33. Sonntag, "Du bist ein König" (Ausstellung), Predigt

16. November 2014; Schumacher, Wilfried

Die Kurfürsten

Fotos ►

Salbgefäß für Taufe und Firmung Ein König verweist auf Christus Christus als

Predigt des Stadtdechanten von Bonn, Msgr. Wilfried Schumacher, am 33. Sonntag im Jahreskreis, 16. November 2014, zur Ausstellung „Du bist ein König“

  

Majestäten,

liebe Königinnen und Könige,

 

so muss ich sie korrekt ansprechen, wenn wir die Präsentation im nördlichen Querhaus, hier vor dem Altar und im Hochchor ernst nehmen.

Anlass ist das 700-jährige Jubiläum der Krönung Friedrich des Schönen von Österreich zum deutschen König hier in unserem Bonner Münster im Jahre 1314.

Wie kam es zu diesem besonderen Ereignis? 1314 war das Lager der Kurfürsten, die den deutschen König wählen mussten, gespalten. Die eine Fraktion bestehend aus 4 Kurfürsten wählte gemeinsam mit dem Kölner Erzbischof Friedrich von Habsburg zum deutschen König, der andere Teil bestehend aus 5 Kurfürsten wählte gemeinsam mit dem Erzbischof von Mainz Ludwig den Bayern zum deutschen König. Eine seltsame Arithmetik, wenn man weiß, dass nur 7 Kurfürsten wahlberechtigt waren. Aber in 2 Kurfürstentümern stritt man darüber, wer denn stimmberechtigt sei. So kam diese Doppelwahl zustande!

 

Krönung im Bonner Münster

Friedrich der Schöne wollte sich in Aachen krönen lassen, aber die Aachener verwehrten ihm den Zutritt zur Stadt, genauso wie die Kölner. Da der Kölner Erzbischof in Bonn residierte, lag es nahe hier in der ehemaligen Stiftskirche des Cassiusstiftes die Krönung vorzunehmen. Dazu kamen auch die Reichsinsignien, deren Kopien wir auch im nördlichen Querschiff zeigen, erstmals in unser Münster. Deutschland hatte damals 2 Könige, die sich zuerst bekriegten und 1325 im Münchner Vertrag sich darauf einigten, das Königtum gemeinsam arbeitsteilig auszuüben. Dieser Kompromiss ist nach Ansicht der Historiker entscheidend auch für die verfassungsgeschichtliche Entwicklung im Mittelalter.

 

Wieso aber präsentieren wir das in unserem Münster;

Darauf gibt es eine zweifache Antwort:

die Krönung Friedrich von Habsburg zum deutschen König ist ein wichtiges Datum in der Geschichte unserer Stadt. Nur wer die Geschichte kennt, kann die Gegenwart und die Zukunft bestehen. Uns ist diese Stadt ein Anliegen und deshalb feiern wir dieses Jubiläum.

Die entscheidende Antwort aber gibt das Salbungsgefäß, das hier vorne vor dem Altar in einer Vitrine zu sehen ist. Es erinnert daran, dass die Könige im Mittelalter, auch Friedrich, zum König gesalbt wurden. Aber es weist auch darauf hin, dass wir alle in unserer Taufe zu Königen gesalbt wurden. Der Priester hat mit Chrisam-Öl unsere Stirn gesalbt uns dabei zugesagt, dass wir ein König, eine Königin sind, denn wir gehören zu Jesus Christus, „der gesalbt ist zum Priester, König und Propheten in Ewigkeit.“

 

Wir alle sind Könige

Wir alle sind Könige – wir alle haben eine königliche Würde. Deshalb steht auch ein König, ein Werk des Bonner Diakons Ralf Knoblauch, neben dem Salbungsgefäß.

Wir alle sind Könige - nicht aus eigenem Verdienst oder aus Abstammung, sondern weil Gott uns dazu macht! Gott vertraut uns diese Würde an, damit wir entsprechend leben und handeln.

 

Im Alten Testament steht, was Gott vom König erwartet: er kämpft für Wahrheit und Recht, er liebt das Recht und hast das Unrecht (Psalm 45), er rettet den Gebeugten, der um Hilfe schreit, den Armen und den, der keinen Helfer hat. Er erbarmt sich des Gebeugten und Schwachen, er rettet das Leben der Armen. (Psalm 72)

 

Gott vertraut uns diese Würde an. Im Evangelium (Matthäus 25,14-30) haben wir von den anvertrauten Talenten gehört. Alles, was wir sind und haben, ist nicht unser eigen. Wir sind nicht die Herren unserer selbst und unserer Welt.  Wir sind Gottes Diener und Mitarbeiter, Verwalter seiner Schöpfung. Gott hat uns seine Güter „anvertraut“, in einem Akt des Vertrauens hat er uns die Erde überlassen und jedem von uns eine besondere Aufgabe zugeteilt.  Er will, dass wir unsere Talente erkennen und schätzen und sorgfältig damit umgehen.

 

Im Gleichnis heißt es, dass der Herr seinen Dienern die Talente zuweist „jedem nach seinen Fähigkeiten“ Gott stattet jeden mit anderen Gaben aus. Jeder soll damit umgehen, wie es seiner Eigenart entspricht. Allen ist aufgetragen: das anvertraute Gut fruchtbar werden zu lassen, es mit Ideen und Kreativität zu vermehren zu suchen. Für mich von zentraler Bedeutung das Wort, das der Herr seinem Diener sagt: „Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener!“

 

Mir fällt dazu eine Geschichte ein, die der berühmte Dirigent Solti erzählt hat. Einer der weltbesten Dirigenten der damaligen Zeit. Toscanini, hörte den jungen Solti bei einer Opernprobe Klavier spielen. Als die Probe zu Ende war, kam Toscanini von sich aus zu ihm und sagte ein einziges Wort: „Bene! Gut!“ Dieses Bene war für den jungen Solti die größte Hilfe und Ermutigung, die er in seinem Leben erhalten hat. Dieses Wort war wichtiger als alles an Erfolg, Geld und Ruhm, was ihm später in Fülle zuteilwurde. Dieses Bene von Toscanini half ihm, sich selbst zu finden und den Entschluss zu fassen, das zu werden, was er werden wollte.

 

Auch im Gleichnis von den drei Knechten stellt ein einziges Wort das Leben eines Menschen in ein ganz anderes Licht. Es ist das gleiche Wort, das Toscanini dem jungen Solti nach der Probe gesagt hat: „Bene. Gut.“ Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener.

 

Wenn Sie gleich oder in den nächsten Tagen hinauf in den Hochchor steigen und die König betrachten, werden Sie als Letzten einen König sehen, der nach oben zeigt zum Pantokrator. Christus, der König, der wiederkehrende Weltenrichter. Es wird darauf ankommen, dass am Ende unseres Lebens, wenn wir uns Lebenswerk, unsere Mühe und Anstrengung vor Gott tragen, wir sein Urteil hören: „gut!“

Es wird alle Spannung lösen und den mühsamen und rätselhaften Stunden des Lebens einen Sinn geben – so wie das „Bene! Gut!“ des großen Meisters Toscanini für den jungen Solti wichtiger wurde als aller Erfolg, Geld und Ruhm.

 

Das „Bene! Gut!“ des heutigen Evangeliums lässt mich bittend aufschauend zum Pantokrator: Hilf mir, dass mein Leben so gelingt, dass Du am Ende „gut“ sagen kannst.

 

Wir können es aber auch schon in diesem Leben öfter zueinander sagen: „Gut!“ und wir werden uns wundern, wie viel Energie es im anderen freisetzt.

 

Zurück