Grußwort des Oberbürgermeisters

Unsere Stadt kann sich mit vielen Attributen schmücken: Sie ist UN-Stadt und Bundesstadt. Als Geburtsort des großen Komponisten nennt sie sich mit Recht Beethovenstadt. 50 Jahre lang war sie Bundeshauptstadt der Bundesrepublik und im Mittelalter mehrere Jahrhunderte lang Residenzstadt der Kölner Erzbischöfe und Kurfürsten.

 

Nur wenige Bonnerinnen und Bonner aber wissen, dass Bonn auch Krönungsstadt war. Zweimal wurden im Bonner Münster deutsche Könige gekrönt. Zum ersten Mal am 25. November 1314 der Habsburger Friedrich der Schöne. Bonn wurde damit für kurze Zeit zum ersten Mal zum politischen Mittelpunkt Deutschlands – wenn auch in einer sehr schwierigen und umstrittenen Situation. Denn neben Friedrich gab es noch einen anderen Herrscher, der die Königswürde für sich beanspruchte, Ludwig von Bayern. Über zehn Jahre lang bekämpften sich beide Kontrahenten, ohne dass eine der beiden Seiten die Oberhand gewann.

 

Beide Seiten schlossen schließlich einen bemerkenswerten Kompromiss. Friedrich und Ludwig erkannten sich 1325 gegenseitig als König an und vereinbarten eine Art Arbeitsteilung: Demnach sollte Friedrich in Deutschland herrschen, während Ludwig nach Italien ziehen und die Kaiserkrone erwerben wollte. Die Folge der Bonner Krönung von 1314 ist also nicht nur der Krieg, sondern auch der Kompromiss. Darauf kommt es auch heute noch an: In Streitfällen müssen wir aufeinander zugehen und innovative Kompromisse
schließen, um eine als schwierig oder gar untragbar empfundene Situation zu beenden.

 

Ich freue mich, dass die Universität Bonn und das Bonner Münster dieses Jubiläum mit den Veranstaltungen im Herbst ins Bewusstsein unserer Stadt tragen.

 

 

Jürgen Nimptsch

Oberbürgermeister