Karfreitag

Der Karfreitag steht ganz im Zeichen des Kreuzes. Die Kirche gedenkt der Leiden, des Kreuzweges, der Kreuzigung, des Todes und der Grablegung Jesu. Wenn auch Trauer diesen Tag überschattet (althochdeutsch: kara = Trauer, Klage), so wird in der Kreuzerhebung bereits das Wissen um Ostern deutlich: "Dein Kreuz, o Herr, verehren wir, und deine heilige Auferstehung rühmen und preisen wir. Denn durch das Holz des Kreuzes ist Freude gekommen in alle Welt.

 

Zur Todesstunde Jesu, also gegen 15.00 Uhr, findet in der Regel der Gottesdienst im Gedächtnis an das Leiden und Sterben Jesu statt. In der schmucklosen Kirche beginnt der Gottesdienst knieend und in Stille. Nach den Lesungen folgt der biblische Bericht des Evangelisten Johannes von der Passion Jesu. In den großen Fürbitten, die an Intensität nicht zu überbieten sind, bringt die Kirche die Anliegen der ganzen Welt vor Gott. Jeder Gottesdienstteilnehmer ist dann zur Kreuzverehrung eingeladen.

 

Auszüge aus der Passion nach Johannes

Wieder leugnete Petrus, und gleich darauf krähte ein Hahn. Bronzeplastik im Bonner Münster

Simon Petrus aber stand am Feuer und wärmte sich. Sie sagten zu ihm: Bist nicht auch du einer von seinen Jüngern? Er leugnete und sagte: Nein. Einer von den Dienern des Hohenpriesters, ein Verwandter dessen, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte, sagte: Habe ich dich nicht im Garten bei ihm gesehen? Wieder leugnete Petrus, und gleich darauf krähte ein Hahn. (Joh 18,25-27)

 

 

Der für uns das schwere Kreuz getragen hat. Rosenkranzfenster im Bonner Münster

Sie übernahmen Jesus. Er trug sein Kreuz und ging hinaus zur so genannten Schädelhöhe, die auf hebräisch Golgota heißt. Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere, auf jeder Seite einen, in der Mitte Jesus. (Joh 19,16b-18)

Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum - Jesus von Nazareth, König der Juden. Altarminiatur im Bonner Münster

Pilatus ließ auch ein Schild anfertigen und oben am Kreuz befestigen; die Inschrift lautete: Jesus von Nazaret, der König der Juden. Dieses Schild lasen viele Juden, weil der Platz, wo Jesus gekreuzigt wurde, nahe bei der Stadt lag. Die Inschrift war hebräisch, lateinisch und griechisch abgefasst. Die Hohenpriester der Juden sagten zu Pilatus: Schreib nicht: Der König der Juden, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der König der Juden. Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben. (Joh 19,19-22)

 

Der für uns gekreuzigt worden ist. Rosenkranzfenster im Bonner Münster

Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. (Joh 19,25-27)

 

 

Die Beweihnung Jesu. Atarbild des Magdalenen-Altars im Bonner Münster

Josef aus Arimathäa war ein Jünger Jesu, aber aus Furcht vor den Juden nur heimlich. Er bat Pilatus, den Leichnam Jesu abnehmen zu dürfen, und Pilatus erlaubte es. Also kam er und nahm den Leichnam ab. Es kam auch Nikodemus, der früher einmal Jesus bei Nacht aufgesucht hatte. Er brachte eine Mischung aus Myrrhe und Aloe, etwa hundert Pfund.

Sie nahmen den Leichnam Jesu und umwickelten ihn mit Leinenbinden, zusammen mit den wohlriechenden Salben, wie es beim jüdischen Begräbnis Sitte ist. An dem Ort, wo man ihn gekreuzigt hatte, war ein Garten, und in dem Garten war ein neues Grab, in dem noch niemand bestattet worden war. Wegen des Rüsttages der Juden und weil das Grab in der Nähe lag, setzten sie Jesus dort bei. (Joh 19,38-42)