Gangolf

11. Mai

Gangolf, ein burgundischer Edler, stand im Dienste König Pippins. Vielleicht ist er personengleich mit dem 716 und 731 erwähnten Gangvulfus, der ein Eigenkloster bei Langres besaß. Nach der Legende soll er auf Anstiften seiner ehebrecherischen Gattin am 11. Mai 760 ermordet worden sein. Seit dem 9. Jh. wird er als Märtyrer verehrt. Eine bedeutende Reliquie befindet sich in Bamberg.

Wie die Gangolfstraße zu ihrem Namen kam

Noch heute ist die Silhouette der Stadt Bonn durch viele Gotteshäuser geprägt. Sie zeugen davon, dass diese Stadt am Rhein keine Stadt ohne Gott ist.

Auf mittelalterlichen Stadtansichten strecken sich allerdings einige Kirchtürme mehr aus den engen Häuserzeilen des Stadtkerns in den Himmel. Dazu zählten nicht nur Klöster, sondern auch eine Reihe von heute nicht mehr existierenden Kirchen, was Straßen- oder Platznamen wie der Remigiusplatz oder der Münsterplatz verdeutlichen.

Zum berühmten Bonner Münster führt vom Bahnhof aus die Gangolfstraße. Sie erinnert nicht an das ehemalige Gangolfkino, sondern an die Pfarrkirche St. Gangolf, die im Westen des Münsters stand, ungefähr da, wo „In der Sürst“ heute der Gänsebrunnen steht.

 

Erzbischöflicher Import aus Heinsberg

Die Bonner Pfarrkirche St. Gangolf war eine der vier alten katholischen Bonner Stadtpfarreien. Bereits seit dem zwölften Jahrhundert bestanden die Bonner Pfarrei und Pfarrkirche St. Gangolf, die auf eine Stiftung des Erzbischofs Philipp von Heinsberg (1130-1191) zurück geht. Wahrscheinlich war das Gangolf-Patrozinium eine Hommage Philipps an seine Heimat. Denn seine Großmutter hatte 1128/29 in Wurfweite des Familiensitzes in Heinsberg das Gangolf-Stift gegründet, wovon bis heute die Propsteikirche St. Gangolf steht.

Aus demselben Geschlecht der Grafen von Heinsberg stammt Engelbert von Heinsberg-Valkenburg (1220-1274), der ebenfalls Erzbischof in Köln war. Gegen die aufkommenden Patrizier versuchte er seine Macht in der Stadt zu festigen und auszubauen, was er 1268 mit der Vertreibung bezahlte. In Bonn baute er daraufhin seine Residenz auf und wurde nach seinem Tod im Bonner Münster beigesetzt.

 

Gangolf und der Mülheimer Platz

Infolge der französischen Besatzung wurde die Bonner Gangolf-Pfarrei 1804 per Dekret des Bischofs von Aachen (die linksrheinischen Gebiete gehörten zum damaligen Bistum Aachen) aufgehoben und die heutige Münsterkirche zur Pfarrkirche für St. Gangolf und St. Martin. Die Kirche lag unmittelbar vor dem Westchor der Münsterkirche und wurde 1806/1807 vollständig abgerissen.

Zur Pfarrei St. Gangolf zählte der äußere Bereich des innerhalb der Stadtmauern liegenden Stadtgebiets vom Münster bis zum Stiftsplatz. Weiterhin einzelne Häuser am Münsterplatz, am Mauspfad und in der Maargaase und Stiftsgasse. Zu St. Gangolf gehörte auch das außerhalb der Stadtmauern gelegene Dörfchen Mülheim, was auch die Namensgebung des Mülheimer Platzes erklärt.

 

Erinnerungsstücke

In den Stiftsgebäuden des Bonner Münsters wurden 2007 im Zuge einer Sanierung Messbücher aus den letzten drei Jahrhunderten wiederentdeckt, die sich hinter Akten versteckten. Dazu gehört auch ein Missale Coloniensis (Messbuch für das Erzbistum Köln) mit Samteinband und Silberbeschlag. Im Jahre 1758 wurde es der Gangolfkirche in Bonn gestiftet. Einige liturgische Gegenstände wie ein Kelch, ein Vortragekreuz und ein Reliquiar stammen aus aus dieser Pfarrkirche und sind bis heute im Bonner Münster in Gebrauch. Auch die Gangolfstraße und der Gangolfsaal im Münster-Carré erinnern noch an die alte Pfarrkirche St. Gangolf.

Im Gedenken an den Heiligen Gangolf, aber auch an unsere Vorfahren und die "Pfarrkinder" der Gangolf-Pfarrei wird dieser Tag im Bonner Münster besonders gefeiert.