Adolph Kolping

4. Dezember

1813 in Kerpen geboren, erlernte Adolph Kolping zunächst das Schuhmacherhandwerk, bevor er 1845 zum Priester geweiht wurde. Kolping war entsetzt von den teils menschenunwürdigen Lebensbedingungen und Lebensweisen der meisten Handwerksgesellen, die er während seiner Wanderschaft kennenlernte. Diese Erfahrungen und die gesellschaftlichen Folgen der Industrialisierung sollten sein Leben prägen.


Am 15. Februar 1850 gründete Adolph Kolping selbst im Kapitelsaal des Bonner Münsters den ersten Bonner Gesellenverein. Dazu heißt es in der Chronik: „Der Gesellenvater Kolping, welcher vom Köln herübergekommen war, erläuterte in kernigen Worten Notwendigkeit und Zweck eines katholischen Gesellenvereins. Die anwesenden sieben Gesellen erklärten sich zur Bildung des Vereins bereit.“ Eine Gedenktafel im Kapitelsaal erinnert bis heute daran.


Kolping verstarb am 4. Dezember 1865 in Köln. 1991 wurde er von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen. Sein Grab befindet sich in der Kölner Minoritenkirche.


In Bonn, genauer gesagt im im Kapitelsaal des Münsters, und andernorts gründete Kolping Gesellenvereine, die viel Zulauf hatten. Bis zu seinem Tod am 4. Dezember 1865 gab es 418 Vereine mit 24.000 Mitgliedern. Die Gesellenvereine und die von Kolping ins Leben gerufenen Gesellenhospize sollten den wandernden Gesellen den Halt geben, den nach Kolpings Auffassung Familien bieten. Dazu gehörten auch die soziale Vernetzung, Bildung und Versorgung von Kranken.


Heute ist die große Kolpingfamilie ist ein soziales Netzwerk, das gekennzeichnet ist von der Fürsorge und der Verantwortung der Mitglieder füreinander. Die Mitglieder verstehen sich als Weg-, Glaubens-, Bildungs- und Aktionsgemeinschaft. Mit dem Motto "verantwortlich leben, solidarisch handeln" will der Verband die Zielsetzung Adolph Kolpings aufgreifen, sich als guter Christ in Familie, Beruf und Arbeitswelt, Staat und Gesellschaft zu bewähren.

 

Verantwortlich leben, solidarisch handeln - Kolping selbst gründete vor mehr als 160 Jahren am Münster den Bonner Gesellenverein

„1850 ging vom Gesellenvater Kolping die Anregung aus, einen Verein in der Musenstadt Bonn zu gründen… Der erste Freitag in der Fastenzeit, der 15. Februar 1850, war der Geburtstag des Vereins. Die konstituierende Versammlung fand im Kapitelsaale der Münsterkirche statt. Der Gesellenvater Kolping, welcher vom Köln herübergekommen war, erläuterte in kernigen Worten Notwendigkeit und Zweck eines katholischen Gesellenvereins. Die anwesenden sieben Gesellen erklärten sich zur Bildung des Vereins bereit.“

 

Nachzulesen sind diese Zeilen in der Festschrift zum „Goldenen Jubiläum“ des „Katholischen Gesellenvereins zu Bonn“, die 1900 herausgegeben wurde. Aus dem Verein wurde die Kolpingfamilie, von denen es damals 14 in dieser Region gab. In der Stadt Bonn sind es noch vier: Bad Godesberg, Poppelsdorf, Endenich – und, mit derzeit 163 Mitgliedern, darunter 54 Frauen, die seit 1980 aufgenommen werden, und 22 unter 30-Jährige, Bonn-Zentral. Diese ist zugleich auch die größte des Bonner Kolping-Quartetts. Mit einem Festgottesdienst in der Stiftskirche feierte sie kürzlich ihr 160-jähriges Bestehen.

 

Fast ein Drittel dieser Zeit, gut 50 Jahre, hat Heinz Meyer die Bonner Kolpingfamilie  wesentlich mitgeprägt, unter anderem von 1962 bis 1986 als ihr Vorsitzender. Der agile und umtriebige gelernte Gärtner, der an Rosenmontag 74 Jahre alt wird und bis zu seiner Pensionierung im Bonner Heimstatt-Verein arbeite, war als 22-Jähriger bei „Kolpings“ eingetreten. „Da wurde Gemeinschaft gelebt, und es gab die Chance zur beruflichen Weiterbildung“, nennt er als Hauptgründe für seine damalige Entscheidung. Bis heute hegt und pflegt er das Archiv der Bonner Kolpingfamilie – in einem kleinen, etwa 20 Quadratmeter großen Zimmer in der Stiftsgasse 17, in dem er in neun Stahlschränken alles aufbewahrt, was er über den Verein heranschaffen konnte. Wobei: das Wort „Verein“ gefällt ihm nicht so sehr. „Familie kommt unserem Auftrag viel näher; wie in einer Familie stehen bei uns Solidarität und friedvolles Miteinander ganz oben an“, sagt er. Dass das Kolpingswerk Deutschland, die in Köln ansässige Dachorganisation aller 2.730 Kolpingfamilien in 60 Ländern, zudem recht liberale Positionen vertritt, lassen sein „Leitbild“  erkennen. „Kolping respektiert die persönliche Wahl der Lebensform, sieht aber die Familie als den Grundbaustein der Gesellschaft an“, heißt es dort. Ferner „lädt Kolping auch Geschiedene und Wiederverheiratete ein; sie können mit uns Kirche erleben“.

