaubens. Mich freut diese Entwicklung!

 

Msgr. Wilfried Schumacher
Münsterpfarrer & Stadtdechant

 

>>> Wort der Bischöfe „,Die Freude der Liebe, die in den Familien gelebt wird, ist auch die Freude der Kirche‘ – Einladung zu einer erneuerten Ehe- und Familienpastoral im Licht von Amoris laetitia“

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