Die Geschichte der Münster-Orgeln

794 erhielt das Bonner Münster die erste Orgel, deren Disposition bis heute erhalten ist. Sie wurde von Peter Kemper aus Poppelsdorf (heute ein Stadtteil Bonns südwestlich vom Stadtzentrum) mit einem Umfang von 26 Registern erbaut. Bis 1922, also fast 130 Jahre, tat sie ihren Dienst in der Münsterbasilika

 

In den zwanziger Jahren wurde die Orgelbauwerkstatt Klais mit dem Bau einer neuen Orgel beauftragt, diesmal mit einem Umfang von 109 Registern, wobei 90 Register für die Hauptorgel auf der Westempore und 18 Register für eine Chororgel vorgesehen waren. Am 15. November 1925 wurde ein aus Kostengründen zunüchst kleineres Instrument mit 30 klingenden Registern eingeweiht. Bis 1940 (Einweihung: 21. Januar) erweiterte man es auf 70 Register.

 

Um 1230 herum muss es gewesen sein, als die ersten Klänge einer Orgel durchs Bonner Münster hallten: Sie soll an der Ostwand des nördlichen Querschiffs gestanden haben. Ehe Sie jetzt mit dem Kompass durch die Kirche irren: Das ist da, wo heute der Dreifaltigkeitsaltar auf der linken Empore steht. Der Organist betrat damals die Orgel von einer kleinen Kapelle aus, die außen ans Münster angebaut war. Diese Barbarakapelle ist inzwischen verschwunden.

 

Das Bonner Münster könnte also stolz darauf verweisen, eine der frühesten Orgelanlagen Deutschlands besessen zu haben. Tut es aber nicht: "Wat fott es, es fott", sagt der Rheinländer (Was weg ist, ist weg.). Außerdem ging es ja weiter mit den Orgeln: Im 15. Jahrhundert zog das Instrument um. Man klebte die Orgel wie ein Schwalbennest ins Mittelschiff, hoch über den Köpfen der Menschen. Wenn Sie im Mittelgang stehen und Richtung Altar gucken, zählen Sie mal die Fensterbögen über Ihnen: Im zweiten Bogen hing die Orgel, oberhalb der barocken Kanzel - und zwar etwa 200 Jahre lang. Gleichzeitig gab es wahrscheinlich noch eine zweite, kleinere Orgel im Hochchor. 1612 wird die Chororgel durch ein neues Instrument ersetzt.

 

Eine Kirche mit zwei Orgeln - ist das kirchlicher Prunk, fromme Verschwendung? Wie viele Radios haben Sie denn zu Hause? Na also. Wer nimmt schon die High Tech-Anlage im Wohnzimmer in Betrieb, wenn er beim Duschen ein bisschen Musik hören will? Mit den voluminösen Musikstücken des Barock kommen neue Aufgaben auf die Kirchenorgeln zu. Die neue Musik will schließlich, wenn schon nicht in Dolby Surround, dann zumindest aber auf beiden Ohren gleich laut gehört werden.

 

Man hängt die Schwalbennestorgel ab, räumt den Westchor des Münsters aus und baut dort eine Orgel ein. Das war 1652. Die Orgel muss gewaltig gewesen sein - zumindest war sie teuer, wie aus den erhaltenen Rechnungen hervorgeht: Für eine Orgel des Kölner Orgelbauers Wilhelm Gommersbach mit 16 oder 17 Registern mussten damals um die 300 Reichstaler bezahlt werden. Die im Bonner Münster kostete 1200 Taler... Übrigens: Auch der junge Beethoven erhielt Unterricht auf diesem Instrument. Taub, das wollen wir hier betonen, wurde er erst später.

 

Die nächste Orgel zog 1794 ein, erbaut vom Poppelsdorfer Orgelbauer Peter Kemper. Ursprünglich war sie für die Stadt Riga in Lettland bestimmt. Aber da die französischen Behörden den Abtransport nicht genehmigten, kam das gute Stück nur bis Bonn. Wieder knapp 100 Jahre später, 1888, wollte man eine neue Orgel haben - aber das Geld reichte nicht. Bis die Schwiegertochter des Organisten der Münsterpfarrei eine Stiftung vermachte - mit der Auflage, einen Teil des Vermögens für den Bau einer Orgel zu verwenden. Sie sehen: Die Idee einer Münster-Stiftung ist nicht neu.

 

Die mit dem Stiftungsvermögen geplante Orgel mit ihren bescheidenen 130 Registern wurde nie fertig — der Erste Weltkrieg kam dazwischen und machte das in Kriegsanleihen angelegte Geld wertlos. Man spielte weiter auf der alten Kemper-Orgel, bis die Orgelbauwerkstatt Klais in den zwanziger Jahren wiederum den Auftrag erhielt, eine große Münsterorgel zu errichten. Klais plante eine Anlage mit 109 Registern, verteilt auf 90 Register in der Hauptorgel auf der Westempore und 18 Register für eine Chororgel.

 

Wieder fehlte das Geld für dieses Monumentalwerk, und so entstand zunächst eine kleinere Orgel mit 30 Registern, die 1925 eingeweiht wurde. Darauf basierend, wurde vom ursprünglichen Plan, den Klais entwickelt hat, schließlich eine große Orgel mit 70 Registern realisiert. Eingeweiht wurde sie am 21. Januar 1940. Nur fünf Jahre später, am 6. Januar 1945, wurde sie durch eine Luftmine stark beschädigt. Aus den noch brauchbaren Teilen baute Klais bis 1948 eine Behelfsorgel. Sie diente bis 1961 - dann zog die heutige Orgel ins Bonner Münster ein. Sie wurde am 12. November 1961 eingeweiht.