Johannes Paul II. betete am Schrein der Bonner Stadtpatrone

Erinnerungen an den Papstbesuch 1980 in Bonn

Johannes Paul II. betet vor dem Schrein der Bonner Stadtpatrone

Von Bernd Leyendecker

 

BONN. „Ich bitte um Gottes bleibenden Schutz und Segen für Eure Stadt und Ihre Bewohner. Gott segne die Familien mit ihren Kindern. Er segne die alten Menschen. Alle, die krank im Bett liegen. Er segne jeden, der sich allein fühlt, der voller Sorgen und mutlos ist.“

Alle jene, die am Samstagabend des 15. November 1980 auf dem Münsterplatz waren, haben diese Worte vielleicht noch im Ohr. 30 Jahre ist es nun her, dass Papst Johannes Paul II. bei seinem Deutschlandbesuch in der – damaligen – Bundeshauptstadt Station machte und zu den Bonnern sprach. Etwa 20.000 Menschen waren gekommen, um dem charismatischen Oberhaupt der katholischen Kirche einen begeisterten Empfang zu bereiten. Der damalige Stadtdechant Prälat Walter Jansen zeigte sich denn auch „tief beeindruckt von der wunderschönen Atmosphäre“, die auf dem Platz vor der Basilika herrschte.

 

Mit dem Zug war der Heilige Vater gegen 21.20 Uhr auf Bahnsteig 1 angekommen, wo ihn Oberbürgermeister Hans Daniels, Oberstadtdirektor Karl-Heinz van Kaldenkerken und Walter Jansen begrüßten – und Schülerinnen und Schüler der Liebfrauenschule und des Kardinal-Frings-Gymnasiums. Auf einem Plakat war zu lesen: „Amo te“ (Ich liebe Dich). Mit dem Papa-Mobil fuhr er anschließend zum Münsterplatz, wo trotz des Regens „die Menge immer mehr anschwoll“, berichtete der General-Anzeiger. Hinter den Absperrungen hatten Priester des Stadtdekanats Platz genommen, nachdem der Schrein der Stadtpatrone in einer feierlichen Prozession vor das Münster getragen worden war. Neben dem Schrein bildete die Cassius- und Florentius-Bruderschaft eine Ehrenformation.

 

Um 21.30 Uhr kündigte dann ein Posaunenchor die Ankunft des Papstes an. Nach einer kurzen Ansprache und dem gemeinsamen „Vater unser“, das beeindruckend von den Wänden der umliegenden Gebäude widerhallte, erteilte er den Bonnern den apostolischen Segen. Im Gebet vertieft kniete Johannes Paul II. vor dem Schrein der Stadtpatrone nieder, der erstmals aus dem Münster heraus getragen worden war. Zudem trug sich das Kirchenoberhaupt in das Goldene Buch der Stadt Bonn ein.#

 

Auch auf seinem anschließenden Weg zur Nuntiatur in der Godesberger Turmstraße, in der der Papst übernachtete, begrüßten immer wieder jubelnde Bonner den Papst. Und selbst als die Rollläden an den Fenstern der vatikanischen Botschaft heruntergelassen wurden, wünschten die Zuschauer noch einmal, den Papst zu sehen. Im General-Anzeiger war zu lesen: „Die Erfüllung dieses Wunsches zeichnete sich nach über einer Stunde Wartezeit gegen 23.30 Uhr ab, als sich hinter der Balkontür Schatten bewegten und vor dem Metallgitterzaun der Nuntiatur noch einmal ein Polizeikordon aufzog. Minuten später betrat der Papst den Balkon und zeigte sich der jubelnden Menge. „Wenn dieses 'Amo te' Wahrheit ausdrücken soll“, mahnte er die rufenden Menschen, „sollten Sie sofort schlafen gehen.“ „Nur unter dieser Bedingung“ erteilte er noch einmal seinen Segen.

 

Am frühen Morgen des 16. November verließ der Heilige Vater Bonn, um mit dem Hubschrauber nach Osnabrück, der nächsten Station seines Deutschland-Besuches, weiter zu reisen.