Das Bonner Münster und seine Päpste

Fenster im nördlichen Querhaus

Das Cassius-Stift in Bonn, dessen Klosterkirche das heutige Bonner Münster war, hatte immer schon einen heißen Draht nach Rom. Doch bietet das seit 1956 zur „Päpstlichen Basilika minor“ erhobene Gotteshaus weit mehr Bezüge zu den Päpsten und zum Vatikan. Ein Höhepunkt in dieser Geschichte ist sicherlich der Besuch von Johannes Paul II. am 15. November 1980.

 

Nicht erst der berühmte Propst Gerhard von Are bemühte sich im 12. Jahrhundert um einen intensiven Austausch mit dem römischen Pontifex und traf ihn des Öfteren. Während allein er elf päpstliche Bullen für das Cassius-Stift erwirkte, wurden schon seine Vorgänger mit Privilegien bedacht.

 

Petrus (33-67 ?)

Petrus und der Hahnenschrei

Der Apostel Petrus gilt als der erste Papst, in dessen Nachfolge alle weiteren Päpste stehen. Sein Grab wird unter dem Papstaltar in der Vierung des Petersdoms verehrt. Allerdings sind aus topographischen Gründen der heutige Petersdom und seine Vorgängerbauten nicht wie üblich geostet, sondern Richtung Westen ausgerichtet.

Durch die Jahrhunderte hindurch pflegten die Stiftsherren den guten Kontakt zum Grab Petri, was sich sogar an der Architektonik des Bonner Münsters ablesen lässt. Da der Petersdom nicht nach Osten, sondern nach Westen ausgerichtet ist, hat das Münster zusätzlich im Westen einen Chorraum mit Krypta, wo der Petrus-Altar stand.

Heute beginnen die Gottesdienste am Fest "Kathedra Petri" (22.02.) und am Hochfest der Apostel Petrus und Paulus (29.06.) gewöhnlich mit einem Taufgedächtnis im Petrus-Chor.

Als Bild haben wir aber einen "Petrus" ausgesucht, den man nicht so häufig findet. Die Statue auf einem der Beichtstühle zeigt den "Hahnenschrei" aus der biblischen Erzählung von der "Verleugnung". Im Kontext der Gefangennahme Jesu und des Prozesses wird berichtet, dass der Apostel Petrus seine Freundschaft zu Jesus aus Angst mehrmals abstritt:

Darauf nahmen sie Jesus fest, führten ihn ab und brachten ihn in das Haus des Hohenpriesters. Petrus folgte von Weitem. Mitten im Hof hatte man ein Feuer angezündet und Petrus setzte sich zu den Leuten, die dort beieinandersaßen. Eine Magd sah ihn am Feuer sitzen, schaute ihn genau an und sagte: Der war auch mit ihm zusammen. Petrus aber leugnete es und sagte: Frau, ich kenne ihn nicht. Kurz danach sah ihn ein anderer und bemerkte: Du gehörst auch zu ihnen. Petrus aber sagte: Nein, Mensch, ich nicht! Etwa eine Stunde später behauptete wieder einer: Wahrhaftig, der war auch mit ihm zusammen; er ist doch auch ein Galiläer. Petrus aber erwiderte: Mensch, ich weiß nicht, wovon du sprichst. Im gleichen Augenblick, noch während er redete, krähte ein Hahn. Da wandte sich der Herr um und blickte Petrus an. Und Petrus erinnerte sich an das, was der Herr zu ihm gesagt hatte: Ehe heute der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinte bitterlich. (Bibel, Evangelium nach Lukas, Kapitel 22, 54-62)

 

Urban I. (222-230 ?)

Der Heilige urban auf dem Krippenaltar im Bonner Münster

Über Urban wissen wir nicht viel, aber er gilt als der Patron der Winzer. Und hier kommt Bonn wieder ins Spiel, denn das Cassius-Stift hatte viele Weinberge an Ahr, Rhein und Mosel. So verwundert es nicht, dass die Weinbergpächter dem Bonner Münster einen Urban-Altar stifteten, der besser als der Krippenaltar bekannt ist. Das Marmorretabel zeigt die Geburt Jesu und ist sicherlich eine der kunsthistorisch wertvollsten Arbeiten der Basilika. Ganz oben im Altaraufbau findet man sogar Papst Urban I.

 

Alexander VI. (1492-1503)

Alexander VI. ist sicherlich eine der schillerndsten Gestalten der Papstgeschichte, wenngleich auch nicht rühmlich. Er stammt aus dem spanischen Geschlecht der Borgia und deren Wappen befindet sich auch im Bonner Münster in der Wappentafel der Pröpste. Der Papst war sehr darauf bedacht, seine Familie durch geschickte Personalpolitik gut zu versorgen. Und so setzte er seinen Großneffen Ludovicus Borgia als Vorsteher des Cassius-Stiftes ein. Ludovicus selbst war wohl nie in Bonn und verpachtete seine Rechte an seinen Nachfolger.

