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Kein Brief für die Ablage

Nach 50 Jahren ziehen elf Priester eine nicht nur positive Bilanz ihres priesterlichen Dienstes in einem offenen Brief. Dieses Schreiben ist für Msgr. Wilfried Schumacher "Kein Brief für die Ablage"...

Kein Brief für die Ablage

Elf Priester unseres Erzbistums, die am Ende des Monats ihr Goldenes Priesterjubiläum feiern, haben sich jetzt mit einem offenen Brief „Rückblick und Perspektiven“ an den Erzbischof und an die Medien gewandt. Unter ihnen auch Msgr. Prof. Dr. Wolfgang Bretschneider, Subsidiar am Bonner Münster.

 

Als wir uns zum Theologiestudium entschlossen, hatte Papst Johannes XXIII. die Fenster der Kirche überraschend geöffnet. Die Welt staunte und wir fühlten uns bei der Avantgarde einer sich erneuernden Christenheit“, so beginnt der Brief. Ich könnte das genauso formulieren, denn auch für mich war die Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils prägend für meine Entscheidung, Priester zu werden. Die elf Priester sprechen Klartext, wenn sie weiter formulieren: „Leider nahmen später bei Kirchenmännern in Rom und auch im Kölner Bistum die Ängste zu. Eine Art von Bunkermentalität sollte den Glauben sichern.“ Auch hier kann ich nur zustimmen und ich bin dankbar, dass die Mitbrüder so offen aussprechen, worunter viele Priester jahrelang auch gelitten haben.

 

Dankbar stellen die Briefeschreiber fest, dass ihnen die Gemeinden am Ort oft die Kraft gaben, „den Mut nicht zu verlieren.“ Sie klagen nicht nur, „dass die Frage nach Gott bei vielen Menschen hierzulande kein Thema mehr ist“, sondern nennen auch sieben Wegweiser für die Zukunft, denn „die gegenwärtige Krise im Glaubensleben der Kirchen birgt auch Chancen!“ Dazu gehört ihrer Meinung nach „eine Sprache, die heute bei der Verkündigung der biblischen Botschaft wieder aufhorchen lässt“, die Beteiligung der Getauften und Gefirmten an den Leitungsämtern, notwendige Fortschritte in der Ökumene, wie etwa die Möglichkeit der konfessionsübergreifenden Teilnahme an Eucharistie und Abendmahl, ein Umdenken in der Pastoralplanung und die konkrete Erfahrung der Kirche vor Ort statt der Großpfarreien, die sie als „Zumutung“ bezeichnen.

 

Kritisch äußern sie sich zum Zölibat unter einer besonderen Perspektive: „Der Zölibat, verbunden mit dem Leben einer Klostergemeinschaft, vermag große Kräfte freizusetzen; verbunden mit dem „Modell alleinstehender Mann“, führt er immer wieder zu fruchtloser Vereinsamung oder/und hilfloser Arbeitshetze“. Auch hier kann ich nur zustimmen und hoffen, dass dieser Brief nicht in der Ablage des Bischofs verschwindet.

 

Msgr. Wilfried Schumacher
Münsterpfarrer & Stadtdechant

 

>> Der Brief im Wortlaut

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