Glocken

Sie sind die berühmtesten Glocken Bonns und das bedeutendste barocke Geläut: Die Bonner Münster-Glocken. Zu ihrem 260. Geburtstag gibt es eine kleines Glockenfest. Am Donnerstag, 8. Dezember 2016, werden gegen 18.45 Uhr zunächst die Glocken einzeln erklingen, bevor gegen 19.45/19.30 Uhr das Plenum aller acht Münster-Glocken erschallt.

 

Kurfürst Clemens August persönlich weihte am am 8. Dezember 1746 die neuen Glocken der Stiftskirche des Bonner Cassius-Stiftes. Er war auch der Initiator für das neue Geläut, welches damals in unmittelbarer Nähe des Münsters gegossen wurde. Beim Bau der Münsterplatz-Garage wurden noch teile der Gießerei gefunden.

 

Der Guß vor Ort war einerseits notwendig, weil es noch keine Tieflader gab, die solch schwere Teile Transportieren konnten. Immerhin bringt die größte Glocke 3,4 Tonnen auf die Waage. Insgesamt wiegen die acht Glocken aus Bronze fast 10 Tonnen. Doch war das Gewicht nicht der einzige Grund. Glockengießerei war sache der Zünfte und Gilden, die fremde Fachleute nicht in ihr Gebiet ließen. Doch die Stiftsherren wollten einen besonders Guten Gießer gewinnen, nämlich Martin Legros aus Malmedy (heute Belgien). Da das Cassius-Stift ein eigener Rechtsbereich war, konnte er auf diesem Gelände schalten und walten, sehr zum Ärger der einheimischen Kollegen.

 

Allerdings begann mit diesem Geläut der Aufstieg Legros im Rheinland und er wurde immer häufiger angefragt. Zuletzt verliehen ihm die Kölner Bürgerrechte, sodass er dann auch legal im Rheinland weitere Kirchen mit wunderbaren Geläuten austatten konnte. Doch im Bonner Münster gibt es bis heute das einzig noch zusammenhängende Geläut.

 

Die acht Münster-Glocken

  • Glocke 1: Maria und Clemens, gen. Kurfürstenglocke, 3400 kg, Durchmesser: 178 cm, Schalgton: b –2
  • Glocke 2: Cassius und Florentius, Mallusius und Achatius, gen. Stadtpatrone-Glocke, 2400 kg, Durchmesser: 158 cm, Schlagton: c′ –7
  • Glocke 3: Helena-Glocke, 1650 kg, Durchmesser: 139 cm, Schlagton: d′ –7
  • Glocke 4: Donatus und Agatha, 1450 kg, Durchmesser: 132 cm, Schlagton: es′ –5, 
  • Glocke 5: Joseph, 280 kg, Durchmesser: 77 cm, Schlagton: c″ –9
  • Glocke 6: Johannes Nepomuk, 200 kg, Durchmesser: 69 cm, Schlagton: d″ –6
  • Glocke 7: Dreifaltigkeit, 220 kg, Durchmesser: 70 cm, Schlagton: d″ +3 [=es″ –13]
  • Glocke 8: Jesus, Maria und Joseph, 110 kg, Durchmesser: 550 cm, Schlagton: fis″ [=ges″] –5

 

Das Wunder von Bonn

Das ist keinesfalls selbstverständlich, denn während der Kriege wurden viele Glocken zerstört. Der Brand im hölzernen Glockenstuhl wird durch den Kamineffekt im Turm so sehr angeheizt, dass die Glocken schmelzen und der Glockenstuhl völlig zerstört wird. Schon deshalb wurden viele Glocken vorsorglich abgehängt zu Kriegszeiten. Andere Wurden enteignet und auftrund der Materialknappheit zu "Kanonenfutter" verarbeitet.

 

Als die Glocken Weihnachten 1945 wieder in den Münster-Turm gehängt werden sollten, ereignete sich ein schwerer Unfall. Als die Stadtpatrone-Glocke hochgezogen wurde, löste sich das Zugseil und 2,4 Tonnen Bronze rasten zu Boden. Im Normalfall würde eine Glocke zerbrechen. Doch wie durch ein Wunder kam niemand zu Schaden und aus der Glocke brachen nur kleine Splitter heraus. Und seitdem läutetet sie unverändert.

 

Sanierung

Auch das Bonner Münster-Geläut liegt im Fokus der großen Generalsanierung des Bonner Münsters. Der Glockenstuhl muss dringend ausgebessert werden an vielen Stellen. Die Technik bedarf unbedingt der Erneuerung, da es für viele Geräte keine Ersatzteile mehr gibt. Hinzu kommen Fragend der Sicherheit und des Brandschutzes.

 

 Der Bonner Münster-Bauverein hat dazu die Initiative MEIN HERZ SCHLÄGT FÜRS BONNER MÜNSTER ins Leben gerufen. Mit kleinen und großen Spenden kann jeder und jede die Generalsanierung unterstützen und dazu beitragen, dass das Münster noch lange erhalten bleibt und Münster-Glocken noch lange läuten.

 

Die Generalsanierung wird derzeit auf ein Gesamtvolumen von 20,22 Mio. Euro geschätzt. Sie geht mit einer mindestens 2-jährigen Schließung der fast 1000 Jahre alten Basilika einher. Nach einer Umfangreichen 2-jährigen Bau-Analyse werden die Maßnahmen derzeit mit den zuständigen Behörden abgestimmt. Baubeginn soll in der zweiten Jahreshälfte 2017 sein. Dann werden auch die Glocken schweigen.