 

Leo XIII. (1878-1903)

So direkt ist der „Arbeiterpapst“ Leo XIII. nicht greifbar im Bonner Münster, aber sein Einfluss hat es bildlich in sich. Die Fragen der Zeit waren gekennzeichnet von den Auswirkungen der industriellen Revolution und dem damit einhergehenden gesellschaftlichen und politischen Wandel. Dies zeigt auch der Freskenzyklus des Lebens Jesu im Hochchor des Bonner Münsters, wo auf einem Bild der Heilige Josef mit der roten Fahne der Arbeiterbewegung dargestellt ist. Diese eher interpretatorische Darstellung des Künstlers basiert aber auch auf Leos bis heute hoch geschätzte Enzyklika „Rerum Novarum“ (Von den neuen Dingen). Der Papst entwickelte mit dieser Enzyklika eine Lehre von der menschlichen Person und ihren Rechten, von der Ordnung der Wirtschaft, von der Koalitionsfreiheit der Arbeiter und der sozialen Verpflichtung des Staates. Seitdem kann man von einer lehramtlich fundierten kirchlichen Soziallehre sprechen.

 

Pius XII. (1939-1958)

Der Pfingstsonntag 1956 war ein besonders festlicher Tag in der Geschichte des Bonner Münsters. Der Apostolische Nuntius Erzbischof Aloysius Münch feierte mit den Bonnern die Erhebung ihres zentralen Gotteshauses zur „Päpstlichen Basilika minor“ und überbrachte die von Papst Pius XII. unterschriebene Urkunde. Sein Wappen befindet sich auf der Westseite des Münsters und in einem Rundfenster des nördlichen Querhauses.

 

Johannes XXIII. (1958-1963)

Er sollte ein Übergangspapst werden, doch dann riss der alte Mann auf dem Stuhl Petri die Fenster und Türen der Kirche auf: Johannes XXIII. Vor mehr als 50 Jahren rief er die Hirten aus der ganzen Welt nach Rom zum Zweiten Vatikanischen Konzil. Im Oktober 2002 segnete Erzbischof Giovanni Kardinal Lajolo, der damals apostolischer Nuntius in Deutschland war, eine Gedenktafel für den seligen Papst in der Krypta des Bonner Münsters.

 

Johannes Paul II. (1978-2005)

Ein großer Tag für Bonn war der 15. November 1980, als Papst Johannes Paul II. das Bonner Münster besuchte. Doch findet man diesen Programmpunkt nicht im offiziellen Programmheft. Recht kurzfristig und bilateral wurde die Visite zwischen der Stadt, dem Stadtdekanat und der Nuntiatur organisiert, sehr zur Freude der Bonner Bürger. 10.000 Menschen drängten sich bei Regen auf den Münsterplatz und beteten mit dem Pontifex am Schrein der Bonner Stadtpatrone, der zu diesem Ereignis vor das Hauptportal gestellt wurde. Mit Blick auf die Märtyrer Cassius und Florentius appellierte das Kirchenoberhaupt: “Seid auch Ihr heute ebenso überzeugte und überzeugende Christen.” Seit seiner Seligsprechung erinnert in der Krypta ein Relief an Papst Johannes Paul II.

>>> Besuch von Johannes Paul II. in Bonn und am Münster

 

Benedikt XVI. (2005-2013)

Mitte des 20. Jahrhunderts kam ein junger Professor für Fundamentaltheologie nach Bonn, für dessen Auditorium jeder Hörsaal der Universität zu klein war: Josef Ratzinger. Dreißig Jahre später macht der Kardinal der Stadt Bonn von Rom aus ein Liebesgeständnis: “Aber ich muss gestehen, dass mir doch ein Heimweh nach Bonn, nach der Stadt am Strom, ihrer Heiterkeit und ihrer geistigen Dynamik geblieben ist.” Und bei seinem 80. Geburtstag im Jahr 2007 sagte er dem Bonner Stadtdechanten Msgr. Wilfried Schumacher: “Es war eine wunderbare Zeit.”

>>> Benedikt XVI. und seine Bonner Jahre

 

Franziskus (gewählt 2013)

Einen direkten Bezug gibt es zwar nicht, aber es gibt Anknüpfungspunkte zu seinem Namenspatron, dem Heiligen Franz von Assisi. Während es im Bonner Münster nur eine kleine Büste des Heiligen gibt, war das Kreuz von San Damiano, welches in der Biographie des Franziskus eine wichtige Rolle spielt, zentrales Element eines der großen Fastentücher. Kopien desselben hängen heute in allen Kontinenten.

 

Clemens VII. (1378-1394)

Diesen Papst haben wir etwas abseits der Liste gelassen, denn er saß nicht auf dem Stuhl Petri in Rom, sondern war Gegenpapst in Avignon. Zuvor hieß er Robert von Genf und war Propst des Bonner Cassius-Stiftes.