Petrus (Apostel)

Die Schlüssel des Himmelreichs

Das Wetter kann es niemandem recht machen. Entweder ist es zu heiß oder zu kalt, zu trocken oder zu nass. Und wenn es doch einmal so ist, dass alle es schön finden, dann haben sie keine Zeit, weil sie arbeiten müssen, Hausputz haben oder die Oma zu Besuch. Da ist es tröstlich, wenn man jemanden kennt, dem man die Verantwortung für diese Misere zuordnen kann. Im Volksglauben ist das der Apostel Petrus. 

 

Er fungiert schon seit Jahrhunderten als eine Art Wettergott. Viele Bauernregeln wie „Regnet's am St. Petertag, so drohen dreißig Regentag“ geben davon Zeugnis.  Auch wenn längst bekannt ist, dass das Wettergeschehen nicht Resultat göttlicher Fügung ist, behaupten sie hartnäckig ihren Platz im Sprachgebrauch. Und so sagt man noch heute „Petrus und die Engel schieben Kegel“, wenn es gewittert. Oder „Petrus hat ein Einsehen“, wenn beim Nordseeurlaub öfter das Schwimmzeug als die Regenjacke zum Einsatz kommt.

 

Wo aber liegt der Ursprung dieser Redensarten? Wer bei den gängigen Suchmaschinen im Internet die Stichworte „Petrus“ und „Wetter“ eingibt, erhält jede Menge spannender Informationen. Nicht jede ist ernstgemeint. Auf Studipedia, der freien Humor- und Satire-Enzyklopädie, ist beispielsweise zu lesen:

 

„Nach neuesten Theorien geht man davon aus, dass der Vatikan für das Wetter verantwortlich ist und der Papst als ihr Oberhaupt das Wetter nach Gutdünken beeinflussen kann. Diese Theorie ergibt sich aus dem Status des Papstes als Nachfolger von Petrus, welchem zuerst die Verantwortung über das Wetter übertragen wurde. (…) Leider obliegt diese Wetterkontrolle strengster Geheimhaltung, sodass nicht mal übereifrige Verschwörungstheoretiker wie Dan Brown Beweise dafür finden werden.“

 

Aber Spaß beiseite. Denn die heute eher gedankenlos genutzten Wetter-Sprüche haben ihre Wurzeln im Urgrund des Glaubens, genau genommen im „Schlüsselwort“ des Matthäus-Evangeliums. Auf das Bekenntnis des Petrus „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“ antwortete Jesus mit der Zusage:

„Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.“ (Mt 16, 18-19)

 

Aus dieser Zusage, über deren Bedeutung es unter Theologen unterschiedliche Auffassungen gibt,  entstand im Volksmund die Vorstellung von „Petrus an der Himmelstür“: Er entscheidet demnach, wer „in den Himmel kommt“, und folglich auch, was herauskommt – ob Schnee, Sonnenschein, Regen oder Hagel.

 

Kein Wunder also, dass Petrus angerufen wird, um günstiges Wetter für reiche Ernten oder nette Grillabende zu erbitten - auch wenn man in der Bibel vergeblich nach Stellen sucht, die Petrus und das Wetter in Verbindung bringen. Aber: Einer muss ja schuld sein, wenn es nicht so klappt, wie man sich das wünscht. Vielleicht, weil es so viel einfacher ist, zu klagen als dankbar zu sein.

Text: Anja Martin

 

29. Juni

Petrus, Apostel, Hochfest Petrus und Paulus Ursprünglich aus Bethsaida, lebte als Fischer mit seiner Familie in Kafarnaum, als Jesus, der ihm den Beinamen Kephas [Griech,: Petrus = Fels] verlieh, ihn und seinen Bruder Andreas als Jünger berief. Petrus war mit Johannes und Jakobus Zeuge de Auferweckung der Tochter Jairus, der Verklärung auf dem Berge und der Todesangst Jesu. Im Apostelkreis war Petrus der anerkannte Wortführer, der auch das Messiasbekenntnis ablegte. Zwar verleugnete er den Herrn nach der Gefangennahme, doch war er einer der ersten Zeugen der Auferstehung. In der Gemeinde zu Jerusalem nahm Petrus eine führende Stellung ein, die Jakobus übernahm, als Petrus sich auf Missionsreise begab. Zum Apostelkonzil um 48/50 war Petrus wieder in Jerusalem. Später wirkte er in Antiochien, Kleinasien und schließlich Rom. Hier erlitt er nach der Überlieferung unter Nero (64-67) den Tod durch Kreuzigung. Die jüngsten Ausgrabungen unter der Peterskirche in Rom haben die ursprüngliche Lage des Petrusgrabes, bei dem Zeichen einer frühen Petrusverehrung nachgewiesen sind, gesichert.

Petrus, Apostel wird dargestellt als Apostel oder Papst mit Schlüssel, Buch, Hahn, Fisch, Kreuz oder gekreuzigt am umgekehrten Kreuz hängend.

 

Petrus, Apostel ist Patron der Päpste, Fischer, Fischhändler, Schiffer, Schiffbrüchigen, Netzmacher, Walker, Tuchweber, Steinhauer, Ziegelbrenner, Brückenbauer, Töpfer, Schmiede, Schlosser, Bleigießer, Uhrmacher, Schreiner, Glaser, Papierhändler, Metzger, Büßer, Beichtenden, Jungfrauen

 

Petrus, Apostel ist Patron des Bistums Osnabrück, des Trierer Doms

 

Petrus, Apostel wird angerufen gegen Besessenheit, Fallsucht, Tollwut, Fieber, Schlangenbiss, Fußleiden, Diebstahl

Verehrung nach dem römischen Generalkalender

 

Für "Petrus" sind auch folgende Namen gebräuchlich: Petrus, Pedro, Peer, Per, Peter, Pierre, Piet, Pieter, Pietro, Pietsch, Piotr, Pit, Petra.