Grußwort des Stadtdechanten

Es gibt kaum ein Gebäude in Bonn, das so von der Geschichte unserer Stadt erzählt wie unser Münster. Es beginnt mit den Römern, von denen die alte Totengedächtnisstätte berichtet, die man 1928 unter der Krypta ausgegraben hat. Das Andenken der verfolgten Christen des 4. Jahrhunderts bewahren die Hl. Cassius und Florentius, über deren Gräbern die Basilika erbaut worden ist. Die gesamte Architektur erzählt vom Mittelalter und in Verbindung mit der Martinskirche, die einmal auf dem Martinsplatz stand, erfahren wir etwas von den Kreuzzügen.

 

Die Kriege, Belagerungen und Plünderungen, die Bonn heimgesucht haben, hinterließen ebenso ihre Spuren wie der unbändige Wille der Bonner, ihr Münster immer wieder aufzubauen. Wir sehen die Folgen des napoleonischen Reichsdeputationshauptschlusses und erfreuen uns an den Malereien aus des preußischen Kaiserreiches. Der Granatsplitter am Vierungsturm berichtet vom Artilleriebeschuss am Ende des Zweiten Weltkriegs und die Orgel steht für die Zeit des Wirtschaftswunders in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Das Relief mit dem Hl. Johannes Paul in der Krypta erinnert an die jüngste Vergangenheit, an seinen Besuch vor 34 Jahren.

 

In diesem Herbst erinnern wir uns im Münster an zwei große Augenblicke in der Stadtgeschichte, die den meisten unbekannt sind: im 14. Jahrhundert wurden zwei Mal deutsche Könige im Münster gekrönt. Der Erste war Friedrich der Schöne von Österreich am 25. November 1314, also vor genau 700 Jahren. Die Geschichte der Stadt ist uns genau wenig gleichgültig wie ihre Gegenwart. Deshalb feiern wir dieses Ereignis mit einer Vielzahl von Veranstaltungen.

 

Sie sind herzlich willkommen. Feiern Sie mit den König, die Stadt. das Münster.

 

Msgr. Wilfried Schumacher
Münsterpfarrer & Stadtdechant