Nach Golgotha führt keine Rolltreppe

Heilige Stiege auf dem Kreuzberg lockt Beter und Wanderer aus nah und fern

Sie ist die sicherlich bedeutendste barocke Kirchenanlage Bonns und der Umgebung: Die Kreuzbergkirche und die Heilige Stiege auf dem Bonner Kreuzberg. Gerade jetzt in der Karwoche ist das Ensemble hoch über Bonn das Ziel vieler Beter und Wanderer. Auf den Berg pilgerten die Menschen schon im 15. Jahrhundert, um ein dort stehendes Kreuz zu verehren. An Karfreitag ist die beeindruckende Treppenanlage hinauf zum Kreuz geöffnet und lädt zu Gebet und Besinnung ein.

Seit über 500 Jahren haben Pilger den Bonner Kreuzberg als Ziel, wo eine Reliquie des Kreuzes Christi aufbewahrt und vor einer Pietà gebetet wird. Auf 161 Metern Höhe hat der Kurfürst Ferdinand 1627 eine Kirche erbaut, die Kurfürst Clemens-August 1746 um eine Heilige Stiege erweitern ließ. Sie ist eine Nachbildung der "Scala Santa" (Heilige Treppe/Stiege), die in Rom unweit der Lateranbasilika steht. Diese Treppe soll aus dem Palast des Pilatus in Jerusalem stammen und jene sein, über die Jesus vor seiner Verurteilung zum römischen Statthalter hinaufgestiegen ist. Schon 326 soll diese Heilige Stiege nach Rom gebracht worden sein. Die Bonner Nachahmung mit insgesamt 28 Stufen ist sicherlich die schönste und wurde durch den berühmten Barock-Baumeister Balthasar Neumann im 18. Jahrhundert geschaffen.

Die Treppenanlage ist wiederum unterteilt in drei Treppen. Die mittlere ist die eigentliche Scala Sancta. Sie ist den Betern vorbehalten, die sich darüber nur kniened und "ohne Waffen" dem Kreuz nähern. In einigen Stufen sind Messingkreuze eingelassen, die die Blutspuren Jesu symbolisieren. Über die Echtheit beim Original lässt sich immer streiten, aber solche Zeichen sollen verdeutlichen, dass das Leben Jesu und sein Kreuzestod kein abstraktes Konstrukt ist, sondern tatsächlich passiert ist. Für andere Körper- und Gebetshaltungen stehen aber die beiden äußeren Treppen zur Verfügung.

 

Ob nun kniend oder gehend, es ist wichtig, sich dem "Gipfel" langsam zu nähern und mit jeder Stufe den Raum auf sich wirken zu lassen. Die Passion Jesu lässt sich nicht im vorübergehen erleben, ebenso wenig wie der sich ändernde Raumeindruck.

Per Rolltreppe geht es hier nicht zum Kreuz. Stufe für Stufe kommt man den Kreuz und den Oberlichtern näher, deren Lichteinfall ein Stück Himmel verheißen. Nach und nach wird dann auch das Oratorium hinter dem Kreuz Jesu sichtbar. Je näher man sich dem sterbenden Christus kommt, desto deutlicher wird das verheißungsvolle Deckenfresko im Oratorium dahinter: Denn sozusagen durch das Kreuz hindurch erblickt man bereits auf die Auferstehung.

 

Die Kreuzbergkirche und Heilige Stiege sind erfreuen den aufmerksamen Besucher mit malerischen Erzählungen und Deutungen. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Kaiserin Helena, die in Jerusalem das Kreuz Jesu aufgefunden haben soll, wovon ein Gewölbefresko eindrucksvoll berichtet. An prominenter Stelle befindet sich im Hauptaltar eine Kopie der berühmten Helena-Statue aus dem Bonner Münster.