Erlöst und Befreit

Das Osterfresko im Hochchor des Bonner Münsters

von Wilfried Schumacher, Münster-Pfarrer


Kaum einer kennt das große Oster-Bild im Bonner Münster. Hinter dem Triumphbogen verborgen sieht man das Gewölbe vor der Apsis erst, wenn man im Hochchor steht. Auf blauem Hintergrund erkennt der Betrachter vier österliche Themen: das leere Grab, die Emmausjünger, den Auferstandenen und Thomas und schließlich die Geistsendung. Die Bilder, deren Ursprünge in der mittelalterlichen Bemalung der Kirche liegen, wurden bei der Restaurierung des Münsters Ende des 19. Jahrhun-derts übermalt, so dass viel von ihrer Ursprünglichkeit verloren gegangen ist. Und doch erzählen sie die zentrale Botschaft unseres Glaubens in vier Variationen:

Erstens die Frauen, die in der Frühe des Ostermorgens zum Grab kommen, um nachzuholen, was wegen des Sabbat nicht möglich gewesen war, den Leichnam einzubalsamieren, und die angesichts des leeren Grabes von Furcht und Entsetzen erfüllt sind und niemandem von diesem Erlebnis berichten. Sie gleichen uns, wenn wir uns schwertun, der Osterbotschaft Glauben zu schenken.

Zweitens die Jünger, die resigniert in ihre Heimat Emmaus zurückkehren. Sie kommen mit dem scheinbaren Scheitern Jesu nicht klar. Sie sind — wie wir so oft — mit Blindheit geschlagen. Jesus selbst muss ihnen die Augen öffnen. Aber seine Worte allein reichen nicht aus, erst am Brechen des Brotes, so wie er es im Abendmahlsaal getan hatte, erkennen sie ihn.

Drittens der ungläubige Thomas, der in Wort fasst, was viele denken: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe, und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht. Der Auferstandene nimmt seine Zweifel ernst, er weist ihn nicht zurück. Im Gegenteil: Er lädt Thomas ein, ihm ganz nahe zu kommen, ihn dort zu berühren, wo er verwundet ist. So findet der Zweifler zum Bekenntnis: Mein Herr und mein Gott!

 

Viertens die Geistsendung, die der Evangelist Johannes mit Ostern direkt in Verbindung bringt. Die Apostelgeschichte des Neuen Testaments datiert sie auf den 50. Tag nach Ostern, das Pfingstfest. Der Heilige Geist, wie ihn die Bibel nennt, ist der Garant dafür, dass der Auferstandene in unserer Welt anwesend ist, bis zum Ende der Zeit.

 

Die Bilder im Hochchor des Münsters sind auf blauem Hintergrund gemalt. Das bedeutet: Hier ist vom Himmlischen die Rede. Sie sind grün eingefasst, und das stellt klar: Hier ist auch vom Irdischen die Rede, von uns, von unserer Furcht, von unserer Resignation, von unseren Zweifel. Aber auch von unserem Glauben.

 

Vielleicht finden Sie sich in einem dieser österlichen Bilder wieder. Ich wünsche es Ihnen verbunden mit der österlichen Botschaft: Der Herr ist auferstanden! Gesegnete und frohe Ostern.