 

Während sich bis in die fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts die Mitglieder schwerpunktmäßig aus Handwerkern rekrutierte, sind es längst engagierte Bürgerinnen und Bürger aus allen Bevölkerungs- und Bildungsschichten. Die Kolpingfamilie Bonn-Zentrale versteht sich, ganz im Sinn ihres Gründers, als eine Glaubens-, Bildungs- und Aktionsgemeinschaft – wobei es nach Überzeugung des Diözesanvorsitzenden Martin Rose „wie zu Zeiten Kolpings auch heute gilt, die sozialen Verhältnisse der Menschen zu verbessern“. Dem pflichtet Heinz Meyer uneingeschränkt zu – und nennt konkrete Beispiele. So sammelt die „Familie“ warme Winterkleidung für Wohnungslose, kooperiert mit der Caritas und unterstützt zahlreiche Projekte im Ausland, so in Afrika, Russland und Asien. Vorbildlich war das langjährige Engagement für Pater Hans Susenberger, Pfarrkind aus der Graurheindorfer Sankt-Josef-Gemeinde, der bis zu seinem Tod 1988 als Missionar in Südafrika tätig war. Die Bonner Kolpingfamilie schickte ihm im Laufe von 30 Jahren nicht nur rund 5.000 Pakete mit Lebensmitteln und Medikamente, sondern finanzierte unter anderem auch den Bau von zwei Kirchen. Bei der Weihe des zweiten Gotteshauses brachte ihm Heinz Meyer ein besonderes Geschenk des damaligen Stadtdechanten Josef Plöger mit: Reliquien der Bonner Stadtpatrone Cassius und Florentius.

 

Auch wenn der jetzige Stadtdechant Wilfried Schumacher sagt, für ihn sei die Kolpingfamilie „unverzichtbar im Bild der katholischen Kirche in Bonn“ – für Heinz Meyer ist die Arbeit in den vergangenen Jahren „schwieriger“ geworden: „Unsere jungen Mitglieder sind weniger unserer Tradition verbunden; auch hat der religiöse Aspekt nicht mehr den ihm eigentlich zustehenden Stellenwert.“ Doch er jammert nicht. So habe man mit Ralf Birkner einen versierten Theologen als Beauftragten für den pastoralen Dienst gewinnen können, der von Pfarrer Raimund Blanke (Stiftskirche) und Präses Paul Kirschner unterstützt wird; von ihnen erhoffe man sich „gute positive religiöse Impulse für unsere jüngeren Mitglieder“, deren Einsatz bei konkreten Projekten Meyer ausdrücklich lobt. Ob in Theater- und Musikgruppen, bei Zeltlagern oder der Unterstützung von Kindern aus Ausländerfamilien – „da können wir auf unsere jungen Erwachsenen bauen“.

 

Nach vor wird die Kolpingfamilie auch mit dem Karneval in Verbindung gebracht. Zu Recht. Denn bereits seit 1897 gibt´s die „Fidele Walzbröde“. (Für Nicht-Bonner: Walzbröde sind jene Gesellen, die früher auf die Walz, also auf Wanderschaft, gegangen sind; für sie hat Adolf Kolping einst Wohnheime bauen lassen, in denen die Jung-Handwerker während ihrer Gesellenzeit wohnen konnten). Mehrere Bonner Prinzen und Bonnas hatten bei den „Walzbröde“ ihre karnevalistischen Wurzeln, und die Fahrt von Kolpingfamilien-Urgestein Karl König sen. im Rosenmontagszug 1964 als  Beethoven auf einem Sockel  - kaum zu unterscheiden vom Original auf dem Münsterplatz – ist und bleibt unvergessen.

 

Apropos Münsterplatz: In unmittelbarer Nähe hat Adolf Kolping, der von 1842 bis 1844 an der Bonner Universität Theologie studierte, gewohnt – zunächst in der Sternstraße (heute Nr. 76) neben dem Gasthaus „Zum Gequetschten“, später wenige Häuser weiter, Sternstraße 59. So gesehen ist der Sozialreformer und volksnahe Seelsorger, der 1991 von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen wurde, quasi auch ein Bonner. Dass seine „Familie“ auch 160 Jahre nach ihrer Gründung – und darüber hinaus – „unverzichtbar im Bild der katholischen Kirche in Bonn“ bleiben, hoffen nicht nur Hans Meyer und die Vorsitzende Heide Werker. Denn nach wie vor sei der Wahlspruch Adolf Kolpings aktuell: Religion und Tugend; Arbeitsamkeit und Fleiß; Eintracht und Liebe; Frohsinn und Scherz.