Das Fastentuch im Bonner Münster

Das Fastentuch entspricht den Darstellungen des sog. „Arma-Christi-Kreuzes“. Jesus, der Gekreuzigte ist dabei reduziert auf die Symbole seiner durchbohrten Hände, Füße und Seite und der Dornenkrone, umgeben von den Leidenswerkzeugen.

 

„Arma“ (Latein) kann mit „Waffen“ übersetzt werden. Die Arma-Christi-Kreuze waren vor allem seit der Barockzeit verbreitet und wurden vorwiegend als Haus- oder Wegkreuze verwendet. Sie gelten heute als kostbare Zeichen der Volkskunst. In unserer Heimat kennt man im Siegtal die sogenannten „Auswandererkreuze“ mit dieser Darstellung.

 

Auch der Künstler Hein Gernot hat diese Symbolsprache gewählt, als er 1980 den Altar für das Bonner Münster schuf. Auf kleinen, eingefassten Plättchen wird die Passion Jesu dargestellt, die jetzt in einer etwas anderen Anordnung auf dem Fastentuch sichtbar sind.

Seit 2007 wird im Bonner Münster wieder ein Fastentuch aufgehängt. Damit wird ein fast 1000 Jahre alter Brauch wieder aufgegriffen: In der Fastenzeit wurden der Altar sowie das Geschehen am Altar verhüllt. Ein gestickter Vorhang wird bereits in der Lebensbeschreibung des Abtes Hartmond von Sankt Gallen um 895 erwähnt. Das „velum quadragesimale“, wie das Fastentuch in der lateinischen Kirchensprache auch genannt wurde, fand über die Klosterkirchen auch allmählich Eingang in den Pfarrkirchen und erstreckte sich im 14. und 15. Jahrhundert über das gesamte Abendland.